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Jeder einzelne Vertrag zählt: Viele Branchen im Kreis Freising brauchen noch mehr Nachwuchskräfte

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Von: Manuel Eser

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Man sieht ein Banner „Azubis gesucht“
Trotz der schwierigen Corona-Rahmenbedingungen waren die meisten Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz gesucht haben, erfolgreich. Das Problem: Viele Branchen bräuchten noch mehr Nachwuchskräfte. © dpa

Trotz Corona waren die meisten Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchten, im Kreis Freising erfolgreich. Viele Branchen brauchen aber mehr Nachwuchs.

Landkreis – Im September haben etliche junge Menschen aus dem Landkreis Freising eine Ausbildung in einem Betrieb begonnen. „In diesem Jahr freue ich mich besonders über jeden einzelnen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag, stand das letzte Berufsberatungsjahr doch erneut sehr im Zeichen der Corona-Krise“, betont Nikolaus Windisch, Chef der Agentur für Arbeit Freising.

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So waren Herbst und Winter 2020/21 von Unsicherheit und wirtschaftlichen Einschränkungen geprägt, erst ab dem Frühsommer normalisierte sich die Lage in vielen Bereichen etwas. Praktika, persönliche Beratungen, Vorstellungsgespräche und sogar erste Berufsorientierungsmessen konnten wieder stattfinden. Auch die wirtschaftliche Situation entspannte sich in vielen Branchen. „Das gab dem regionalen Ausbildungsmarkt zusammen mit der hohen Ausbildungsbereitschaft der hiesigen Unternehmen einen guten Schub“, sagte Windisch.

Arbeitsagentur macht Jugendlichen Mut

Und trotzdem: Die Zahl der Ausbildungsstellen im Landkreis, die im Berufsberatungsjahr 2020/21 bei der Agentur gemeldet wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr erneut rückläufig. So suchten die regionalen Betriebe zum Ausbildungsbeginn für 994 Stellen Nachwuchskräfte – 127 Stellen weniger als im Vorjahr. Besonders deutlich fiel der Rückgang in den Bereichen Maschinenbau, Lagerei, Öffentliche Verwaltung und Gastgewerbe aus. Stellenzuwächse gab es dagegen im Großhandel. „Im Landkreis Freising konnten wir uns viele Jahre lang über eine – auch im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen – außerordentlich hohe Zahl an gemeldeten Ausbildungsstellen freuen“, stellt Windisch klar. „Die pandemiebedingt rückläufigen Zahlen sollten deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Arbeitgeber im Landkreis Freising weiterhin sehr hoch ist.“

Der Start im September

Zum Ausbildungsstart im September waren von den 994 gemeldeten Ausbildungsstellen noch 185 unbesetzt. Der Ausbildungsmarkt im Landkreis bleibt somit ein Bewerbermarkt. Entsprechend Positives gibt es auf Seiten der Jugendlichen zu vermelden: Wie schon in den vergangenen Jahren konnten fast alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen, die sich bei der Agentur zur Berufsberatung angemeldet hatten, zum Ausbildungsbeginn in eine berufliche oder schulische Ausbildung starten.

Die Zahlen

So machten sich zuletzt 882 junge Menschen mithilfe der Berufsberatung auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle, 25 weniger als im Vorjahr. Davon waren im September nur 18 unversorgt. „Jugendliche, die bisher keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten unbedingt weiter dranbleiben“, rät Harald Brandmaier, Leiter der Berufsberatung. „Viele Unternehmen stellen Azubis auch nach dem regulären Ausbildungsstart ein.“ Gesucht werden unter anderem angehende Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen, Hotelfachleute, Zahnmedizinische Fachangestellte, Medizinische Fachangestellte und Büromanagementkaufleute.

Das große Aber bei Handwerk und IHK

Auch im Handwerk waren zum Ausbildungsstart noch Lehrstellen zu vergeben – auch wenn 277 Lehrverträge abgeschlossen wurden, genauso viel wie im Vorjahr. „Die Rahmenbedingungen waren für viele Betriebe in den letzten Monaten noch schwerer als 2020“, betont Kreishandwerksmeister Mar-tin Reiter. Entsprechend zufrieden ist er mit der bisherigen Ausbeute. So verzeichnet das Handwerk in vielen Spar-ten eine Mehrung, beispiels-weise bei den Zimmerern, Anlagenmechanikern und Schreinern. „Besonders erfreulich finde ich, dass sich aktuell wieder mehr Jugendliche für eine Ausbildung zum Bäcker und zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk interessieren“, berichtet Reiter. „Einen leichten Rückgang gibt es hingegen bei den Friseur-Lehrlingen – vermutlich verursacht durch den langen Lockdown.

Stabile Ausbildungszahlen meldet auch die Industrie- und Handelskammer für Freising. So freut sich diese über 513 neue Azubis in den hiesigen Betrieben – exakt ein Ausbildungsvertrag mehr als im selben Zeitraum 2020.

„Die regionale Wirtschaft in Industrie, Handel und Dienstleistung schöpft nach dem Corona-Schock wieder Zuversicht“, heißt es von Seiten der IHK. „Auch die Talsohle bei der Besetzung von Ausbildungsstellen scheint bald überwunden.“ Die sinkende Zahl an Bewerbungen für eine Ausbildung sei aber „besorgniserregend“. Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz von heute bedeute eine fehlende Fachkraft von morgen.

Neue Klassen am Berufsschulzentrum

2314 junge Menschen werden im Staatlichen Berufsschulzentrum Freising seit September in 107 Klassen unterrichtet – in den Berufsfeldern Wirtschaft und Verwaltung, Elektro- und Informationstechnik, Metalltechnik und Nahrungsberufe. Zum Ausbildungsstart wurden an der Staatlichen Berufsschule 871 Jugendliche in das 1. Ausbildungsjahr aufgenommen – sieben Auszubildende weniger als 2020. Deutlich rückläufig ist die Zahl der Auszubildenden im Metallbereich bei den Industrie- und Feinwerkmechanikern und im Bereich Wirtschaft und Verwaltung bei den Servicekaufleuten im Luftverkehr. Eine Zunahme wird bei den Kaufleuten für Speditions- und Logistikdienstleistungen verzeichnet, bei den Verkäufen und Kaufleuten im Einzelhandel.

Die „Neustart-Klasse“

Auch im neuen Schuljahr konnte erneut zusätzlich eine durch den Europäischen Sozialfonds geförderte „Neustart-Klasse“ für Jugendliche mit besonderen persönlichen Problemlagen eingerichtet werden, meldet Schulleiter Daniel Spreng. Das Ziel dieses Angebots ist es, Jugendliche durch vollzeitschulische Bildung wieder an die Gesellschaft und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen. Ab Januar 2022 soll außerdem die bereits bestehende sogenannte „BV-Flexi-Klasse“ um eine zweite ergänzt werden. „Diese Vollzeitmaßnahme richtet sich an Jugendliche, die ihre Ausbildung abgebrochen oder die Probezeit an anderen Schulen nicht bestanden haben, aber weiterhin schulpflichtig sind“, erläutert Spreng.

Im laufenden Schuljahr werden bis auf 21 Schüler alle Jugendlichen ohne Ausbildungsberuf im Rahmen von Vollzeitmaßnahmen beschult. „Damit ist der vom bayerischen Kultusministerium angekündigte Paradigmenwechsel hin zum Vollzeitunterricht am Beruflichen Schulzentrum Freising weitgehend vollzogen.“

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