Arbeiter mit Laubbläsern im Einsatz
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Braucht eine Kommune Laubbläser? Diese Frage wird regional unterschiedlich beantwortet. (Symbolbild)

Einjähriges Experiment

Geht‘s auch ohne? Haar verzichtet auf Laubbläser, Freising setzt immerhin leisere Geräte ein

  • Günter Hiel
    VonGünter Hiel
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  • Helmut Hobmaier
    Helmut Hobmaier
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In einem einjährigen Experiment hat die Gemeinde Haar auf Laubbläser verzichtet. Nun hat man Bilanz gezogen. In Freising sieht die Lage derweil noch anders aus.

Landkreis – Ein Jahr ohne Laubbläser – dieses Experiment hat die Gemeinde Haar gewagt. Die Bilanz nach zwölf Monaten: Auch ohne das lärmende Gerät ist Haar keineswegs unter Laub erstickt. So hat man sich viel Krach und CO2 erspart und Kleinlebewesen gerettet, die von Laubbläsern geradezu pulverisiert werden. Allerdings gab es Beschwerden von Bürgern – und „Verkehrssicherungsprobleme“. Das will man sich im Landkreis Freising ersparen. Der Verzicht auf Laubbläser ist hier kein Thema – immerhin werden sie zunehmend leiser.

In Freising ist der Einsatz von Laubbläsern immer wieder ein Thema. Ein kompletter Verzicht aber stand nie zur Debatte. 2017 hatte sich der Stadtrat etwa aufgrund eines entsprechenden Antrags der Grünen-Fraktion mit der Thematik befasst. Die hatte angeregt, im Bereich städtischer Grünflächen und bei Reinigungsarbeiten keine lauten Laubblasgeräte einzusetzen.

Grüne Insel im Laubmeer am Waldfriedhof in Haar. Dort blieb das Laub wegen des Verzichts auf Laubbläser diesmal länger liegen. Angehörige haben deshalb rund um die Grabstelle ihrer Lieben fein säuberlich alles Laub und Unkraut entfernt. Nicht alle Haarer schätzen die neue Linie ohne die Laubbläser.

Freising: Wenn möglich, dann Akku

Stadt-Sprecherin Christl Steinhart berichtet: „Schon damals hatte die Stadt den Anspruch, nach Möglichkeit akkubetriebene und damit leisere Geräte statt benzinbetriebene Bläser einzusetzen“. Und das sei auch aktuell so: „Akkubetriebene Geräte werden eingesetzt, wo immer möglich, sind aber nach wie vor nicht so leistungsstark wie diejenigen mit Benzinmotor. Nach starkem Laubfall und Regen ist der Verkehrssicherungspflicht auf den Wegen des Waldfriedhofs beispielsweise schnell und effizient nur unter Einsatz entsprechender motorisierter Hilfe möglich.“

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Auch auf Sportanlagen und Allwetterplätzen kämen aufgrund der Akkuleistung teilweise noch die „wenigen verbliebenen Laubbläser mit Benzinmotor“ zum Einsatz. Auf Rasenflächen im öffentlichen Grün und in der Regel auch auf den Friedhöfen werden hingegen im Normalfall und damit überwiegend die leiseren Akkugeräte eingesetzt. Das Laub auf Fahrbahnen und Gehwege wird in Freising durch den Einsatz der Kehrmaschinen mitentfernt, in unzugänglicheren Eckbereichen wird das Laub mit Besen herausgekehrt.

Fazit: „Nur durch Fegen, also ganz ohne maschinelle Technik, ist die Verkehrssicherheit weder unter Berücksichtigung der Personalressourcen noch unter Wahrung der gebotenen Eile und insbesondere auf großen Flächen aus unserer Sicht überhaupt nicht darstellbar“, fasst Steinhart zusammen. Das habe sich in diesen Tagen gerade erneut gezeigt: Wenn im Herbst bei Regenwetter größere Laubmengen anfallen, sorge das feuchte Laub ganz schnell für erhebliche Rutschgefahr. Um ein sicheres Begehen zu gewährleisten, muss bei großen Flächen auf den Einsatz der wenigen verbliebenen motorbetriebenen Laubbläser zurückgegriffen werden.

Neufahrn: So wenig wie nur möglich

Und wie schaut es im „Regierungsbezirk“ des Grünen Bürgermeisters Franz Heilmeier in Neufahrn aus? Auch dort haben die Laubbläser noch nicht ausgedient – notgedrungen, wie der Gemeindechef erklärt: „Es gibt einfach viele Flächen, wo das Laub nur mit dem Laubbläser zu bewältigen ist“. Er habe diesbezüglich schon Gespräche mit dem Bauhof-Leiter geführt „und mich davon überzeugen lassen“. Allerdings, so Heilmeier, lautete die Devise in Neufahrn: So viel Laubbläser wie nötig, so wenig wie möglich. „Wo es geht, verzichten wir darauf und versuchen, die Umwelt zu schonen und Lärm zu vermeiden. Aber ein kompletter Verzicht ist nicht möglich.“

Haar will auch künftig keine Bläser einsetzen

Die 30 Bauhofmitarbeiter in Haar haben es also einigermaßen geschafft, dem Laub mit Besen und Rechen Herr zu werden – was aber wesentlich länger gedauert hat und zu vielen Beschwerden von Bürgern geführt hat, wie jetzt im Gemeinderat bilanziert wurde. Und: Dort, wo es die Verkehrssicherungspflicht nötig machte, konnte man auf den Bläsereinsatz nicht ganz verzichten. Trotzdem will man auch künftig – bis auf Problemstellen – auf Laubbläser verzichten. Man hofft, dass das gute Beispiel der Gemeinde Schule macht, und die Bürger ebenfalls auf die Krachmacher verzichten.

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