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Aus dem Staunen kamen die vielen Zuhörer in der Neustifter Kirche nicht mehr heraus, als Kunsthistoriker Matthias Weniger tief eintauchte in die wechselvolle Geschichte des prachtvoll ausgestatteten Bauwerks.

Peter und Paul in Neustift

Ein Gotteshaus als Gesamtkunstwerk

Freising - Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten erinnerte der Kunsthistoriker Matthias Weniger an die wechselvolle Geschichte des Bauwerks.

Auf die Reise in die Vergangenheit begaben sich viele interessierte Freisinger. Die Kirche gilt als kostbares Juwel des Rokoko. Doch die Geschichte des „neuen Stift“ geht bis in das Mittelalter zurück. Im 12. Jahrhundert wurde hier durch Bischof Otto ein Prämonstratenser-Kloster gegründet. Und dass sich die Kirche in der Form, wie sie sich heute präsentiert, erhalten werden konnte, das sei einem besonderen Umstand zu verdanken, erläuterte Weniger. Infolge der Säkularisation im Jahr 1803 seien die meisten Klosterkirchen dem Erdboden gleich gemacht worden. Doch das Prämonstratenserkloster wurde für das kurbayerische Militär benötigt und zur Kaserne umfunktioniert. „Und eine Kirche brauchen die Soldaten doch auch“, argumentierte Weniger. Die Neustifter Kirche konnte somit vor dem Abbruch bewahrt werden.

Die Schutzpatrone wachen seit Mitte des 18. Jahrhunderts rechts und links des Hochaltares. Kein geringerer als der begnadete Maler und Bildhauer Ignaz Günther hat sie geschaffen: den Heiligen Paulus als Völkerapostel sowie den Heiligen Petrus, der im Matthäusevangelium als „Fels“ bezeichnet wird, auf den Jesus seine Kirche bauen ließ. Die bodenlangen Gewänder der beiden Kirchenpatrone sehen so echt aus, als könnte ein Windhauch sie in Bewegung setzen. „Ein Meister der Proportionierung“, schwärmte Weniger. Auch die geschnitzten Haare der Figuren und Putten wirken, „wie wenn sie gegipst wären“. Im Auftrag des Fürstbischöflichen Hofes hat Günther die vielen Figuren geschaffen. Nach einem Brand im Jahre 1751 musste die Inneneinrichtung der Kirche nämlich zum größten Teil erneuert werden. Dem Begründer des Prämonstratenserordens, Norbert von Xanten, hat Ignaz Günther ebenfalls ein Denkmal gesetzt. Fein poliert steht die Figur am rechten Rand des Hochaltars. Hoch über ihren Köpfen konnten die Zuhörer den Ordensgründer sogar noch in einer besonderen Pose bestaunen. Eines der renovierten Deckengemälde zeigt ihn bei der Verleihung des Ordensgewandes durch die Gottesmutter Maria. Kunstvoller kann eine Kirche fast nicht ausgestattet sein. Die Zuhörer kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor allem auch dann, als die neuen ringförmigen Leuchten eingeschaltet wurden und „das Volk“ plötzlich einen Heiligenschein über sich hatte.

Martina Martin

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