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Vier für Franka: (v. l.) Lisa Marlen Stroebel, Christian Matzeit, Markus Kaufmann und Vincent Kammerloher.

Was er tut, soll einen Mehrwert haben

Für Franka durch den Schlamm: Freisinger will für Organspende sensibilisieren

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Nach seiner Krebs-Erkrankung will Vincent Kammerloher für Organspende sensibilisieren und andere unterstützen - vor allem die kleine Franka, die dringend ein Spenderherz braucht.

Wolfersdorf – Seinen Sport hat Vincent Kammerloher nach seiner Krebs-Diagnose vor sechs Jahren mit am meisten vermisst. Fußball, Klettern, Laufen – all das war von heute auf morgen aus seinem Leben gestrichen. Wenn sich Vincent Kammerloher an die Zeit damals zurückerinnert, ist da jetzt auch immer wieder das Gefühl, dem Leben etwas zurückgeben zu wollen. „Wenn ich Dinge anpacke, frage ich mich immer, ob das nicht auch einen Mehrwert für andere haben könnte – für Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich damals.“

Vincent hat dem Krebs die Stirn geboten

Kurz bevor bei dem heute 28-Jährigen im März 2013 Krebs diagnostiziert wird, schmiedet er noch große sportliche Pläne mit seinem Bruder Simon. Die beiden beschließen, als „Team Kammerloher“ beim Limes Run, einem Cross-Hindernis-Lauf durch Dreck und Schlamm anzutreten. Doch der Krebs durchkreuzt die Pläne der Brüder. Lange Krankenhausaufenthalte, Chemotherapien – und das Warten auf eine Stammzellenspende bestimmten seinen Alltag. Vincent hat dem Krebs die Stirn geboten. Nach der Stammzellenspende am 11. Februar 2014 ist er heute wieder gesund.

Durch Matsch und Schlamm: Vincent (hinten) und Markus (Mitte) sind ein starkes Team.

Vor zwei Jahren lernt er seinen genetischen Bruder Markus Kaufmann kennen, der ihm mit einer Stammzellenspende das Leben gerettet hat. Schnell ist klar: Die beiden verbindet wesentlich mehr als die genetischen Merkmale. Als er sich durch die Bilder auf Markus’ Facebookseite klickt, sieht er, dass der schon mehrfach an Cross-Hindernisläufen teilgenommen hat. Da war sie wieder: die Sehnsucht, etwas Verrücktes zu machen – und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Gutes zu tun.

Voll motiviert ging Vincent Kammerloher beim Tough-Mudder-Lauf an den Start – in Gedanken bei allen, die ihm geholfen haben und ihn noch immer unterstützen.

Im März buchen die genetischen Zwillinge Vincent und Markus den „Tough Mudder“, holen noch zwei Freunde ins Boot und melden sich verbindlich zu dem Lauf in Wassertrüdingen an. Beim Freisinger Volksfestlauf wird der 28-Jährige nur eine Woche vor dem Event auf das „#Team-Franka“ aufmerksam, die für die zweijährige Franka, an den Start gehen, die dringend ein Spenderherz braucht. Sofort ist klar: Vincent und seine Mitstreiter werden den 16 Kilometer langen Hindernislauf durch Dreck und Schlamm für die kleine Franka und das Thema Organspende bestreiten. Vincent lässt T-Shirts für sich, Markus, Lisa-Marie Ströbel und Christian Matzeit drucken. Weil es für den guten Zweck ist, bekommt er sie von der Textildruckerei Stadtfeger zum Selbstkostenpreis, das Banner, das auf das Thema Organspende aufmerksam machen soll und das Vincent während des kompletten Laufs bei sich trägt, bekommt er von der Agentur Thalhofer sogar geschenkt.

„Lasst euch typisieren“

Vincent fühlt sich mit Franka und ihrer Familie durch das Schicksal der Kleinen verbunden. „Da ist eine Familie, die dringend auf ein Thema aufmerksam machen will. Hier ist es Organspende, bei mir war es damals Stammzellenspende. Da gibt es schon viele Parallelen.“ Und weil er vom Leben wie er sagt „nicht nur relativ viel, sondern alles, nämlich ein zweites Leben“ geschenkt bekommen habe, sieht er diesen Lauf wieder als eine Chance, etwas zurückzugeben.

Ein starkes Team: Markus hilft Vincent, jedes Hindernis zu überwinden. So wie damals, als er ihm mit einer Stammzellenspende das Leben gerettet hat.

Sportlich war heuer Vincents bestes Jahr, seit er als geheilt gilt. „Ich fühle mich so fit, dass ich zum ersten Mal voller Überzeugung sagen kann, ich bin wieder gesund.“ Denn „geheilt“ und „gesund“ ist nicht das Gleiche. Dreieinhalb Stunden hat der Lauf am vergangenen Wochenende gedauert. Dreieinhalb Stunden absolutes Teamwork, denn bei einem Tough-Mudder „kommst man nur durch, wenn man sich gegenseitig hilft“, betont Vincent. Eine Botschaft, „die fürs ganze Leben gilt.“ Sein persönlicher Appell an alle: „Lasst euch typisieren, geht Blutspenden, holt euch einen Organspendeausweis.“

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