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Hier sammelt er Kraft und schöpft Ideen: Stefan Hiesinger, Kandidat der Piratenpartei. Mit seiner Hündin Afra sitzt er gern beim Kreuz vor Aiterbach, an der Abzweigung des Radlwegs nach Nörting.

Landtagswahl in Bayern

Freisings Piratenpartei-Kandidat Stefan Hiesinger: „Die besten Zeiten liegen hoffentlich noch vor uns“

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    Andreas Beschorner
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Sein Ziel ist das Maximilianeum: Für Stefan Hiesinger (Piratenpartei) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie seine drei Strategien gegen die Wohnungsnot aussehen, was er am Bildungssystem auszusetzen hat und warum die Piratenpartei für ihn nach wie vor relevant ist.

-In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Wie fühlen Sie sich?

Hoffnungsschwanger.

-In Freising gibt es die eine große Gretchenfrage, und die lautet: Wie halten Sie es mit der Dritten Startbahn?

Die dritte Startbahn lehne ich strikt ab. Auch der größte Flughafen Europas, London- Heathrow, kommt mit nur zwei Startbahnen aus.

Landtagskandidat Stefan Hiesinger fordert: „Mittelfristig muss das Berufsbild des Erziehers attraktiver werden.“

-Freising ächzt unter der Verkehrsbelastung. Derzeit werden mit der Westtangente und die Nordostumfahrung zwei Straßen gebaut, die den Verkehr aus der Stadt heraushalten sollen. Ist es damit getan, oder braucht es weitere Lösungen?

Es braucht mit Sicherheit noch weitere Lösungen, wie beispielsweise den fahrscheinfreien, umlagefinanzierten öffentlichen Personennahverkehr mit besserer Einbeziehung der umliegenden Gemeinden und Dörfer.

-Ein Infarkt droht auch in Sachen Kinderbetreuung. Noch im Frühjahr hat es so ausgesehen, als ob etliche Kinder auf Wartelisten versauern würden. Mit Ach und Krach konnten nun alle untergebracht werden. Wie wollen Sie diese permanent schwelende Kita-Krise zu einem guten Ende führen?

Kurzfristig durch den verstärkten Einsatz von Eltern, die bereits eigene Kinder erfolgreich erzogen haben, und durch mehr Tagesmütter. Mittelfristig müssen die notwendigen Einrichtungen geschaffen und das Berufsbild des Erziehers/der Erzieherin attraktiver werden – etwa durch die Verkürzung der Ausbildungsdauer und eine bessere Vergütung.

Landtagskandidat Stefan Hiesinger: „Wir brauchen eine Förderung lokaler Wohnbaugenossenschaften.“

-Sorge bereitet den Menschen auch die Entwicklung der Mietpreise. Wie wollen Sie für Wohnraum sorgen, der auch für Normalsterbliche bezahlbar ist?

Mit drei Maßnahmen: Einen Stopp der Umwandlung von billigen Mietwohnungen in luxussanierte Eigentumswohnungen, Förderung von lokalen Wohnbaugenossenschaften durch den bayrischen Staat sowie bürokratische Erleichterungen beim Wohnungsneubau.

-Der Freistaat hat jüngst proklamiert, mehr in die Höhe als in die Breite zu bauen. Gesellt sich zu den Kirchtürmen im Landkreis Freising auch bald eine Skyline?

Ich hoffe, dass es in den ländlichen Gebieten noch bei der bisherigen Bauweise bleibt. In den städtischen Gebieten wird wohl verstärkt mit „Hochhäusern“ zu rechnen sein, da der knappe Raum im Sinne bezahlbarer Mietpreise möglichst effizient genutzt werden muss.

-Welches Thema liegt Ihnen neben den bereits angesprochenen noch besonders am Herzen?

Es ist für die Bundesländer an der Zeit, bei Polizei und Bildung nicht mehr störrisch an ihrem Regelungsrecht festzuhalten und die entsprechenden Kompetenzen an den Bund abzutreten. Ich erwarte von der Polizei ein bundesweit einheitliches Auftreten, angemessenes Verhalten und vor allem einen einheitlichen Datenbestand. Sogenannte Ermittlungspannen aufgrund mangelhaften Datenaustausches dürfen nicht mehr vorkommen. Schul- und Studienabschlüsse müssen in ganz Deutschland gleich schwer oder leicht zu erreichen sein. Es darf hier keine Unterschiede zwischen den Bundesländern oder einzelnen Hochschulen geben. Die hierzu nötigen Änderungen am Föderalismus sind schwierig, aber durchaus möglich.

Das fordert Landtagskandidat Stefan Hiesinger: „Wichtig ist nicht meine Meinung, sondern die der Bürger.“

-Wenn die aktuellen Umfragen eintreten, verliert die CSU bei der Wahl die absolute Mehrheit. Mit welcher Partei könnten Sie sich denn eine Koalition vorstellen?

Mit den Grünen.

-Warum gerade mit dieser Partei?

Weil es mit diesen die meisten Gemeinsamkeiten gibt.

- Wem Ihrer Gegenkandidaten im Landkreis Freising würden Sie gerne mal Ihre Meinung sagen?

Keinem bestimmten. Wichtig ist nicht meine Meinung, sondern die Meinung der Bürger. Deren Sprachrohr will ich gerne sein.

-Und wie lautet die Botschaft?

Wenn Sie genug haben von den üblichen Floskeln und dem ewig gleichen Blabla, dann bin ich der Richtige für Sie.

Landtagskandidat Stefan Hiesinger: „Ich möchte mehr Bürgerbeteiligung und größtmögliche Transparenz.“

-Aber hat die Piratenpartei überhaupt noch Relevanz, oder liegen ihre besten Zeiten nicht schon weit zurück?

Natürlich hat die Piratenpartei nach wie vor Relevanz. Sie ist modern: Das Internet war für uns nie „Neuland“, wir waren von Anfang an dabei. Sie ist zukunftsorientiert: Unsere viele Jahre alte Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen wird mittlerweile quer durch alle Parteien diskutiert. Und sie ist traditionsbewusst: Die Bürgerrechte wurden nicht ohne Grund durch das Grundgesetz entsprechend stark ausgestaltet, sie dürfen nicht immer weiter untergraben werden. Wir hatten in der Vergangenheit sicherlich schon bessere Zeiten, aber die besten Zeiten liegen hoffentlich noch vor uns.

-Wenn Sie das Landtagsmandat erhalten, dann . . .

. . . werde ich mich nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl der Bürger vor den Interessen der Wirtschaft einsetzten. Ich möchte mehr Bürgerbeteiligung und größtmögliche Transparenz bei politischen Entscheidungen erreichen.

In aller Kürze:

Alter: 45

Wohnort: Allershausen

Familie: alleinstehend, keine Kinder, ein Hund

Da bin ich aufgewachsen: Eching

Das ist mein Leibgericht: warme Leberkässemmel

Dieser Film liegt mir am Herzen: Forrest Gump

Diesem Verein drücke ich die Daumen: 1860 München

Ich lese gerade: Fachliteratur (Steuerrecht)

Das ist mein politisches Vorbild: Helmut Schmidt, weil er wie kein anderer in der Lage war, auch schwierigste politische Zusammenhänge zu erfassen, zu bewerten und dann die entsprechenden Entscheidungen zu treffen

Deshalb bin ich Politiker geworden: Unserem Land geht es immer besser, vielen einzelnen jedoch immer schlechter. Ich möchte versuchen, wenigstens ein bisschen zur Verbesserung für jeden einzelnen beizutragen.

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