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Der Hörsaal 17 war rappelvoll.

Professor äußerst sich sehr kritisch 

Heiße Debatte in Freising: War das Bienen-Volksbegehren sinnlos?

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Kontroverse Debatte zum Bienen-Volksbegehren in Freising. Ein Profesor meinte, das sei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Freising – Es dauerte keine zwei Minuten, da ging es auf dem Podium schon munter und kontrovers zur Sache. Bei einer Podiumsdiskussion zu den Konsequenzen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ am Dienstag lieferten sich im rappelvollen Hörsaal 17 der TUM Weihenstephan die drei geladenen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Landwirtschaft einen lebendigen Schlagabtausch. „Ein gemeinsamer Weg für Landwirtschaft und Artenschutz?“ – das war die Frage, die die Junge DLG, ein Treffpunkt des Nachwuchses in der Agrarwirtschaft, mit dieser Veranstaltung beantworten wollte.

Sengl: der Erfolg ist ein Auftrag

Für Gisela Sengl, Biolandwirtin und Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung der Fraktion der Grünen im Landtag, war die Sache klar: Das grandiose Ergebnis des Volksbegehrens sei „ein klarer Auftrag für uns“, etwas für den Artenschutz zu tun. Schon allein die Tatsache, dass das Volksbegehren das Thema und die Landwirtschaft ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht habe, sei ein großer Erfolg. Denn was da thematisiert worden sei, wisse man zwar schon seit rund 30 Jahren, aber es war kein Thema für „die konservativen Parteien“. Jetzt aber schon, nachdem CSU, Freie Wähler und der Bauernverband die Sache „komplett falsch eingeschätzt“ und mit diesem Erfolg nicht gerechnet hätten.

Professor Schaefer: Das genügt nicht!

Für Hanno Schaefer, Professor für Biodiversität an der TUM, sind das Volksbegehren und das jetzt in Vorbereitung befindliche Gesetz zwar eine gute Sache, aber doch nur ein kaum nennenswerter Tropfen auf den heißen Stein. „Das allein genügt nicht.“ Die „Biodiversitäts-Hotspots“ lägen in Indonesien und Südamerika. Es bringe nichts, in Bayern fünf Meter breite Randstreifen an Äckern zu fordern, wenn gleichzeitig die Regenwälder abgeholzt würden. Man brauche eine grundlegende Agrarwende, die auf den Import von Palmöl und Soja verzichte, man brauche da ein radikales Umdenken. Man könne die Forderungen des Volksbegehrens schon umsetzen, „aber das führt uns nicht aus der Krise“. Sengl sah das anders: Das könne doch aber nicht bedeuten, dass man ganz Bayern zubetonieren dürfe, weil es eh egal sei. Selbstverständlich, so Schaefer, müsse man auch im Kleinen und „bei uns selbst anfangen“, aber das, „was die ÖDP da zusammengeschustert hat“, sei bei weitem nicht genug. Da müssten Bündnis 90/Die Grünen „pushen“, dürften nicht so „handsam“ sein. Immerhin: Das Volksbegehren sei auch eine große Chance für die Landwirtschaft.

Landwirt hat die Stimmung hinter sich

Zumindest dieser Aussage konnte auch Anton Kreitmair, Landwirt, Vorsitzender des BBV-Bezirks Oberbayern und Ex-CSU-Landtagsabgeordneter aus Dachau, bestätigen. Er hoffe, dass die Staatsregierung das Volksbegehren samt nun aufgelegter Gesetzgebung dazu nutze, die heimische Landwirtschaft zu stärken. Jedoch sei es „die verdammte Pflicht“ der Bauern, die Nahrungsmittelproduktion sicherzustellen. Ziel müsse es sein, zu gewährleisten, dass Bauern langfristig ohne Subventionen überleben können. Kreitmair, der die große Mehrheit im Auditorium hinter sich wusste, sah auch noch viel Spielraum nach oben in Sachen Flächenverbrauch. Was die derzeit laufende Gesetzgebung anbetreffe, mit der er nach der ersten Anhörung so gar nicht einverstanden war, setze er jetzt auf die Regierung: „Söder ist sehr schlau. Und der Aiwanger mindestens genauso. Aber ich will nicht werten: also beide gleich.“

Die Stimmung im Hörsaal drückte folgender Redebeitrag eines Studenten aus: „Die Bauern werden jeden Tag wie eine Sau durchs Dorf getrieben. Entscheiden, wie es mit der Landwirtschaft weitergeht, tun aber die Konsumenten, die dann gleichzeitig drei Mal im Jahr mit dem Billigflieger in den Urlaub düsen. Das Volksbegehren war doch nur dazu da, um Stimmen zu generieren.“

Ergänzende Informationen finden Sie hier: 

Volksbegehren im Kreis Freising: Ergebnis überwältigt Aktivisten – und frustriert Bauern

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