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23 positive Coronatests wurden am vergangenen Dienstag gemeldet. Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamts erklärt, wie es zu diesem hohen Anstieg der Infektionszahlen an einem Tag kommen konnte.

Gesundheitsamt-Mitarbeiterin erklärt

„Bis zum Limit beschäftigt“: Das sind die Hintergründe zu Freisings Coronazahlen

  • Helmut Hobmaier
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Etwa 50 neue Corona-Infektionen wurden zuletzt pro Woche für den Landkreis Freising gemeldet. Wie diese Häufung zustandekam und was das für das Gesundheitsamt bedeutet, erklärt Barbara Engelhardt.

Freising – Etwa 50 neue Corona-Infektionen wurden zuletzt pro Woche für den Landkreis Freising gemeldet. Wir fragten bei Barbara Engelhardt vom Staatlichen Gesundheitsamt nach.

Frau Engelhardt, vergangenen Dienstag wurden plötzlich 23 Neuinfektionen gemeldet. Wieso diese Häufung?

Die Meldung von Dienstag sind die Fälle, die am Montag dem Gesundheitsamt gemeldet wurden. Die Abstrichnahme erfolgte für die am Montag positiv gemeldeten Personen vor allem am Freitag, aber auch am Samstag und Sonntag. Am Wochenende gibt es auch nur eine eingeschränkte Fall- und KP-Bearbeitung durch das Gesundheitsamt. So sammeln sich am Montag natürlich noch nicht bearbeitete Fälle sowie die dazugehörigen Kontaktpersonen an. Am Wochenende wird deutlich weniger getestet. Die Teststelle des Landkreises hat ja samstags und sonntags geschlossen, die Hausarztpraxen ebenso. Abgestrichen werden übers Wochenende also nur Menschen mit Symptomen, die sich beim Bereitschaftsdienst melden. Falls der Arzt dort es für notwendig erachtet, wird getestet. Deshalb sind die Fallzahlen am Dienstag und Mittwoch meist geringer.

„Kontaktpersonenverfolgung nimmt einige Zeit in Anspruch“

Wir haben Sie gebeten, sich die 23 neuen Fälle genauer anzusehen. Woher stammen die Infektionen?

Davon sind sechs Reiserückkehrer. 13 weitere sind Kontaktpersonen von bereits Infizierten. Das heißt, sie wurden von uns als Personen ermittelt, die einen infektionsrelevanten Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten. Kontaktpersonen werden sobald als möglich getestet und zusätzlich fünf bis sieben Tage nach dem letzten infektionsrelevanten Kontakt. Oft fallen diese beiden Termine zusammen, da Testergebnisse der Fälle häufig mit einigen Tagen Verzögerung bei uns eintreffen, und die Kontaktpersonenverfolgung einige Zeit in Anspruch nimmt.

Bleiben noch vier Fälle. . .

Zwei weitere hatten Symptome und ließen sich testen, die beiden übrigen waren symptomfrei und haben sich aus eigenem Interesse testen lassen. Von diesen vier wusste keiner, wo er sich angesteckt hat.

23 Infizierte an einem Tag. Was bedeutet das für das Gesundheitsamt?

Das bedeutet für uns, dass alle Mitarbeiter bis zum Limit mit der Kontaktaufnahme und Nachverfolgung Infizierter und deren Kontaktpersonen beschäftigt sind. Gibt es etwa einen positiven Fall in einer Schulklasse – was wir jetzt bereits mehrere Male hatten –, dann sind automatisch alle Mitschüler und zum Teil auch die Lehrer sogenannte „Kontaktpersonen 1“. Diese müssen alle angerufen werden. Dies ist aufgrund der Personalsituation nicht immer tagesaktuell möglich.

„Viele sind sehr kooperativ und dankbar“

Wie darf man sich so ein Telefonat vorstellen? Wie lange dauert das?

Wird einem Betroffenen sein positives Ergebnis mitgeteilt, dann dauert das Telefonat im Durchschnitt 30 Minuten. Falls Familien betroffen sind, nehmen wir auch diese auf, wodurch sich die Zeit für das Telefonat entsprechend verlängert. Wir müssen die Menschen ja aufklären, Fragen beantworten und die Isolierung erklären. Auch die Gespräche mit den Kontaktpersonen können bis zu 30 Minuten dauern.

Wie verhalten sich die Betroffenen?

Die Reaktionen der Betroffenen sind recht unterschiedlich. Viele sind sehr kooperativ und dankbar dafür, dass sie Informationen bekommen und einen kompetenten Ansprechpartner haben. Es gibt auch einige wenige, die nicht kooperieren möchten und auch wenige Personen, die unfreundlich und vorwurfsvoll reagieren. Für das Team stellen diese Einzelfälle eine belastende Herausforderung dar, zumal die Mitarbeiter selbst bei der Arbeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen.

Wir haben jetzt eine kleinere zweite Welle erlebt. Wie wird sich die Pandemie bei uns in Deutschland weiterentwickeln?

Schwer zu sagen. Aber jetzt wird es kälter, die Leute verbringen wieder mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Dazu kommt die saisonale Grippe. Um zu glauben, dass da die Kurve in nächster Zeit abflacht, muss man schon sehr optimistisch sein. Ich glaube, dass wir alle sehr wachsam bleiben müssen.

„Erfolgreicher Kampf ruht auf drei Säulen“

Was ist jetzt am wichtigsten?

Ein erfolgreicher Kampf gegen die Pandemie ruht auf drei Säulen. Erstens: die Entwicklung eines Impfstoffs. Den haben wir aber noch nicht. Zweitens: Alle müssen mitarbeiten und sich an die Regeln halten. Viele tun das auch. Drittens: die Nachverfolgung und Ermittlung von Fällen und deren Kontaktpersonen. Ein Beispiel: Von den anfangs genannten 23 Fällen waren schließlich 13 Kontaktpersonen, die wir ermittelt haben. So konnten wir sie in Quarantäne nehmen und verhindern, dass sie eventuell weitere Personen anstecken. Im Moment funktioniert dies noch relativ gut, aber aufgrund der derzeit steigenden Fallzahlen und zunehmenden Ermittlungen an Schulen und Kindertageseinrichtungen können wir bereits jetzt schon nicht immer tagesaktuell die Ermittlungen abschließen.

Was wünschen Sie sich von Ihren Mitmenschen?

Es wäre wichtig, dass jetzt alle mitarbeiten. Das würde uns allen sehr guttun. So könnten wir die Lage stabil halten, bis ein Impfstoff auf dem Markt ist.

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