Grünen-Debatte mit dem Kreisobmann

Wer ist der bessere Bauer?

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BBV und Grüne. Wie Hund und Katz? Teilweise schon. Teilweise aber auch nicht. Eine Diskussion zwischen Bio-Landwirt und Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger und dem (konventionell wirtschaftenden) BBV-Kreisobmann Georg Radlmaier machte das deutlich.

Freising – Grundwasser, Tierhaltung, Umwelt – drei Themenbereiche wollte man an jenem Abend im Saal des Grünen Hofs zu Freising nacheinander abarbeiten. Doch so streng trennen ließ sich das alles nicht, stellte die Moderatorin des Abends, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Claudia Bosse, recht schnell fest. Denn irgendwie hängt in der Landwirtschaft alles mit allem zusammen. Und noch etwas war schnell klar: Landwirte – ob konventionell arbeitend oder ökologisch ausgerichtet – nehmen kein Blatt vor den Mund.

Georg Radlmaier „Die Bauern haben inzwischen dazugelernt.“

Zunächst einmal einigten sich Wollschläger und Radlmaier darüber, dass der Titel „Billigproduktion“ nicht die Qualität der Lebensmittel, sondern die Wertschätzung und den Preis, den der Verbraucher zahlen muss, meint. Uneins war man aber schon darüber, in welchem Umfang die Düngung in der konventionellen Landwirtschaft für die Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich sei. Radlmaier betonte, auch die Verbrennungen des Dieselkraftstoffs würden Nitratbelastungen verursachen, Wollschläger verwies darauf, dass man gerade in Gegenden mit Massentierhaltung eindeutig ganz hohe Nitratwerte feststellen könne. Das war der erste Anlass für den Biobauern, zu fordern, dass sich Landwirtschaft in vielen Bereichen ändern müsse. „Die ökologische Landwirtschaft ist der richtige Weg“, sagte er.

Uneins war man sich auch darüber, ob die immer größeren und schwereren, aber auch immer breitere Reifen besitzenden Maschinen zu immer mehr Bodenverdichtung führen.

So oder so: Auch konventionell wirtschaftende Bauern hätten inzwischen „dazugelernt“, betonte Radlmaier und verwies beispielsweise auf die Ansaat von Zwischenfrüchten. Doch für Wollschläger war das nicht genug: „Die Produktionsschlacht, in der wir alle sind, kann so nicht weitergehen“, forderte er.

Während der Diskussion forderte eine Verbraucherin, dass es verboten werden müsse, Fleisch unter Erzeugerpreis zu verkaufen. Da klatschten alle. Eine andere Zuhörerin betitelte den BBV als „Handlanger der Politik“, ein Landwirt aus Landshut kritisierte, der Bauernverband fühle sich immer gleich angegriffen, wenn die Kunden zum Ausdruck bringen, was sie nicht mehr wollen. Das sah Wollschläger ganz ähnlich: Der BBV gehe an der Wirklichkeit vorbei, dass nämlich Verbraucher immer weniger akzeptierten, wie Landwirtschaft derzeit oft funktioniere – nämlich als ein System, das Tiere zu Dingen degradiere. Martin Maier, Landwirt aus Schmidhausen, hingegen prophezeite: „Wenn alle Bio machen, bricht alles zusammen.“

Toni Wollschläger „Die Landwirtschaft muss sich ändern.“

Ein Zuhörer war sich sicher: „Der notwendige Paradigmenwechsel muss beim Verbraucher beginnen.“ Das sah Wollschläger anders: Wenn man darauf warte, „dann warten wir noch 100 Jahre“. Da sei schon der Gesetzgeber gefordert. Aber noch einmal gab es Applaus von allen – und zwar für die Aussage von Ehrenkreisbäuerin Rosa Westermeier: Es sei „a furchtbare Sünd’“, Essen in Massen wegzuschmeißen.

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