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Gut gerührt ist halb gewonnen: Viele helfende Hände aus den Reihen der Freisinger Pfarrjugend hat Fabian Wolf (Mitte, grünes T-Shirt) um sich. Die Ministranten färben das Sägemehl für das bunte Fronleichnams-Motiv.

Kunstwerk auf dem Marienplatz

Ein Farbenmeer: So schmückt Freisings Jugend die Stadt

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Fronleichnam in Freising ist bunt. Der Marienplatz am Fuße des Dombergs leuchtet beim feierlichen Gottesdienst in vielen Farben. Dafür sorgt die Jugend der Stadt – und macht sich dabei gerne die Hände schmutzig.

Freising – Quirin, 13 Jahre alt, hält einen großen Plastiksack fest, während die beiden elfjährigen Hannah und Marlene kübelweise feuchtes, rotes Pulver herbeischleppen. „Tomatensoße, Massenproduktion!“, kräht Quirin durch den Innenhof des Freisinger Pfarrheims. Die gut 15 Ministranten, die dort versammelt sind, haben eine Gaudi bei der Vorbereitung auf Fronleichnam. Jedes Jahr kreiert die Freisinger Jugend ein Kunstwerk für das Fest in der Domstadt.

Zunächst heißt es: Schleppen

Doch zunächst ist Schleppen angesagt: Fabian Wolf, 21, aus Freising und seine Ministranten-Truppe haben 27 große Säcke per Anhänger von einem nahen Sägewerk ins Freisinger Pfarrheim geschafft, jeder gut einen halben Zentner schwer. Dort sah es am Dienstag aus, als liefen die Vorbereitungen für ein Holi-Fest – in Indien bestreuen sich die Menschen zu diesem Anlass mit Farbpulver, um den Frühling zu begrüßen. Aber der Eindruck täuscht. Zwar hantieren die Freisinger Ministranten ebenfalls mit buntem Pulver und dem herbeigekarrten Sägemehl. Doch verteilt wird das in der Nacht zum Donnerstag nicht über tanzenden Menschenmassen, sondern auf dem Freisinger Marienplatz.

Die Tradition ist schon rund 50 Jahre alt

In der Domstadt ist es seit rund 50 Jahren Tradition, dass die Jugend den Platz für das Fronleichnamsfest mit einem prächtigen Motiv aus gefärbtem Sägemehl schmückt, anstelle eines Blumenteppichs, wie es in vielen anderen Orten in Bayern üblich ist. Fabian Wolf, der das Färben organisiert, schüttet mit konzentriertem Blick rotes Farbpulver aus einem Beutel auf eine Küchenwaage. Anderthalb Kilo auf einen Sack Sägemehl, nicht mehr und nicht weniger. „Das Sägemehl-Bild macht Fronleichnam in Freising besonders“, sagt er.

Festliches Bild: das Motiv des vergangenen Jahres beim Fronleichnams-Gottesdienst am Freisinger Marienplatz.

Mitten im Innenhof des Pfarrheims stehen drei ausrangierte Badewannen, alle bereits mit Sägemehl gefüllt. Mit beiden Händen bis über die Ellenbogen bei der Arbeit, verrühren die Jüngeren aus der Ministrantenriege das Sägemehl mit dem Farbpulver und einigen Litern Wasser, damit die Farbe kleben bleibt. Ihre Gummihandschuhe haben sie dabei eher der Form halber übergestreift. An der Farbe der Oberarme sieht man schon nach wenigen Minuten, wer in welcher Wanne gerührt hat. „Für so eine Aktion sollte man immer alte Kleider anziehen“, sagt Fabian Wolf und schmunzelt ein bisschen.

„Fertig!“, schallt es aus einer Ecke des Hofs. Wolf tritt an die Wanne heran und wirft einen kritischen Blick hinein. Er greift noch einmal tief ins Sägemehl, prüft ob es die Farbe gleichmäßig aufgenommen hat. Dann nickt er. „Könnt ihr einfüllen.“ Und Hannah und Marlene machen sich mit ihren Blechkübeln ans Werk.

Die Arbeit für die Kinder beginnt um drei Uhr in der Früh

Nach einigen Stunden Färbearbeit sind die 27 Säcke neu befüllt. Von drei Uhr morgens an in der Nacht zu Fronleichnam werden die Ministranten der Pfarrjugend gemeinsam mit den Pfadfindern, der Kolpingjugend und den Freisinger Dom-Ministranten die Logos der vier beteiligten Vereine auf den Freisinger Marienplatz streuen. Dort übernimmt Mario Tomic, 23, Maschinenbaustudent. Er ist für die Gestaltung des Motivs zuständig. Mit Paketschnur und Farbkreide markiert er die Flächen, auf denen seine Kollegen das bunte Sägemehl verteilen.

Dieses Jahr wird sich das Bild auf das hundertjährige Jubiläum der Heiligen Maria als Schutzpatronin Bayerns beziehen, so viel verraten die Künstler bereits. Die beste Gelegenheit, es zu bestaunen, gibt es beim Fronleichnamsgottesdienst um 8.30 Uhr. Bei dem könnte der eine oder andere Ministrant wegen des frühmorgendlichen Streudiensts etwas übernächtig wirken.

Lange liegen bleibt das Werk im Anschluss allerdings nicht – wie so vieles ist auch Sägemehl-Kunst vergänglich. Das weiß auch Fabian Wolf und: „Freitagfrüh fährt die Straßenreinigung drüber. Das war’s dann wieder.“

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