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Tatkräftiges Duo: Integrationsbeauftragte Nathalie von Pressentin (l.) und Übergangsberaterin Silvia Flenner helfen sozial benachteiligten Menschen dabei, eine Wohnung zu finden. Und das mit erstaunlichem Erfolg.

Anstrengungen forciert

Helfer in der Wohnungsnot: Landratsamt unterstützt sozial Benachteiligte

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Die Wohnungsnot in Freising ist groß. Trotzdem gelingt es dem Landratsamt immer wieder, sozial benachteiligten Menschen ein Quartier zu vermitteln. Von den Anstrengungen der Behörde profitieren nicht nur Flüchtlinge.

Freising– Sie ist selbst überrascht von ihrer Bilanz. 137 anerkannte Asylbewerber hat Silvia Flenner binnen eines Jahres eine Wohnung vermittelt. „Als ich im Juli 2017 mit meiner Arbeit begonnen habe, hätte ich nicht gedacht, dass die Zahl so schnell dreistellig wird“, sagt die Mitarbeiterin des Landratsamtes. „Das Schönste ist: Die Angebote reißen nicht ab.“

Silvia Flenner ist in der Behörde für die Übergangsberatung von Flüchtlingen verantwortlich. Der Übergang vom Asylbewerber zum Anerkannten ist immens, weil bewilligtes Asyl nicht nur mit Rechten, sondern auch mit Pflichten verbunden ist. Zwar besteht nun das uneingeschränkte Recht auf Arbeit, doch einen Job müssen die anerkannten Flüchtlinge erst mal finden – ein immenser bürokratischer Aufwand, der für sie allein kaum zu bewältigen ist.

Die meisten Flüchtlinge finden allein keine Wohnung

Noch schwieriger aber ist die Wohnungssuche. Denn wer sein Asylverfahren erfolgreich zu Ende gebracht hat, verliert eigentlich die Berechtigung dazu, in einer Flüchtlingsunterkunft zu leben. Doch in Anbetracht der Marktlage ist es für einen Flüchtling nahezu aussichtslos, selbst eine Bleibe zu finden. Die meisten von ihnen leben – notgedrungen– noch immer in den Unterkünften des Landratsamtes, als sogenannte Fehlbeleger. 744 sind es nach Auskunft von Flenner immer noch. 137 Bleibeberechtigte, die sie in private Mietverhältnisse gebracht haben, sind da für Flenner erst ein Anfang, aber ein starker.

Wie hat sie das geschafft in Anbetracht des hart umkämpften Wohnungsmarkts? „Also Kaltakquise betreibe ich nicht“, sagt sie und lacht. Sie wolle schließlich auch Immobilienmaklern keine Konkurrenz machen. Vielmehr würden immer wieder Menschen anrufen, die eine Wohnung vermieten wollen und im Amt nachfragen, ob Verwendung besteht. „Wir sondieren dann, wie groß die Wohnung ist, in welchem Zustand sie sich befindet und welche Mietvorstellungen bestehen.“ Eine Wohnung abgelehnt hat Flenner erst einmal – „weil da von A bis Z nichts gestimmt hat“. Öfter kommt es hingegen vor, dass Vermieter das Interesse verlieren, weil ihre Mietvorstellungen nicht erfüllt werden können, berichtet sie. „Bei ganz vielen ist aber auch ein soziales Anliegen spürbar. Denen macht es Freude, helfen zu können.“

Lieber eine Mitbewohnerin als ein drittes Bügelzimmer

So sei etwa eine Frau aus Freising, die allein in einem großen Haus wohne, zu dem Schluss gekommen, dass sie kein drittes Bügelzimmer brauche. „Sie hat eine alleinstehende Frau bei sich aufgenommen, und das läuft gut.“ Eine Familie aus Zolling wiederum hat zwei Flüchtlingsfamilien in einem sanierten Bauernhaus untergebracht. „Denen hat es einfach Spaß gemacht, anderen zu helfen und sich auch dafür einzusetzen, dass die Kinder im Sportverein und bei der Feuerwehr unterkommen.“

Das Gros der 137 untergebrachten Flüchtlinge sind Familien, wie Flenner mitteilt. „Das hat auch damit zu tun, dass wir überwiegend große Wohnungen angeboten bekommen.“ Schwer haben es hingegen alleinstehende Männer. Denn das Konzept von Wohngemeinschaften, das zu den jungen Leuten passen würde, schreckt viele Vermieter ab. „Für sie ist das einfach ein größeres Risiko.“

Doch nicht nur Flüchtlinge tun sich schwer, Wohnungen zu finden. Hier setzt die Arbeit der Integrationsbeauftragten Nathalie von Pressentin an. Unter ihrer Regie hat sich Anfang des Jahres die Arbeitsgruppe „Unterstützung von Wohnungssuchenden“ gebildet. Sie soll allen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund helfen, die sich schwer tun, ein Quartier zu finden. So befinden sich in der Arbeitsgruppe neben einem Immobilienmakler und Spezialisten aus dem Mieterverein auch Vertreter des Studentenwerks, von Gemeinden und ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer.

Hilfe kann jeder bekommen - ob mit Migrationshintergrund oder ohne

Aber auch die Sozivalverbände sitzen in dem Gremium. „Denn natürlich“, betont Nathalie von Pressentin, „wollen wir auch sozial benachteiligten Menschen aus Deutschland helfen.“ Stichwort: Obdachlosigkeit.

Eine der ersten Initiativen des Arbeitskreises ist der Aufbau einer Mieterqualifizierung im ganzen Landkreis. „Wir wollen die Betroffenen fit machen bei der Suche nach einer eigenen Wohnung“, erklärt von Pressentin. „Der Arbeitskreis wendet sich an alle, die ehrenamtlich Mieterqualifizierungskurse mit interessierten Wohnungssuchenden – mit und ohne Migrationshintergrund – durchführen möchten.“

Bei der Schulung lernen Wohnungssuchende, wie sie die richtigen Inserate finden, selbstständig mit dem Anbieter Kontakt aufnehmen, wie sie sich beim Besichtigungstermin verhalten müssen, aber auch, welche Verhaltensregeln in einer Mietwohnung gelten, und wie ein Mietvertrag aufgesetzt wird. Wer die Schulung erfolgreich meistert, erhält ein Zertifikat, das bei der Wohnungssuche hilfreich sein kann, wie von Pressentin erklärt.

Neben zwei Helferkreisen bietet auch die Gemeinde Neufahrn eine Mieterquallifizierung an. Ihr Konzept richtet sich an alle, die in Notunterkünften untergebracht sind, seien es nun Obdachlose oder Flüchtlinge. Den ersten Kurs hat die Gemeinde bereits erfolgreich über die Bühne gebracht. Diejenigen, die mitgemacht haben, strahlen am Ende, wie von Pressentin berichtet. „Für mich war es toll, die ersten Früchte der Arbeit zu sehen.“

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