Helmut Attenberger nach 30 Jahren an der Meichelbeck-Realschule in Ruhestand

Lebendige Brücke zwischen Theorie und Praxis

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Wenn die Realschüler demnächst an ihre Schule an der Düwellstraße zurückkehren, wird ein Mann, eine echte Persönlichkeit, fehlen: Helmut Attenberger. Zum Schuljahresende 2017 war er verabschiedet worden – nach 30 Jahren Wirken an der KMRS.

Freising – Nein, noch fehlt ihm der Schulbetrieb nicht, sagt Helmut Attenberger. Dieses Gefühl werde wohl dann kommen, wenn die Schule startet, mutmaßt der Ruheständler. Und was ihm da besonders fehlen wird? „Die täglichen Begegnungen mit den Schülern, Kollegen und Eltern.“ Auf seinen Ruhestand vorbereitet habe er sich nicht, sagt der Pädagoge, der zuletzt stellvertretender Schulleiter an der Karl-Meichelbeck-Realschule in Freising (KMRS) war. Nur für die nahe Zukunft hat er sich etwas vorgenommen: Bergwandern mit seiner Frau im Herbst in Südtirol und eine Zehn-Tages-Reise nach Berlin zu seinem Sohn.

Am 1. August 1987 wurde Attenberger nach Freising an die Karl-Meichelbeck-Realschule versetzt. Mathematik, Physik und Informatik – das war seine Welt als Lehrer. Dabei, so hat ihn Schulleiterin Christine Obermaier beim Abschied gelobt, sei es ihm „immer wichtig gewesen, eine lebendige Brücke zwischen theoretischem Wissen und praktischem Tun zu schlagen.“

Helmut Attenberger will jetzt die Geschichte derMathematik erforschen.

Dass Attenberger einer von den Lehrern war, die bei den Schülern ausgesprochen beliebt waren, kann er sich nur so erklären: „Vielleicht, weil ich mich der Sorgen und Nöte jedes Schülers angenommen und das Gespräch gesucht habe.“ Und noch etwas könnte seine Beliebtheit erklären: „Meine Leidenschaft gehört der Mathematik.“ Das den Schülern auch zu vermitteln habe er immer versucht, wollte sie „alle ins Boot holen“. Es ist das, was Obermaier wohl meint, wenn sie davon spricht, dass Attenberger nicht nur Wissensvermittler war, sondern auch „großes pädagogisches Geschick“ besaessen habe.

Die Schüler, so stellt Attenberger nach 30 Jahren in Freising fest, hätten sich in all diesen Jahren nicht wesentlich verändert. Das Umfeld der Schüler, ihre Lebensumstände hätten sich freilich geändert. Stichwort: Smartphones. Ein Thema, bei dem Attenberger stets Fingerspitzengefühl walten ließ. Und haben sich die Eltern verändert? Sie seien schon „etwas sensibler gegenüber der Schule“ geworden und zeigten mehr Interesse an der Schule als früher, vergleicht Attenberger. Aber auch da sei er stets bestrebt gewesen, einen Konsens zu finden.

Ein schlimmstes Erlebnis fällt ihm nicht ein. „Wir waren ja auch verschont von größeren Unglücken und tragischen Ereignissen“, bilanziert Attenberger erleichtert. Und sein schönstes Erlebnis? Vielleicht, als im Rahmen einer RTL-Scherz-Produktion á la „Versteckte Kamera“ ein Michael Jackson-Double in seinem Klassenzimmer auftrat und für große Aufregung sorgte.

Attenberger, ein geborener Freisinger, der hier selbst die Realschule und dann das Josef-Hofmiller-Gymnasium besuchte, hatte schon von Anfang an den Wunsch, wieder nach Freising versetzt zu werden. „Ich bin einfach gern Freisinger!“ Dass er 2005 in die Schulleitung gewechselt ist, dass er damit mehr administrative Aufgaben übernahm, habe er nie bereut. „Aber ich wollte nie ohne Unterricht sein.“. Warum? Weil im Klassenzimmer kein Telefon geklingelt und nichts gestört habe. Seine „Chefin“ Christine Obermaier habe die Schule stets partnerschaftlich mit ihm zusammen leiten wollen. „Wir waren immer ein Team“, so sagt Attenberger. Und Obermaier? Ein „loyaler Teampartner“ sei ihr Attenberger stets gewesen. Und ein „critical friend“.

Über das Kultusministerium und dessen Vorgaben und Richtlinien habe er sich schon „hin und wieder geärgert“, gibt Attenberger zu. Aber die Vorgaben und Regelungen zu erfüllen, sei eben die Pflicht der Lehrer, weshalb er auch nie ins Jammern verfallen sei. Und dann verrät Attenberger doch noch, mit was er sich jetzt in seinem Ruhestand beschäftigen wird: Er werde sich „ein bisschen“ in die Geschichte der Mathematik einlesen und auf diesem Gebiet forschen.

Und noch etwas hat er sich vorgenommen: Er werde versuchen, bei den Klassentreffen, zu denen er eingeladen werde, auch dabei zu sein. Denn nach 30 Abschlussbällen der KMRS, von denen er keinen versäumt hat, und nach bereits vielen Klassentreffen, an denen er teilgenommen hat, weiß Attenberger: „Die Schüler freuen sich.“ Auch wenn sie ja schon gar keine Schüler mehr sind.

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