Verängstigtes Kind.
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Kinder als Opfer häuslicher Gewalt. Auch im Kreis Freising ein brisantes Thema.  

Stationäre Jugendhilfe muss weiterentwickelt werden

Gewalt gegen Kinder: Landkreis Freising will noch besser helfen

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche: Das ist auch im Kreis Freising Alltag. Deshalb will man sich jetzt bei der Stationären Jugendhilfe noch besser aufstellen.

Freising - Bei der jüngsten Jugendhilfeausschuss-Sitzung ging es auch um die Stationäre Jugendhilfe im Landkreis und deren Weiterentwicklung. Dafür, so Landrat Helmut Petz, seien politische Impulse aus den Gremien überaus wichtig. Um sich den ersten Überblick zu verschaffen, legte Arabella Gittler-Reichler vom Amt für Jugend und Familie die Zahlen auf den Tisch. Für Petz der erste Aufschlag in dieser Causa, um weitere Schritte zu planen.

Die Bilanz

121 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Landkreis Freising waren zum Stand 31. Dezember 2020 stationär in 57 Einrichtungen untergebracht gewesen. Dies entspricht laut Sachstandsbericht einem Anteil von 0,29 Prozent der Gesamtbevölkerung der unter 18-Jährigen des Landkreises. Die meisten von ihnen werden im Caritas-Alveni-Jugendhaus Au, der Katholischen Jugendfürsorge St. Klara Freising, dem Berufsbildungswerk St. Franziskus Abendsberg oder im Jugendwerk Birkeneck in Hallbergmoos untergebracht. 50 Prozent werden so im Nahbereich stationär versorgt, nur im Falle einer speziellen Bedarfsorientierung wird eine Verlegung in höherer Distanz angestrebt – beispielsweise in eine Wohngruppe nach Mainz. In therapeutischen Einrichtungen wurden voriges Jahr acht Minderjährige und zwei Volljährige behandelt. In heilpädagogischen Einrichtungen waren es 41 Minderjährige und zehn Volljährige. Vom Altersschnitt der Unterbringungen ist zu beobachten: Mit 46 Prozent sind vor allem 14- bis 17-Jährige betroffen, gefolgt von 18- bis 21-Jährigen mit 27 Prozent. Vier Personen wurden 2020 in einem Mutter-Kind-Heim untergebracht.

Die Kosten

Für die Mutter-Kind-Einrichtung beliefen sich die Gesamtkosten pro Tag auf 678 Euro, bei therapeutischen Einrichtungen pro Tag auf 2673 Euro. Für das betreute Wohnen wurden als Gesamtkosten der Einrichtung pro Tag 3950 Euro fällig, in heilpädagogischen Einrichtungen 21 365 Euro.

Gittler-Reichel betonte: „Es ist gut investiertes Geld, denn es kommt der Entwicklung der jungen Menschen zugute“. Ein spezielles und immer wieder diskutiertes Thema: Inobhutnahmen im Landkreis Freising. 2020 wurden 40 Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Inobhutnahme untergebracht. Die häufigsten Gründe dafür sind körperliche und oder psychische Gewalt, Überforderung oder erzieherische Probleme und belastende Lebenssituationen.

Die Zukunft

Wie geht es weiter? Geplant für eine Weiterentwicklung der stationären Jugendhilfe im Landkreis sind beispielsweise eine trägerübergreifende Zusammenarbeit, die Entwicklung von ergänzenden Angeboten für junge Menschen und ihrer Familien vor, während und nach der Unterbringung. Eine bessere Verzahnung von ambulanten und stationären Behandlungen wäre überaus wünschenswert, so Gittler-Reichel. Was fehlt: Kinder- und Jugendpsychiatrien im Landkreis. Überhaupt seien Kinder- und Jugendpsychiatrien, in denen Betroffene aus dem Landkreis kommen, völlig überlastet und entlassen deshalb zu schnell, sagte Gittler-Reichel. Auch für Landrat Helmut Petz ist dieses Thema ein brisantes: „Hier geht es um eine vernünftige Weichenstellung für Menschen.“ Deshalb versprach er zügige politische Vorschläge zur Weiterentwicklung der stationären Jugendhilfe im Landkreis Freising – der erste Aufschlag mit den Zahlen war hierzu der erste Schritt.

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