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Mit ausgebreiteten Armen: Weihbischof Bernhard Haßlberger warb im Rahmen der „Lichterzeichen“ in der Johanniskirche um Solidarität für diejenigen, „die in besonderer Weise von der 3. Startbahn betroffen sind“.

Schweigemarsch

Gegen 3. Startbahn: Geistliche finden deutliche Worte

Rund 500 Leute machten sich am Sonntag beim Schweigegang „Lichterzeichen – zwei Bahnen reichen“ auf den Weg zum Domberg. Weihbischof Bernhard Haßlberger forderte, „achtsam mit der Schöpfung umzugehen“ und nicht alles „zuzubetonieren“. Dekan Jochen Hauer stellte zuvor in der Christi-Himmelfahrts-Kirche die Frage, „ob Profit um jeden Preis“ Ausdruck von Nächstenliebe sein kann.

Freising – Schweigend machten sich die Menschen vom Treffpunkt an der Christi-Himmelfahrtskirche aus auf den Weg zum Domberg – mit Kind und Kegel, mit Kerzen und Laternen in der Hand. Von Zeit zu Zeit ertönte der Schlag einer mitgeführten Glocke. Es waren mehr Menschen als zuletzt auf den Beinen, was Beteiligte auf die jüngste Entwicklung im Streit um die 3. Startbahn zurückführten.

Einer der Teilnehmer hielt ein Transparent mit der Aufschrift „Was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? (Konrad Adenauer + Seehofer)“ in die Höhe. Eine Anspielung darauf, dass die CSU-Fraktion es im Landtag kürzlich abgelehnt hat, der Flughafen München GmbH (FMG) auf Dauer die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (AG) zu verwehren.

Kritiker wie der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl sehen darin die Absicht, die Stadt München, die sich bis dato an den Bürgerentscheid gegen die 3. Startbahn hält, in der Gesellschafterversammlung „auszuschalten“.

Und dann waren da ja noch die Worte von Ministerpräsident Horst Seehofer, der den Startbahngegnern in Attaching einst Hoffnung auf ein Aus der dritten Piste gemacht hatte. „Eure Argumente sind stark, hat er gesagt“, empörte sich eine Frau auf dem Gang zum Domberg.

Dort sprach Bernhard Haßlberger in der Johanniskirche nach einem Folklore-Stück der Musik-Gruppe „Goldberg Projekt“ deutliche Worte. „Grund und Boden ist nicht vermehrbar. Überall dort, wo wir zubetonieren, asphaltieren, kann nichts anderes mehr sein,“ sagte der Weihbischof mit dem Hinweis auf das Wohl und Wehe künftiger Generationen. Dass so viele Menschen gekommen waren, wertete Haßlberger als „deutliches Zeichen“, das die Menschen die Flughafenerweiterung nicht wollten. Der Geistliche fordere „Solidarität mit den Menschen, die in besonderer Weise von der 3. Startbahn betroffen“ seien.

Dekan Jochen Hauer hatte sich nicht weniger vehement gegen das umstrittene Projekt ausgesprochen. „Ob das nicht die höchste Form von Egoismus ist“, fragte er, wenn man aus Streben nach wirtschaftlichen Erfolg die Ozonschicht zerstöre und „die unwiderrufliche Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten“ in Kauf nehme. „Wohlergehen ist nicht gleichbedeutend mit Wohlstand. Auch wenn das manche meinen und unsinnige Entscheidungen damit begründen wollen“, mahnte Hauer. Gleichzeitig warnte er davor, überheblich zu werden. „Bleiben wir demütig im Widerstand!“

Alexander Fischer

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