Justitia steht neben einem Holzhammer und Akten
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Der Hausmeister (61) einer städtischen Notunterkunft in Freising hat einen 18-Jährigen belastet. Doch der kommt straffrei davon.

Angeklagter (18) kommt mangels Beweisen straffrei davon

Hausmeister (61) „lüftet“ Drogenversteck in Freising

Der Hausmeister (61) einer Notunterkunft in Freising hat einen 18-Jährigen aus Freising vor Gericht belastet: Der junge Mann soll Drogen verkauft haben.

Freising – Der Hausmeister (61) einer städtischen Notunterkunft in Freising hat einen 18-Jährigen aus Freising belastet. Vor dem Amtsgericht sagte er aus, dass der arbeitslose Angeklagte von „merkwürdigen Leuten“ des Öfteren Besuch erhalten habe. Während der junge Mann die Gäste irgendwo um die Ecke habe warten lassen, sei er in Richtung eines Verschlags verschwunden. Danach schien es, als würde der 18-Jährige den Leuten etwas übergeben, während er selbst etwas in Empfang nahm.

Drogen gefunden

Das kam dem Hausmeister komisch vor. Im Dezember 2020 fischte der 61-Jährige dann aus dem Verschlag fast zehn Gramm Marihuana, das dort luft- und wasserdicht in einem Druckverschlussbeutel verpackt lag. Der 61-Jährige informierte seinen Arbeitgeber, die Stadt, die ihrerseits die Polizei alarmierte. Exakt 8,15 Gramm Marihuana wogen die Ermittler später. Der 61-Jährige war überzeugt, dass das abgelegene Eck von „einschlägigem Klientel“ vereinnahmt worden sei. Er habe „des Öfteren Leute dort was rauchen“ sehen. Nachdem der Hausmeister den Druckverschlussbeutel zwei Tage nach Heiligabend 2020 bei Reinigungsarbeiten fand, sei für die Polizei allerdings die Chance vertan gewesen, den Dealer aufzulauern.

Die Beschuldigung

Der Angeklagte bestritt, mit den Drogen was zu tun zu haben. Es sei zwar schon mal vorgekommen, sagte er, dass er in der Ecke gestanden sei, „um eine zu rauchen“. Allerdings wäre das schon eine Weile her, beteuerte der 18-Jährige und beschuldigte den Hausmeister, ihn aus persönlichen Gründen auf dem Kieker zu haben: „Vor zwei, drei Jahren haben wir Streit gehabt.“ Er sei eigentlich davon ausgegangen, dass die Angelegenheit beigelegt sei. Der Heranwachsende räumte zudem ein, früher Cannabis konsumiert zu haben. Seit zehn Monaten rühre er aber nichts mehr an. „Ich will den MPU-Test bestehen“, meinte er. Denn ihm sei der Führerschein entzogen worden. Sämtliche Drogentests seien in dem Zusammenhang negativ verlaufen.

Mehrfach vorbelastet

Seine Aussage untermauerte er mit einer schriftlichen Bestätigung. Der Angeklagte ist mehrfach vorbelastet, wegen Drogenhandels zuletzt zu einer Woche Arrest verurteilt worden. Für eine Verurteilung reichte es diesmal aber nicht. Zwar hegte das Gericht keinen Zweifel, dass der Verschlag als Drogenversteck verwendet wurde. Der Zeuge habe zudem einen glaubhaften Eindruck hinterlassen. „Das was ich glaube, weicht aber davon ab, was ich nachweisen kann“, sagte Jugendrichter Boris Schätz.

In dubio pro reo

Die Drogen konnten nicht mit dem Angeklagten in Verbindung gebracht werden: In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten. Schätz ließ es sich aber nicht nehmen, den 18-Jährigen ausdrücklich zu warnen: „Sie wandeln auf einem schmalen Grat.“  

Andreas Sachse

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