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An 100 Jahre Revolution in Bayern dachten (v. l.) Thomas Noichl, Tanja Froidl, Johannes Becher, Susanne Günther, Sepp Dürr, Ralf Grabuschnig und Veronika Hannus. 

100 Jahre Revolution in Bayern

„Gleichstellung immer noch nicht vollzogen“

Vor 100 Jahren wurde in Bayern die Republik ausgerufen: Eine spannende Zeit, wie bei der Sonntagsmatinee der Freisinger Grünen im Furtner deutlich wurde. „100 Jahre Revolution“ – auf diese Spuren begaben sich MdL Sepp Dürr, Stadträtin Susanne Günter und der Historiker Ralf Grabuschnig.

Freising – Rückblende November 1918: Der Erste Weltkrieg hatte die Menschen demoralisiert, die Nahrung war knapp oder unbezahlbar, es gab nichts zum Heizen, die Bauern litten unter den restriktiven Vorschriften der Kriegswirtschaft. Am Nachmittag des 7. November versammelten sich zigtausende Menschen auf der Münchner Theresienwiese, um gegen die Fortsetzung des Kriegs zu demonstrieren. Kurt Eisner, der Kopf der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und der Bauernführer Ludwig Gandorfer marschierten im Anschluss von Kaserne zu Kaserne, die meisten Soldaten schlossen sich den Aufständigen an.

Sepp Dürr ließ das Anfang vom Ende der Bayerischen Monarchie kurz Revue passieren. Die Geburtsstunde der Gewalt, die die Geschichte Deutschlands bis 1945 prägte, sei in der Gründungsphase der Weimarer Republik erfolgt. Allerdings nicht so, wie sich das in der kollektiven Erinnerung der meisten Deutschen festgesetzt habe: als zerstörerischer Akt durch die „Revoluzzer“, sondern in den damals eingesetzten Grausamkeiten gegen genau diese. „Deutschland schwenkte bereits damals auf den Kurs ein, der später in die Horror-Exzesse des Dritten Reiches mündete“, so Dürr.

Auch in den bürgerlichen Presseorganen wäre Kurt Eisner als „Jude und Preuß“ persönlich angegriffen worden. In Freising habe man am Morgen des 8. November von der Revolution in München erfahren. Der Historiker Ralf Grabuschnig zitierte aus den Archiven der Bürgerstadt Freising. Der Freisinger Arbeiter- und Soldatenrat, der sich unter Vorsitz von Ferdinand Zwack am 10. November gegründet hatte, sei in der Domstadt „eher machtlos“ geblieben. Radikale Forderungen wie etwa die Trennung von Kirche und Staat seien bei der Bischofskonferenz nicht gut angekommen.

Am 16. Dezember hatte der Klerus diesbezüglich eine „Freisinger Erklärung“ veröffentlicht. Viele Parallelen in die Gegenwart zeichnete Susanne Günther bei ihrem Rückblick auf 100 Jahre Frauenwahlrecht in Bayern. Anita Augspurg, Ida Heymann und Clara Zetkin: die Frauenrechtlerinnen waren es, die entscheidenden Anteil an der Einführung des Frauenwahlrechts hatten. Dass Gleichstellung immer noch nicht vollzogen sei, sehe man hinsichtlich der Differenzen beim Lohn für gleiche Arbeit bei Mann und Frau. Chansons von Kurt Tucholsky und Bert Brecht interpretierten Tanja Maria Froidl und Thomas Noichl. 

Maria Martin

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