Hans Hölzl wird heute 70

„Wir haben immer etwas geschaffen“

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Ob er nun eher Sportfunktionär oder Kommunalpolitiker ist, kann er selbst nicht so recht beantworten. Das ist Johann Hölzl auch nicht so wichtig. Wichtig ist ihm, dass er „ein sehr zufriedener Mensch“ ist. Es gibt wahrlich schlechtere Bilanzen nach 70 Jahren.

Attaching – 1. Dezember 1947: Johann Hölzl wird als erstes von vier Kindern in Attaching geboren. 70 Jahre später wohnt der Hölzl Hans noch immer in Attaching – Flughafen hin, drohende Startbahn her. Inzwischen hat Hölzl 45 Jahre ehrenamtliches Engagement hinter sich. Und das hält offenbar jung. Denn: „Ich glaube es nicht so recht, dass ich 70 werde. Ich fühle mich nicht anders als mit 60“, betont Hölzl. Er habe, so bilanziert er, nie nach Höherem gestrebt, seine Arbeit als Offsetdrucker bei der Firma Sellier, seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Sport und Politik waren ihm wichtig. Und selbstverständlich seine Familie. Die kann heute mitfeiern. Denn am 1. Dezember 1967 – also am Tag genau vor genau 50 Jahren – hat Hans Hölzl seine Frau Anna geheiratet. Zwei Kinder – Susanne und Andreas – und vier Enkel sind der ganze Stolz des Ehepaars.

1972, im Jahr der Olympischen Spiele in München, beginnt die Karriere Hölzls als Sportfunktionär: Er übernimmt den Vorsitz des BC Attaching, der damals kurz vor der Auflösung steht. „Wir haben immer etwas geschaffen, es gab nie Stillstand“, kann Hölzl nun feststellen. Hölzl, der im Mai als 1. Vorsitzender des BCA nicht mehr kandidierte, zählt die Stockschützenbahnen, die Erweiterung des Geländes 1986, den Bau der Tennishalle und weiterer Tennisplätze, die Sanierung der Gaststätte als wichtige Maßnahmen während seiner Amtszeit auf. Und heute? Fast 900 Mitglieder und sieben Abteilungen weist der BC Attaching auf. Als BLSV-Kreisvorsitzender Alfons Einweck erkrankte, da war es auch Hölzl, der 2007 für eine Periode einsprang und den Vorsitz im BLSV-Kreisverband übernahm. „Ich bin halt mit Sport groß geworden.“ Genauer: Sport in Attaching.

Der Politiker: Hans Hölzl wird als 3. Freisinger Bürgermeister vereidigt (2014). Drei Jahre zuvor wechselte er von der CSU zur Freisinger Mitte (FSM). Archiv: Lehmann „Es war damals in der Fraktion einfachkein Arbeiten mehr möglich.“Hans Hölzl über seinen Wechsel von der CSU zur FSM im Jahr 2011

Jenes Attaching, in dem er und seine Frau Anna schon immer gewohnt haben, jenes Attaching, aus das ihn auch die Flieger und das Damoklesschwert der dritten Startbahn nicht vertreiben können, wie er betont. Er habe es an anderen Attachingern gesehen, die im Alter umgezogen seien und sich woanders niedergelassen hätten. „Da ist keiner so richtig glücklich.“ Er und seine Frau werden hier bleiben, werden weiter gegen die Startbahn kämpfen.

Da spricht also dann der Politiker Hölzl: Das was Seehofer und die Startbahnbefürworter sagen, „kann ich nicht nachvollziehen“. Die Situation sei „sehr schlimm“. Und genau damit zusammen hängt auch ein wichtiger Schritt, den der Kommunalpolitiker Hölzl im Jahr 2011 gewagt hat: Bis dahin war er CSU, seitdem ist er Freisinger Mitte (FSM). Wir schreiben das Jahr 1975: Hölzl rückt im Alter von 28 Jahren in den Gemeinderat der damals noch eigenständigen Gemeinde Attaching nach. Nach der Gebietsreform im Jahr 1978, als Attaching nach Freising eingemeindet wird, fungiert er von 1984 bis 1996 als Ortssprecher, wird dann erstmals in den Freisinger Stadtrat gewählt. Und da sitzt er heute noch. Seit 2014 ist er sogar dritter Bürgermeister – ein Amt, das er „als Ehre und als Auszeichnung“ empfindet. Dass er 2011 aus der CSU aus- und bei der FSM eintrat, hat Hölzl zu keiner Sekunde bereut: „Es war damals in der Fraktion einfach kein Arbeiten mehr möglich“, erzählt er. Äußerungen, die zum zigsten Male und immer und immer wieder kommen, ärgern ihn und machen ihn fuchsig. „Da muss ich mich manchmal schon zurückhalten.“ Manchmal aber auch nicht – und dann sind es klare, deutliche und teilweise auch etwas lautere Worte, die man von Hölzl im Stadtrat hört. Dennoch hat er an sich selbst in den vergangenen Jahren eine Veränderung festgestellt: „Ich bin kommunikativer geworden“, sagt er und meint damit nicht nur Diskussionen mit Kollegen, sondern auch Gespräche, die er mit den Menschen führt, die er bei runden Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen trifft.

Wenn Hans Hölzl heute selbst einen „Runden“ und seine Goldene Hochzeit feiert, dann müsste eigentlich gar kein Bürgermeister zum Gratulieren vorbeikommen. Der Bürgermeister ist ja schon da. Und der ist ein „sehr zufriedener Mensch“.

Ob er jetzt mit 70 allmählich daran denke, aus der Kommunalpolitik auszusteigen? „50/50“ stehe es derzeit, so Hölzl, ob er 2020 nochmals auf der FSM-Liste stehe. Wenn die Gruppierung glaube, dass er viele Stimmen holen und so der FSM helfen könne, dann sei er dazu bereit. In seinem Alter dürfe man da aber nicht in allzu langen Zeiträumen denken, sagt Hölzl. Auch wenn er sich körperlich noch fit fühlt. Das mag auch daran liegen, dass Hans Hölzl, „noch nie einen Rausch gehabt“ hat.

Und daran wird sich mit Sicherheit auch in diesen Tagen nichts ändern, selbst wenn es viel zu feiern gibt im Hause Hölzl.

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