+
Die Stadtkapelle sorgte für den guten Ton beim Tunnelanstich – außerdem eine ganze Reihe von Rednern. Nach 50 Jahren Planungszeit war das so etwas wie der Startschuss für das Kernstück der Freisinger Westtangente.

Westangenten-Röhre „angestochen“

Ganz Freising hat den Tunnelblick

  • schließen

In einer kleinen Nische wacht die Holzfigur der Heiligen Barbara über die Arbeiten. Doch die Mineure, die sich bereits 30 Meter unter Vötting vorgegraben haben, verlassen sich nicht nur auf Gottes Beistand. Sie haben beides: den Tunnelblick und den Durchblick.

Freising – Die These, dass neue Straßen auch neuen Verkehr anziehen, wurde zumindest am Montag untermauert: Zum offiziellen Tunnelanstich am Nordportal des Barbara-Tunnels, wie das Bauwerk während der Arbeiten heißt, trafen sich Bürger und Entscheidungsträger, die mit der Westtangente zu tun hatten und haben. Und das sind nach fast 50 Jahren Planung sehr viele. Um so freudiger und erwartungsvoller war man auf das, was ein Tunnel-anstich überhaupt sei. Die Antwort: Stadtbaumeisterin Barbara Schelle, für die Bauzeit zur Tunnelpatin auserkoren und für die Verpflegung der Arbeiter und Mineure mit Kuchen zuständig, setzte sich in den Schaufelradbagger und bewegte im Untergrund einige Kubikmeter Vöttinger Erdreich. Bevor die Stadtbaumeisterin beherzt zu den Hebeln griff, spielte die Stadtkapelle festlich auf und wurden viele bedeutungsschwangere Worte gesprochen. Den Anfang machte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher und zählte auf: die Westtangente – „der längst überfällig und wirklich unverzichtbare Befreiungsschlag für unsere Stadt“, der Tunnel – mit seiner Gesamtlänge von 705 Metern, davon 430 Meter im bergmännischen Vortrieb, als das „Herzstück“, die Kosten – 91 Millionen Euro, die dafür sorgen, dass in Freising ein städtisches Miteinander überhaupt noch darstellbar sei.

Regierungspräsidentin Brigitta Brunner sprach von „fast 50 Jahren Anlauf und einem 705 Meter langen Schlussspurt“. Dass der Freistaat 49 Millionen Euro zuschieße, zeige nachdrücklich, wie wichtig das Projekt sei.

Auf Zuschüsse konnte auch Landrat Josef Hauner verweisen: 15 Millionen Euro trägt der Landkreis – schließlich habe die Westumfahrung eine große Bedeutung für den gesamten Landkreis. Und nicht nur für Hauner war nach einem Blick auf Maschinen und die bereits getätigten Arbeiten klar: „Es ist gigantisch, was hier zu sehen ist“. Dabei ist das erst die Kalotte – also der obere Teil des Tunnels –, die derzeit vorangetrieben werde, so erklärte Michael Blaschko, Vorstandsmitglied der Wayss & Freytag Ingenieurbau. Und wenn es noch von der Decke tropfe, brauche man sich keine Gedanken zu machen. Das liege daran, dass die Kuppel derzeit nur eine temporäre Sicherung habe, die schöne Innenschale erst später komme.

Beunruhigt hat diese Auskunft keinen der Gäste – erst recht nicht Stadtbaumeisterin Barbara Schelle. Die Tunnelpatin, deren Vornamen das Bauwerk bis zu seiner Fertigstellung trägt, kletterte in den Bagger und trug routiniert einige Schaufeln Erdreich ab.

Und kaum war das Fest vorbei, richtete sich der Blick schon in die Zukunft: Ende des Jahres will man den Durchstich feiern, in dreieinhalb Jahren soll die komplette Westtangente befahrbar sein.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Appell an den OB: Eschenbacher muss jetzt hellhörig werden
Auch nach der Straßensanierung sind die Anwohner der Heiliggeistgasse in Freising nicht vor Überschwemmungen sicher. Dabei haben sie bei der Stadt im Vorfeld der teuren …
Appell an den OB: Eschenbacher muss jetzt hellhörig werden
Hochwasser in der Heiliggeistgasse: Stadt geht Problem auf den Grund
Je mehr Niederschlagswasser vom Himmel kommt, umso mehr steigt der Adrenalinpegel bei den Anwohnern der Heiliggeistgasse. Denn die Straße ist anfällig für …
Hochwasser in der Heiliggeistgasse: Stadt geht Problem auf den Grund
Wahl zum KAB-Diözesanvorstand: Rainer Forster würde es machen
KAB-Diözesansekretär ist Rainer Forster nicht mehr. Doch wenn die Mitglieder heute den neuen KAB-Diözesanvorstand wählen, könnte er wieder da sein – als Vorsitzender. …
Wahl zum KAB-Diözesanvorstand: Rainer Forster würde es machen
Konkretes und weniger Konkretes
Bürgermeister Sebastian Thaler hatte in der Bürgerversammlung in Günzenhausen relativ leichtes Spiel. Allzu viele offene Fragen gab es nach seinem eineinhalbstündigen …
Konkretes und weniger Konkretes

Kommentare