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Freisings Ernährungs-Profis klärten auf: Superfood, Dickmacher und versteckter Zucker

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Melkkuh-Modell
Wie melkt man eigentlich eine Kuh? (v. l.) Sebastian Hisch, Kilian und Franziska Straubinger haben’s ausprobiert. © Michalek

Die „ESSERwisser“ haben zum zum ersten „Freisinger Innovationstag Ernährung“ eingeladen. Da gab es auch einen Blick in geheime Lebensmittel-Labore.

Freising - In der Domstadt gibt es wohl keinen Ort, an dem das Thema Ernährung mehr im Mittelpunkt steht als auf dem Weihenstephaner Berg, dem Nährberg. Am Samstag haben die „ESSERwisser“ dort zum ersten „Freisinger Innovationstag Ernährung“ eingeladen. Auf dem Weihenstephaner Campus konnten Interessierte unter anderem Vorträgen lauschen und Lebensmittel von Start-ups testen.

Hoch her ging es vor den Hörsälen: Dort konnten sich die Freisinger an zahlreichen Infoständen einen Überblick über Ernährung und Lebensmittel im Allgemeinen verschaffen. Rezepte und Tipps gegen das Verschwenden von Lebensmitteln gab es beim Kompetenzzentrum für Ernährung und dem Café Übrig.

Dort konnte man sich auf dem Mixer-Mobil, einem umgebauten Fahrrad, einen frischen Smoothie anrühren. Wer herausfinden wollte, wie viel Zucker in verschiedenen Getränken versteckt ist, war bei Dr. Gisela Olias vom Leibniz-Institut für Lebensmittel gut aufgehoben. Ihr Tipp: „Saftschorle lieber selbst mixen als kaufen, dann ist weniger Zucker drin.“

Vier Frauen und Mann auf Fahrrad
Strampeln für den Saft: Mit dem Mixer-Mobil vom Verein Übrig ließen sich Smoothies unkonventionell anrühren. © MIchalek

Seltener Blick in geheime Labore

An digitalen Programmen arbeitet aktuell „enable-Cluster“, ein Freisinger Zukunftsteam der TUM, das sich beispielsweise mit der Frage auseinandersetzt, ob sich das Ernährungsverhalten durch das Veröffentlichen und Bewerten von Essensfotos in sozialen Netzwerken verbessert. Einen seltenen Blick in die „TUM-Venture-Labs“, also jene Labore, in denen fernab der Öffentlichkeit Food-Innovationen entwickelt werden, erlaubte Verena Wohlfarth von der TUM.

Dort wurden in großen Gläsern Mixturen wild geschüttelt und gerüttelt, die theoretisch vielleicht schon bald die Lebensmittelindustrie auf den Kopf stellen könnten – etwa Fischersatz. Einige der neuen Produkte konnten auch gleich verköstigt werden – unter anderem ein überaus leckeres Soft-Eis auf rein pflanzlicher Basis.

Vegetarisch oder vegan? Was ist besser?

Groß war der Andrang auf die unterschiedlichsten Vorträge. Unter anderem referierten Prof. Dr. Hans Hauner von der TUM über die Frage, ob vegetarische oder vegane Ernährung gesünder sei als konventionelle. Sein Resümee: „Wahrscheinlich ist ein Mix von vegetarischer Kost und Normalkost am besten.“ Der Ratschlag des Experten: „Weniger Fleisch essen, höchstens 600 Gramm pro Woche.“ Von veganen Ersatzprodukten hält Hauner dagegen weniger, diese enthielten oft viel Zucker und Fett.

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Prof. Dr. Kurt Gedrich von der TUM ist kein Fan von sogenannter personalisierter Ernährung, sprich, dass Ernährungsempfehlungen auf der Grundlage individueller Daten gegeben werden. Diesbezüglich stünden noch viele Forschungen aus, zudem sei der Erfolg eher gering, mutmaßt Gedrich. Sein Ratschlag: „Warten Sie damit noch, außer Sie wollen jetzt mit ihrem Geld die Wirtschaft anheizen!“

Einen spannenden Vortrag gab es im Anschluss von Dr. Christina Holzapfel vom MRI zum Thema „Dickmacher“. Das aktuell angesagte Intervallfasten funktioniert laut Holzapfel nur, wenn Kohlenhydrate eingespart und nicht komplett in der Essphase zu sich genommen werden. Bei dem Vorschlag einer Zuhörerin, eine Zuckersteuer einzuführen, winkte Holzapfel allerdings ab: „Es wird schwer, gegen die Lobby anzukommen.“ Abgerundet wurden die Vorträge durch Podiumsdiskussionen, etwa zur Nahrungsmittelproduktion der Zukunft.

Von Richard Lorenz

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