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Apothekerin mahnt Grippeschutz an: „Coronaimpfung ist kein Ersatz“

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Von: Magdalena Höcherl

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Grippe
Gesundheit! Die Erkältungszeit ist längst da – gegen die Grippe kann man sich wappnen. © Maurizio Gambarini/dpa

Warum eine Grippewelle heftig werden könnte und wer sich jetzt impfen lassen sollte: All das erklärt die Freisinger Apothekerin Ingrid Kaiser.

Freising – Seit Anfang November sind Grippeschutzimpfungen nicht mehr nur beim Arzt, sondern auch in der Apotheke möglich. Und auch wenn das in Freising noch nicht gemacht wird, wirbt Apothekensprecherin Ingrid Kaiser für den Pieks. Im Interview erklärt sie, wie es um den Vakzin-Vorrat steht, wer sich impfen lassen sollte, und warum die Grippesaison dieses Jahr heftiger als gewohnt ausfallen könnte.

Frau Kaiser, ist überhaupt schon Grippezeit?

Jein. Die Grippewelle trifft eigentlich erst im Frühjahr so richtig ein. Daher ist es momentan umso sinnvoller, sich impfen zu lassen. Jetzt ist allerdings schwere Erkältungszeit.

Woher weiß ich, was ich mir eingefangen habe – einen grippalen Infekt oder tatsächlich eine Grippe?

Viele verwechseln das tatsächlich, aber eigentlich ist es einfach: Bei einer echten Grippe treten die Symptome – Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Fieber – sehr plötzlich und enorm heftig auf. Wenn es einem ganz schnell ganz schlecht geht, ist es höchstwahrscheinlich eine Grippe.

Damit es gar nicht so weit kommt, gibt es einen Impfstoff. Wer sollte sich den verabreichen lassen?

Grundsätzlich ist die Grippeschutzimpfung für alle ab 60 Jahren sinnvoll. Denn zum einen wird das Immunsystem im Alter einfach anfälliger, und zum anderen dauert es auch länger, bis man sich von einem Infekt wieder vollständig erholt hat. Außerdem sollten auch Menschen mit chronischen Krankheiten oder in Berufen mit viel Kontakt zu anderen – wie Lehrer, Kindergärtnerinnen oder Pflege- und medizinisches Personal – über eine Impfung nachdenken. Bei einem jungen, gesunden Menschen, der im Büro oder sogar im Homeoffice arbeitet, braucht es nicht unbedingt eine Grippeimpfung.

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Ist denn genügend Impfstoff vorhanden?

Ja, der Impfstoff ist ständig lieferbar. Bisher gab es keine Probleme, und Engpässe sind auch nicht zu erwarten. Ich schätze, dass sogar etwa 70 Prozent der Impfwilligen ihre Dosis schon erhalten haben. Für den Rest wäre jetzt eine gute Zeit, sich impfen zu lassen. Aber selbst im Dezember oder Januar lohnt es sich noch. Bis die Impfung vollständig wirkungsvoll ist, dauert es etwa 14 Tage. Dann hält der Schutz für eine Saison. Die kommende könnte laut vielen Experten heftiger ausfallen als bisher.

Weshalb?

Die vergangenen zwei Jahre waren geprägt von Abstand, Maske und Lockdown. Dadurch ist unser Immunsystem nicht mehr so gut an Erreger gewöhnt. Durch ein „untrainiertes“ Immunsystem fangen wir uns schneller was ein, und die Wahrscheinlichkeit, schwerer zu erkranken, ist auch höher – in gewisser Weise also ein Dilemma.

Momentan holen sich auch viele den Corona-Booster. Was ist dabei zu beachten?

Man sollte sich keinesfalls zeitgleich gegen Corona und die Grippe impfen lassen, das ist schlicht zu anstrengend für den Körper. Zwischen den beiden Impfungen sollten mindestens vier Wochen liegen. Natürlich wäre eine Kombiimpfung schön, aber die gibt es leider noch nicht. Und auch wenn es klar sein sollte: Eine Coronaimpfung ist kein Ersatz für eine Grippeimpfung. Das sind zwei Paar Schuhe.

Herbstzeit ist traditionell Erkältungszeit – auch ohne Grippe. Wie kommt man gut durch die nächsten Wochen und Monate?

Ich setze auf die Klassiker: genug Schlaf, viel trinken, viel frische Luft, vitaminreiche Kost – wer möchte, kann sich zusätzlich mit Immun-Stimulanzien versorgen. Abgesehen davon ist Hygiene unerlässlich: Hände regelmäßig waschen und auch Desinfektionsmittel benutzen. Egal, ob an der Speisekarte im Restaurant, dem Zapfhahn an der Tankstelle oder dem Einkaufswagen im Supermarkt: Überall tummeln sich Krankheitserreger – und die sollte man nicht unterschätzen.

Interview: Magdalena Höcherl

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