Schulklasse mit Masken
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Alle sind wieder an Bord! Auch in der 5c in Lerchenfeld war die Freude über das Wiedersehen nach langer Zeit groß – trotz Maskenpflicht.

Jetzt herrscht wieder Regelbetrieb, aber Lerndefizite aufholen ist nicht alles

Freisings Schüler brauchen jetzt Normalität statt Stress

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Die Schulfamilien sind wieder komplett. Jetzt müssen Lerndefizite aufgeholt werden. Aber es gibt noch Wichtigeres: Ein Stück Normalität im Schulalltag.

Freising - Endlich wieder gemeinsam in der Klasse! „Die Schüler sind total happy und aufgedreht“, berichtet Andrea Weigl, Leiterin der Realschule Gute Änger in Freising. „Die Stimmung ist super!“ Seit Montag läuft wieder der Regelbetrieb an den Schulen – und der Start nach den Ferien hat gut geklappt, berichten auch viele weitere Schulleiter. Tests, Maskenpflicht – das sei alles anstrengend und lästig, aber inzwischen Routine. Allerdings werde es wohl bis weit ins nächste Schuljahr dauern, bis die coronabedingten Defizite bei vielen Schülern ausgeglichen sind. Dabei geht es nicht nur noch um Lerninhalte, die auf der Strecke geblieben sind – sondern auch um das Seelenheil der Kinder.

In der Schule wird Vieles abgefedert

„In der Schule wird so manches abgefedert, was daheim schief läuft“, weiß etwa Simon Pelczer, der Leiter der Freisinger Paul-Gerhardt-Schulen. „In einigen Familien ist die Schule der einzige Ort, wo es normal läuft.“ Noch sei es zu früh, die negativen sozialen Folgen der langen Schulabstinenz einzuschätzen, so Pelczer. Aber wenn Kinder über Monate nur familiären Stress hätten, dazu weder eine Tagesstruktur noch Betreuung, dann müsse man schon mit gravierenden Folgen rechnen. Deshalb gehe es jetzt nicht nur darum, Lerndefizite aufzuholen, sondern diese Kinder wieder aufzufangen. In einigen Wochen werde sich zeigen, wie die Kinder die Zeit ohne Schule verkraftet hätten – „etwa, wenn es Stress mit anderen Kindern gibt“.

„Einige sind sicher auf der Strecke geblieben“

Gerd Preuß sieht das genauso: „Bei uns hat der Start nach den Ferien super geklappt“, berichtet der Chef der Wirtschaftsschule, „es herrscht eine gute Endspurtstimmung“. Aber: „Einige Kinder sind in der langen Zeit ohne Präsenzunterricht sicher auf der Strecke geblieben, gerade diejenigen, die zu Hause keine Betreuung hatten.“ Ob und wie viele Kinder „völlig abgehängt“ worden seien, werde sich erst in einigen Wochen zeigen. „Jetzt geht es deshalb erst einmal darum, alle wieder ins Boot zu holen.“

Und um das Auffüllen der entstandenen Wissenslücken. „Dazu bleibt nicht mehr viel Zeit“, weiß Preuß, „in Kürze finden ja bereits Abschlussprüfungen statt.“ Sicher würden die Lehrkräfte bis ins nächste Schuljahr damit beschäftigt sein, Lerndefizite auszugleichen – „wenn das überhaupt noch komplett möglich ist“. Nicht für jeden Schüler sei es jetzt nämlich einfach, wieder Vollgas zu geben. Da habe sich der Schlendrian eingeschlichen: „Spät ins Bett gehen, spät aufstehen, viel Freizeit – da wird es jetzt für so manchen nicht einfach, wieder Richtung Pflicht zu gehen.“

Normalität ist jetzt das Wichtigste

Wichtiger als das Aufholen von Defiziten sei jetzt aber erst einmal ein normaler Schulalltag ohne großen Stress, betont Andrea Weigl. „Endlich gibt es für die Schulen nur gute Nachrichten: Wir haben wieder fast normalen Unterricht. Wir können wieder Sport machen ohne Maske. Sogar mehrtägige Klassenfahrten sind wieder möglich.“ Das wolle man erst einmal genießen. So groß seien die Wissenslücken nun auch wieder nicht. Und nicht jede Lücke müsse geschlossen werden. „Auf einiges kann man auch verzichten!“ Auch hätten die Realschüler trotz Distanzunterricht guten Kontakt zur Schule halten können. Die Realschul-Chefin verströmt Optimismus pur: „Das kriegen wir alles wieder hin!“

Selbsttests: Die Kinder machen problemlos mit

Routine sind inzwischen die Selbsttests der Schüler – selbst in den unteren Grundschulklassen, wie Simon Pelczer von den Paul-Gerhardt-Schulen in Freising berichtet: Die Tests seien unangenehm und die Aussagekraft seiner Meinung nach fraglich – „aber die Kinder machen problemlos mit und auch die anfänglich zum Teil großen Bedenken der Eltern haben sich gelegt“.

Bisher hat es an der Freisinger Grund- und Mittelschule übrigens lediglich vier oder fünf Positiv-Befunde gegeben. Die haben sich dann bei der Überprüfung durch einen PCR-Test allesamt als falsch herausgestellt.

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