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„Der Mann, dem ich die Dreue halde“: Johannes Becher brillierte einmal mehr als Markus Söder. Das Publikum im bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Lindenkeller belohnte die Darbietung mit viel Applaus.

Lindenkeller

Gründonnerstagung in Freising: Die „Schöne neue Welt“ des Markus S.

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Wachwechsel jetzt auch bei der Gründonnerstagung: Ein bestens gefüllter Lindenkeller erlebt die letzte Rede des Christian Magerl und die erste seines potenziellen Nachfolgers Johannes Becher. Beim berühmten Grünen Kabarett glänzt er dann als der, dem er einheizen will: Markus Söder.

Freising – „Schöne neue Welt“ heißt das Kabarett-Programm, auf das die Besucher der Gründonnerstagung hinfiebern. Schöne neue Welt? Das ist „die Welt des Markus S.“ Ist sich zumindest Markus S. sicher. Söder war schon in den vergangenen Jahren die Hauptfigur des Grünen Kabaretts, ist es jetzt seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten erst recht. Es ist die Paraderolle des Johannes „Jojo“ Becher, die er auch heuer wieder genial auskostet: Im königlichen Mäntelchen und mit Krone auf dem Haupt zieht er ein, er, „der Mann, dem ich die Dreue halde“, wie er im besten Fränkisch singt.

Nach „Waderloo, Armageddon, Abogalybbse“ mit dem Horst muss Söder Sondierungsgespräche führen. Und wer kommt da? Die Alice Weidel (grandios: Susanne Hehnen), die vom Chor mit „Alice, who the Fuck is Alice?“ begrüßt wird. Und da ist der Hubsi, der Aiwanger (Sebastian Habermeyer), der nicht nur zetert, dass uns die Strabs alle noch umbringen wird, sondern der auch gleich die „Konolgebühren“ abschaffen will. Björn Láczay gibt den FDP-Lindner, der zugibt, nur da zu sein, weil er so dekorativ ist. Auch er singt á la Helene Fischer: „Ahnungslos durch das Land“.

Die SPD kommt gar nicht, weil sie für eine Koalition keine Forderungen stellt. Aber die Schulze, die Katha, die kommt. Carolin Hofer im roten Kleid gibt „s’Madla“, wie Söder die Grüne nennt, kämpft für einen verpflichtenden Spezi-Day in Bayern.

Und dann ist da noch einer, über den das Publikum gerne lacht: der „Flo“, neuer, devot haspelnder Chef der Staatskanzlei, dessen „Schlüsselqualifikation das Enthalten“ sei, wie er selbst sagt. Franz Spitzenberger macht den buckelnden Herrmann, der es sich am Anfang beinahe mit seinem Über-Chef verscherzt. Denn Söder stellt klar: Der Name Horst darf in der Staatskanzlei nicht mehr fallen. Und Toni Wollschläger, der mit Becher das Grüne Kabarett schreibt, ist der Archivar der Staatskanzlei, der alles weiß, der – als Mephisto geschminkt – dem Publikum ins Gewissen redet und vorm Überwachungsstaat warnt.

Das sind die ernsten Momente in einem ansonsten fulminant satirischen „Nockherberg von Freising“, wie Katharina Schulze das Grüne Kabarett nennt. Spitzenkandidatin Schulze, wie ihre Rolle auf der Bühne im roten Kleid, mahnt ihre Parteikollegen: Am 14. Oktober gehe es auch um Haltung.

Haltung gezeigt im Landtag – und zwar mit einer kurzen Unterbrechung seit 1986 – das habe, da sind sich alle einig, Christian Magerl. Der steht zum letzten Mal als MdL bei der Gründonnerstagung am Rednerpult und beginnt mit dem, womit er seit vielen Jahren beginnt: Mit der KW 12 der Flugbewegungen am Airport. Magerls Bilanz: zwischen 2005 und 2017 durchschnittlich ein jährliches Plus von 0,12 Prozent bei den Flugbewegungen – die Startbahn habe man noch nie gebraucht und werde sie auch nie brauchen. Becher, der neue Direktkandidat für den Landtag, schießt sich schon auf seinen Mitbewerber, Staatsminister Florian Herrmann, ein: Dass sich der bei der Abstimmung über die Umwandlung der FMG in eine AG enthalten habe, bedeute nichts anderes, als dass er „der Region in den Rücken gefallen“ sei. „Wer sich auf so einen Abgeordneten verlässt, ist verlassen“, ruft Becher, der jetzt übrigens auf Wanderschaft geht und per pedes in acht Tagen alle 24 Landkreisgemeinden besuchen wird.

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