Ehepaar vor Hühnergehege
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Julia und Nikolaus Walter vor ihrem „Hühnerparadies“ auf Gut Hollern. Der Esel sorgt dafür, dass sich nachts nicht der Fuchs anschleicht. Die kleine Romy (drei Monate) absolvierte den Pressetermin schlafend im Tragegurt der Mama.

Hohe Erträge in Aussicht

Gute Ernteaussichten für Freisinger Bauern - aber der Klimawandel fordert sie immer mehr

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Die Landwirte im Landkreis Freising können heuer auf sehr gute Erträge hoffen. Doch der Klimawandel fordert sie immer mehr.

Gut Hollern - Auf uralter Scholle betreiben Nikolaus Walter und seine Frau Julia Landwirtschaft modernen Zuschnitts. Auf Gut Hollern, in vierter Generation im Familienbesitz, wird ein variables Konzept der Bewirtschaftung umgesetzt: Im selbst ernannten „Hühnerparadies“ leben 4500 Eier-Produzenten in Freilandhaltung. Daneben wird auf 90 Hektar Ackerbau betrieben. Und schon haben die Walters eine dritte Erwerbsquelle im Visier: Galloway-Rinder. Auf der diesjährigen Erntefahrt lobte der neue Chef des Amts für Landwirtschaft den flexiblen Zuschnitt des Betriebs. Wer in der Landwirtschaft auf mehreren Standbeinen stehe, könne die Herausforderungen der Zukunft besser meistern, sagte Reinhard Menzel. Etwa den Klimawandel.

Wasser aus der Pumpstation hat Landwirt Nikolaus Walter (l.) heuer bisher nur ganz selten benötigt – dank reichlicher Niederschläge. Der BBV-Delegation stellte der 31-jährige Betriebsleiter von Gut Hollern sein variables Konzept vor: Hühner und Ackerbau.

Landkreis blieb vor Unwettern verschont - bisher

Starkregen und Hagel haben heuer in vielen Landkreisen die Ernte vernichtet. Genauso gut hätte es auch jeden Bauern im Landkreis Freising treffen können: „In 15 Minuten kann alles vorbei sein“, sagte BBV-Kreisobmann Georg Radlmaier, „dann stehst du vor dem Nichts.“ Bisher wurde der Kreis Freising in diesem Jahr aber von katastrophalen Unwettern verschont. Im Gegenteil: Nach einem anfänglich kühlen, trockenen Start gab es im Mai und Juni reichlich Niederschläge, die kontinuierlich fielen – wobei während einer zweiwöchigen sonnigen Phase auch die Heuernte möglich war. Das Pflanzenwachstum sei dementsprechend „sehr gut“, berichtete Radlmaier. „Es schaut überall gut aus.“ Allerdings: „Erst wenn gedroschen, gewogen und die Qualität bestimmt wurde, weiß man, ob die Ernte gut war“, ergänzte sein Stellvertreter Ralf Huber.

Der Siegeszug der Sojabohne

Erntefachberater Josef Schächtl bestätigte: Selbst die stets durstigen Kiesböden im Süden des Landkreises hätten heuer genügend Regen abbekommen. „Dort, wo in den vergangenen zwei Jahren im Juli bereits alles verdorrt war, ist es heuer grün.“ Allerdings: Mit der Feuchtigkeit drohten gerade bei Kartoffeln und Getreide Pilzkrankheiten, die man entsprechend mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfen müsse. Dabei sei es für die Landwirte nicht einfach, hier den goldenen Mittelweg zu finden. Schächtls Fazit zu den Ernteaussichten 2021: „Positiv – aber herin ist noch nichts.“

Der Erntefachberater berichtete auch, dass sich der bayernweite Trend zur stärkeren Nutzung heimischer Eiweißquellen in der Fütterung und damit zur Schließung regionaler Kreisläufe im Kreis Freising ebenfalls durchsetze. Spitzenreiter unter den Eiweißpflanzen sei mit 1069 Hektar die Sojabohne, die ihren Aufwärtstrend der vergangenen Jahre ungebrochen fortsetze. Daneben werden aber auch Erbsen (180 Hektar) und Ackerbohnen (302 Hektar) angebaut.

Der Kreisobmann spricht Klartext

Keine Erntefahrt ohne deutliche politische Statements: „Wir beuten die Böden nicht aus“, sagte Georg Radlmaier, „und wir behandeln unsere Tiere nicht schlecht. Wir Bauern passen uns auch den ökologischen Herausforderungen an. Wir gehen da mit. Aber: Wir müssen von unserer Arbeit leben können. Wir wollen unsere Betriebe erhalten und an die nächste Generation weitergeben.“

Vize-Landrätin Anita Meinelt ergänzte: Jedem einzelnen Landwirt müsse man für seine wichtige und schwere Arbeit dankbar sein. Amtschef Reinhard Menzel schließlich formulierte es so: Die Landwirtschaft sei „nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“.

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