Aggressionen im Lockdown
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Steigerungen im Bereich „Häusliche Gewalt“ im Landkreis seien mit der angespannten Situation der Familien (Jobverlust, Existenznot, finanzielle Sorgen) erklärbar 

FDP stellte Fragen ans Landratsamt

Häusliche Konflikte nehmen zu: Mehr Partnerschaftsgewalt im Kreis Freising

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Fragen zu Partnerschaftsgewalt im Landkreis Freising hatte die FDP an Landrat Helmut Petz gerichtet. Jetzt haben sie Antworten aus dem Landratsamt bekommen.

Freising - Fragen zu Partnerschaftsgewalt im Landkreis Freising hatte die FDP an Landrat Helmut Petz gerichtet. Jetzt haben sie Antworten aus dem Landratsamt bekommen.Konkrete Daten zu der Fallzahl, zu der Aufteilung der Delikte und anderen Fakten lägen dem Landratsamt nicht vor, so die Antwort auf die erste Frage. Die Replik auf die Frage nach präventiven Maßnahmen, die der Landkreis unternimmt, um häuslicher sowie sexueller Gewalt und Partnerschaftsgewalt vorzubeugen, fällt hingegen lang aus: Die Fachberatungsstellen und Notrufe leisteten psychosoziale Beratung, informierten über die erforderlichen ärztlichen Untersuchungen, den Ablauf des Strafverfahrens und die Möglichkeiten einer anwaltlichen Hilfe. Auf Wunsch begleiteten die Mitarbeiter der Fachberatungsstelle Notrufe die Frau, das Kind beziehungsweise die Jugendliche oder den Jugendlichen zur Polizei, zur ärztlichen Untersuchung oder zu anwaltlicher Beratung.

Um diese umfassenden Aufgaben wahrzunehmen, habe das Diakonische Werk Freising unter dem Stichwort „HilDa – Hilfe ist da“ eine „Fachberatungsstelle bei häuslicher und sexualisierter Gewalt und Frauennotruf“ eingerichtet. Ab 2020 erhalte diese Fachberatungsstelle einen Zuschuss des Landkreises in Höhe von zunächst 89 940 Euro, ab dem Jahr 2021 zirka 83 000 Euro. Neben der Zusammenarbeit mit „HilDa“ bestehe zwischen dem Amt für Jugend und Familie und der Polizei eine enge Kooperation.

Die Arbeitskreise

Im Landkreis existierten außerdem Arbeitskreise. Geplant sei darüber hinaus die Einführung einer Beratungsstelle für Täterarbeit. Aktuell vermittelt das Amt für Jugend und Familie die Täter nach München zum „Münchner Informationszentrum für Männer (MIM)“. Wie viele Hilfeersuchen zur Unterkunft im Frauenhaus und anderen Schutzeinrichtungen im Jahr 2018, 2019 und 2020 wegen Platzmangel abgelehnt wurden, wollte die FDP wissen. Antwort: Im Jahr 2018 habe man 16 Frauen aufgenommen (135 Anfragen), im Jahr 2019 wurden zwölf Frauen aufgenommen (165 Anfragen), 2020 habe man neun Frauen aufgenommen (rund 150 Anfragen). Abgelehnte Anfragen seien an andere Frauenhäuser verwiesen worden. Dazu Tobias Weiskopf: „Die vergangenen drei Jahre mussten jeweils über 100 Hilfeersuchen im Frauenhaus abgelehnt werden. Das ist schockierend. Die Frauen wurden zwar an andere Frauenhäuser verwiesen, die Diskrepanz zwischen verfügbaren Plätzen und Anfragen macht allerdings deutlich, dass das Freisinger Frauenhaus dringend eine Kapazitätserweiterung braucht.“

Die Veränderungen

Ob sich häusliche Gewalt und Partnerschaftsgewalt im Landkreis seit Beginn der Pandemie verändert hätten, lautete die nächste Frage der FDP. Nach Rückmeldung der Diakonie Freising habe es im Frauenhaus relativ wenig Veränderungen hinsichtlich der Anfragen gegeben. Festzustellen sei allerdings, dass sich zu Zeiten des Lockdowns die Anfragen verringert und nur noch „Extremfälle“ in der Regel über andere Beratungsstellen Zugang gefunden hätten. Erklärt werde das mit der häufigen Anwesenheit des Partners und der damit verbundenen Kontrollmöglichkeit. Nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen seien die Anfragen wieder angestiegen.

Zu Beginn der Pandemie im März 2020 seien die Anfragen in der Beratungsstelle „HilDa“ deutlich zurückgegangen. Zu erklären sei dieses Phänomen damit, dass Familien auf engem Raum lebten und sich für die Betroffenen keine Möglichkeit geboten habe, Hilfe zu holen, zu telefonieren oder Beratungen in Anspruch zu nehmen. Erst mit den Lockerungen im Mai 2020 wurde ein Anstieg der Fälle verzeichnet.

Die Zunahme

Steigerungen im Bereich „Häusliche Gewalt“ seien damit erklärbar, dass wegen der angespannten Situation der Familien (Jobverlust, Existenznot, finanzielle Sorgen, drohender Wohnungsverlust) die psychische Belastung gestiegen sei. Die Diakonie als Träger des Frauenhauses teilte mit, dass in der ersten Lockdownphase ab März 2020 noch keine Veränderung beim Zulauf verbucht worden sei. Erst mit den Lockerungen im Mai stiegen die Anfragen. Seit Ende des Sommers seien die Zahlen erneut deutlich gestiegen.

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