Partyvolk in Disco
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Mit Maske auf der Tanzfläche? Das kann sich Max Riemensperger nicht vorstellen und hofft auf eine Regelung wie in Berliner Diskotheken. Dort entfallen Masken- und Abstandspflicht – allerdings nur bei Anwendung von 2G. (Symbolbild)

„Ich will so öffnen, wie ich zugemacht habe“:

Freisings Nachtcafé-Betreiber Max Riemensperger begrüßt geplante Disco-Öffnung, sieht aber ein Manko

  • Manuel Eser
    VonManuel Eser
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Wie sieht der Freisinger Disco-Betreiber Max Riemensperger den geplanten Lockerungen entgegen? Und was hält er von 2G? Im Interview gibt er Antworten.

Freising – Keiner wurde von der Pandemie so lange ausgebremst wie Diskotheken und Clubs: Seit März 2020 befinden sich Tanzlokale komplett im Lockdown. Davon betroffen ist auch Max Riemensperger, Betreiber des Nachtcafés in Freising. Jetzt gibt es seitens der Politik erstmals in der Pandemie eine Perspektive für ihn.

Wie Ministerpräsident Markus Söder am 30. August in seiner Pressekonferenz erklärte, sollen Clubs und Diskotheken im Oktober wieder öffnen können – für Geimpfte, Genesene und Besucher, die sich einem PCR-Test unterzogen haben. Im FT-Interview berichtet Riemensperger, was ihn an den geplanten Auflagen stört, was ihm Hoffnung macht, und wie er den ultralangen Lockdown überstanden hat.

Freisinger Tagblatt: Herr Riemensperger, der letzte Discoabend im Nachtcafé ist lange her. Können Sie sich daran überhaupt noch erinnern?

Max Riemensperger: (lacht) Ja, sehr gut sogar. Es war ein toller Abend. Der Laden war voll, es wurde ausgelassen gefeiert, und dann war auf einen Schlag alles vorbei.

Jetzt, 17 Monate später, gibt es im Freistaat die politische Entscheidung, dass es im Oktober wieder losgehen kann – nach einem zeitlichen Sicherheitsabstand mit Blick auf die Reiserückkehrer. Wie haben Sie die Entscheidung aufgenommen?

Sehr wohlwollend. Für mich war es ein schönes Zeichen, dass man sich an uns Diskotheken-Betreiber noch erinnert, die seit Corona am Allerlängsten ausharren müssen. Meinen Mitarbeitern habe ich schon im Frühjahr gesagt, dass wir vielleicht im Oktober oder November wieder aufmachen können – wenn wir Glück haben.

Haben Sie nach der Söder-Pressekonferenz Reaktionen bekommen?

Am Tag danach ist mein Telefon nicht mehr stillgestanden. Die Leute waren total euphorisch, wollten gleich reservieren oder haben sich erkundigt, wann sie ein Event machen können. Da musste ich leider erst mal einbremsen, weil die Auflagen, die uns betreffen, noch nicht final feststehen.

Freisinger Disco-Betreiber: „In Bayern sieht es nicht so rosig für uns aus“

Wie fällt der Blick auf die Auflagen aus?

Wie es in Bayern derzeit geplant ist, schaut es nicht so rosig für uns aus. Demnach müssten die Gäste Maske tragen, wenn die 1,5 Meter-Abstandsregel nicht eingehalten wird. Aber das mit der Maske geht vielleicht am Anfang der Nacht gut, dann kommen die Leute richtig in Feierlaune und es wird nicht mehr funktionieren.

Disco bedeutet ja letztlich auch Nähe.

Natürlich. Die Menschen gehen in die Disco, um abzuschalten, Spaß zu haben und vielleicht jemanden kennenzulernen. Und als Gastgeber will ich die Leute auch nicht maßregeln. Deshalb lautet meine Prämisse auch: Ich will so öffnen, wie ich zugemacht habe. Und das sollte auch klappen.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Max Riemensperger, Betreiber des Nachtcafès in Freising: „Schön, dass man sich an uns noch erinnert.“

Ich habe mit Kollegen aus Berlin gesprochen. Da sieht die Sache anders aus als in Bayern geplant. Da darf im Lokal ohne Abstand und Maske gefeiert werden, wenn 2G eingehalten wird. Mir wäre es allerdings lieber, wenn zusätzlich auch alle mit PCR-Test kommen dürften. Das wäre das Optimum.

Wie würden Sie zur Not einer 2G-Regelung gegenüberstehen – also Eintritt nur für Geimpfte und Genesene?

Prinzipiell wollen wir gerne alle beherbergen können. Wenn es aber auf 2G hinausläuft, damit wir öffnen müssen, dann muss jeder dafür Verständnis haben, dass wir das dann auch so umsetzen.

Ist die Wartezeit bis Oktober ein Problem für Sie?

Wir haben so lange ausgeharrt, da werden wir noch ein paar Wochen durchhalten.

„Kenne Kollegen, die in ein großes Loch gefallen sind“

Wie haben Sie den ultralangen Lockdown durchgestanden?

Wir hatten zum Glück einen florierenden Betrieb. Da konnten wir uns schon Reserven ansparen. Trotzdem muss man sagen: Ohne Unterstützung des Staates wär es nicht gegangen. Die Hilfen kamen zum Glück zur richtigen Zeit. Ich habe auch mit vielen Kollegen gesprochen, die sagen, dass sie Corona zehn Jahre zurückgeworfen hat. Rücklagen, die über diesen Zeitraum aufgebaut wurden, sind komplett aufgebraucht. Viele fangen jetzt bei Null an oder sogar mit einem Minus.

Es ist sicher auch seelisch hart, wenn man zum Nichtstun verdonnert ist.

Zum Glück habe ich genügend Betätigungsfelder. Ich hatte immer Arbeit, und mir wurde nie langweilig. Aber ich kenne Kollegen, die in ein großes Loch gefallen sind.

Aderlass könnte es auch beim Personal geben, oder können Sie nach so langer Zeit die alte Crew noch mal zusammentrommeln?

Es gibt tatsächlich Menschen, die 20 Jahre lang für mich gearbeitet haben – mit Leidenschaft. Einige haben aber während der Pandemie gemerkt, dass es auch mal schön ist, am Wochenende daheim zu sein bei der Familie. Und natürlich gibt es auch welche, die sich eine neue Arbeit gesucht haben, suchen mussten, weil sie den Zuverdienst benötigen. Ich muss mich also selbst überraschen lassen, wer wieder am Start sein wird.

Wird sich auch das Publikum verändern?

Ich freue mich auf jedes neue Gesicht. Wir hatten vor der Pandemie aber auch Wahnsinnsstammgäste. Ich denke schon, dass ich viele von ihnen wiedersehen werde. Das bisherige Feedback lässt darauf hoffen.

Wie stellen Sie sich Ihren ersten Discoabend nach der Pandemie vor?

Wie ein großes Familienfest. Ich glaube, dass es für den ein oder anderen ganz schön emotional wird.

Lesen Sie auch: Nach langer Zitterpartie konnte am Freitag der „Sommer in der Stadt“ in Freising eröffnet werden. Besucher dürfen sich auf einen schönen, luftigen Park freuen.

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