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TU siegt im Strahlen-Streit: Radioaktives Wasser darf weiter in die Isar

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Von: Manuel Eser

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Der Forschungsreaktor in Garching leitet schwach radioaktives Wasser in die Isar. Pünktlich mit der neuen wasserrechtlichen Genehmigung ist er wieder in Betrieb gegangen. Er stand zehn Monate lang still, weil keine Brennelemente geliefert werden konnten. © Imago

Die TU darf weiterhin radioaktives Abwasser aus dem Forschungsreaktor in Garching in die Isar einleiten. Die Kritiker sind enttäuscht - und kämpfen weiter.

Freising – Für Johannes Becher (Grüne) ist es eine „ziemliche Enttäuschung“. Der Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis Freising reagiert mit Unverständnis darauf, dass die TU trotz massiven Widerstands weiter radioaktives Wasser in die Isar einleiten darf. Wie berichtet hat das Landratsamt München die entsprechende wasserrechtliche Erlaubnis erteilt, die es der Uni gestattet, weitere 20 Jahre lang sogenanntes schwachradioaktives Abwasser und Kühlwasser aus dem Forschungsreaktor FRM 2 und der Radiochemie im Fluss zu entsorgen.

„Grundsätzlich hat radioaktives Wasser, auch wenn es nur schwach radioaktiv sein soll, nichts in der Isar verloren“, betont Becher. „Die Isar ist ein Naherholungsgebiet und kein Abwasserkanal.“ Auch nicht nachvollziehbar für den Abgeordneten ist es, dass der Protest von Anwohnern, Umwelt-Verbänden und seiner Partei, der bei einem Erörterungstermin im Juli 2019 zum Ausdruck kam, in der Entscheidung des Landratsamtes offenbar keine Rolle gespielt habe. „Im Ergebnis bedeutet das, dass 1400 Einwendungen weitestgehend abgebügelt wurden.“

Grüne prüfen rechtliche Schritte und planen Antrag

Einziger kleiner Erfolg der Kritiker: Die Genehmigung wurde nicht für die beantragten 30 Jahre erteilt, sondern gilt nur für zwei Dekaden. „Aber für diese Zeit ist das ein Blankoscheck für die TU.“ Die Grünen wollen nun prüfen, inwieweit eine Klage gegen den Bescheid Aussicht auf Erfolg hat. Geplant ist zudem, dass die Fraktion einen Antrag einreicht, wie Becher mitteilt: „Wir werden die Bayerische Regierung dazu auffordern, die TU auf einen Stopp der Einleitungen zu drängen. Die Uni soll Alternativlösungen suchen.“

Die aber gibt es laut Institutssprecherin Andrea Voit nicht. „Technisch ist eine Alternative zur Einleitung in die Isar nicht möglich.“ So etwa könne das Abwasser nicht komplett eingedampft werden. Zudem würde das radioaktive Wasser auch bei einer Verdampfung in die Umgebung gelangen – „auf diesem Weg sogar unkontrolliert“.

TU verspricht, Verbesserungen zu entwickeln

Voit betont aber, dass die TU bestrebt sei, die Entsorgung des Wassers weiterzuentwickeln und zu verbessern – so wie das in den vergangenen Jahren auch schon geschehen sei. Wie die Institutsleiterin mitteilt, wurde etwa die Abwasser-Reinigung maßgeblich verbessert. „Außerdem leiten wir auch kein konventionelles Abwasser, also Abwasser aus Spülbecken und Toiletten, das nicht aus dem Kontrollbereich des Reaktors stammt, mehr in die Isar.“

Schon beim Erörterungstermin hatte Voit betont, dass es kein gesundheitliches Risiko gebe: „Sie müssten eineinhalb Monate an dem Kanal verbringen, sich von dort gezogenem Gemüse und grasendem Vieh ernähren, um dieselbe Dosis zu erhalten, die Ihnen ein Flug von Frankfurt nach Gran Canaria an kosmischer Strahlung beschert.“ Ohne radioaktives Material sei Forschung und Medizin nicht mehr denkbar. Von der Entwicklung leistungsfähiger Batterien für alternative Energien bis zur Bekämpfung von Krebs brauche es die Neutronen-Forschung.

Pünktlich zur wasserrechtlichen Genehmigung ist der Forschungsreaktor wieder in Betrieb gegangen. Er stand zehn Monate still, weil keine Brennelemente geliefert werden konnten.

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