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Sie setzten ein Zeichen: Mit Kerzen gedachten rund 100 Menschen am Roider-Jackl-Brunnen in Freising der Opfer des Anschlags auf eine Synagoge in Halle. Grünen-Stadträtin Susanne Günther hatte die Mahnwache organisiert.

„Hass beginnt immer mit Worten“

Mahnwache für Opfer des Halle-Anschlags: Freisinger stellen sich gegen rechten Terror

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Sie setzten ein Zeichen: In Freising gedachten rund 100 Menschen der Opfer des Anschlags auf eine Synagoge in Halle. 

Freising – Rund 100 Menschen sind am Sonntagabend in Freising Hass, rechter Gewalt und Antisemitismus entgegengetreten. Mit einer kurzfristig organisierten Mahnwache am Roider-Jakl-Brunnen, die von Grünen-Stadträtin Susanne Günther initiiert worden war, gedachten sie mit Kerzen der zwei Opfer des Anschlags in Halle. In der Stadt in Sachsen-Anhalt hatte ein Attentäter am Mittwoch an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, eine Synagoge stürmen und ein Blutbad anrichten wollen.

1800 antisemitische Straftaten in 2018

Der geplante Anschlag auf die Synagoge in Halle am vergangenen Mittwoch hätte „das schlimmste Attentat in Deutschland werden können“, mahnte Günther. Gescheitert sei der Täter lediglich „an der Holztür der Synagoge“. Dass allein im Jahr 2018 rund 1800 antisemitische Straftaten begangen worden seien, sei „eine Schande für die Gesellschaft“. Die Stadträtin betonte: „Wir müssen uns Sorgen machen.“ Sie schilderte eine „Chronologie des Menschenhasses“, indem sie antisemitische Straftaten und Attentate seit den 70er Jahren aufzählte. Und: „Diese Hasspyramide beginnt immer mit Worten.“

Hoyer sprach von einer „Blutspur“ rechter Gewalt

Guido Hoyer, Stadtrat der Linken und Kreisvorsitzender von VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten), sprach von einer „Blutspur“ rechter Gewalt, die sich seit Jahrzehnten durch Deutschland ziehe. Weil man sich auf den Staat nicht verlassen könne, wie die gescheiterten Versuche eines NPD-Verbots zeigten, und auf den Verfassungsschutz „erst recht nicht“, sei es Aufgabe der Zivilgesellschaft, diese „rechten Banden“ zu zerstören. Es müsse Schluss sein mit der Verharmlosung hetzerischer Parolen, ansonsten würden „die braunen Banden“ immer „frecher und gefährlicher“ werden. Auch gegen „geistige Brandstifter“, die teilweise sogar in den Parlamenten säßen, müsse vorgegangen werden.

Mit einer Schweigeminute gedachten die Bürger der beiden Toten, die dem Attentäter zum Opfer gefallen waren. Dann sang Monika Althaus zusammen mit den Teilnehmern „We shall overcome“, eines der weltweit bekanntesten Protestlieder gegen jegliche Art von Unterdrückung. Danach gingen die Teilnehmer nach Hause – friedlich und nachdenklich.

Andreas Beschorner

Frank Plasberg will in seiner Sendung Antisemitismus diskutieren - doch er und sein Team sehen sich schnell selbst Vorwürfen ausgesetzt, den Judenhass zu verharmlosen.

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