Ein Arzt impft eine männliche Pflegekraft gegen Corona.
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Pflegekräfte gehören mit zur ersten Gruppe, die sich gegen Corona impfen lassen kann. Doch bei einer Minderheit herrscht noch Skepsis (Symbolbild)

Pflegenotstand

„Können wir uns das wirklich leisten?“: Heimleiter warnen vor Impfzwang

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Weil sich nicht alle Pflegekräfte impfen lassen wollen, denkt der Ministerpräsident laut über eine Impfpflicht nach. Heimleiter halten das für kontraproduktiv.

  • Mehr als die Hälfte aller Pflegekräfte haben sich bisher impfen lassen - Tendenz steigend.
  • Dennoch denkt Ministerpräsident Markus Söder laut über eine Impfpflicht nach.
  • Heimleiter im Landkreis Freising halten das für den falschen Weg und nennen dafür ihre Gründe.

Landkreis – Wie verheerend Corona in Pflegeheimen wüten kann, zeigt die Situation im Seniorenheim in Marzling. Bis Dienstag gab es sechs Todesopfer. Fälle wie dieser lassen Ministerpräsident Markus Söder laut über eine Impfpflicht für Pflegekräfte nachdenken. Das FT hat bei zwei Heimen nachgefragt, wie der Vorstoß in Heimen des Landkreises ankommt.

Die meisten betreuten Senioren haben sich impfen lassen – sowohl im Heiliggeistspital in Freising (95 Prozent) als auch im Seniorenpark Schönblick in Nandlstadt (86 Prozent). Beim Personal hat ebenfalls deutlich mehr als die Hälfte den ersten Pieks hinter sich. Markus Khauer, Leiter des Seniorenheims Nandlstadt, sprach von einer Impfquote über 76 Prozent. Andreas Knott, Einsatzleiter des Heiliggeistspitals, kann keine genaue Zahl nennen. „Aber die Tendenz ist steigend.“ Das bestätigt auch BRK-Kreischef Albert Söhl.

Impfskepsis: Die Angst vor Nebenwirkungen überwiegt

Hauptbeweggrund bei denen, die den Pieks bisher scheuen, dürfte wohl Angst vor den Nebenwirkungen sein. „Jeder glaubt, dass es sich um etwas Neues handelt, das noch nicht genug erforscht ist. Dabei wird an dieser Art Impfstoffen seit 25 Jahren geforscht“, sagt Khauer. Knott ist sich sicher, dass einige Pflegekräfte abwarten wollten. „Jetzt, wo sie sehen, dass nichts Schlimmes passiert, legen sie die Scheu ab.“ Aber auch Worst-Case-Szenarien wie jetzt in Marzling würden die Impfbereitschaft erhöhen. Khauer glaubt, dass sie nochmals steigt, wenn sich wissenschaftlich herausstellen sollte, dass der Impfstoff nicht nur die Erkrankung mit Covid-19 verhindert, sondern auch, dass der Virus weitergegeben wird.

Markus Khauer, Heimleiter in Nandlstadt: „Letztendlich sollte jeder Herr über seinen Körper bleiben.“

Fest steht: Nebenwirkungen sind nahezu bei allen Geimpften ausgeblieben. „Bis auf ein bisschen Armziehen bei wenigen gab es nullkommanull Nebenwirkungen“, sagt Knott, und Khauer fügt hinzu: „Bei uns wurden bisher 103 Dosen verimpft, und kein einziger Bewohner hatte Nebenwirkungen.“

Impfpflicht: „Können wir uns das wirklich leisten?“

Für Khauer selbst war es selbstverständlich, sich impfen zu lassen. „Das war für mich vom Kopf her eine große Erleichterung.“ Für ihn stehe das Minimalrisiko bei einer Impfung in keiner Relation zu einer Corona-Erkrankung. „Insofern sehe ich es als großes Glück, dass wir den Impfstoff jetzt schon erhalten, auf den viele andere noch warten müsse.“ Genau so habe er das auch seinem Personal kommuniziert.

Dennoch steht Khauer einem Impfzwang für Pflegekräfte skeptisch gegenüber. „Letztendlich sollte jeder Herr über seinen Körper bleiben.“ Eine Entscheidung pro Impfpflicht könne für die Branche negative Auswirkungen haben. „Nehmen wir an, dass sich etwa 20 Prozent nicht impfen lassen wollen. Dann sind die raus aus der Pflege. Können wir uns das im Anbetracht des Pflegenotstands wirklich leisten?“

Auch Andreas Knott glaubt, dass dann einige Seniorenheime in personelle Schwierigkeiten geraten könnten. „Dennoch gehe ich davon aus: Die Impfpflicht wird kommen.“

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