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Radio macht Spaß – noch dazu, wenn alles hausgemacht ist. Jeden Mittwoch wird unter der Regie von Markus Fichtner eine zehnminütige Sendung produziert, die am Freitag 500 Schüler hören können. Hier erzählt Titus gerade einen Witz.

Im bayerischen Schulleben ist dieses Freisinger Projekt ziemlich einmalig

Viel Spaß bei Radio Quatschkopf

Es ist Freitagmorgen. An der Grundschule St. Lantbert in Lerchenfeld warten rund 500 Schüler schon gespannt auf die neue Folge von Radio Quatschkopf: Lieder, Nachrichten, Wetter, Sport und Witze. Alles, was eine gute Radiosendung ausmacht, ist dabei. Die Schüler haben Spaß beim Anhören – und beim Produzieren. Denn Radio Quatschkopf ist „hausgemacht“.

Freising – Die Arbeitsgemeinschaft (AG) der Radiomacher gibt es an der Grundschule St. Lantbert schon seit zehn Jahren. Seit dieser Zeit haben dort Dritt- und Viertklässler der Grundschule St. Lantbert die Möglichkeit, an einem ganz besonderen Wahlfach teilzunehmen: Jeden Mittwochnachmittag wird eine Radiosendung produziert, die dann freitags von 8 bis 8.10 Uhr über die Hausanlage der Schule für rund 500 Schüler und die Lehrerschaft gesendet wird. AG-Leiter Markus Fichtner kennt kein anderes, gleichgeartetes Radioprojekt in der bayerischen Grundschullandschaft: „Radio Quatschkopf ist deswegen etwas ganz Besonderes.“

In zehn Minuten Sendezeit packen die Teilnehmer der AG viele interessante Themen. Eine Sendung umfasst immer die Begrüßung, Nachrichten, Sportmeldungen, den Wetterbericht, einen aktuellen Witz, zwei Lieder und die Verabschiedung. Und es gibt eine Neuerung: Seit Dezember 2017 ist Radio Quatschkopf auch online zu finden: Der Rektor der Schule, Peter Neurohr, hat Markus Fichtner zu dem Schritt überredet, die Online-Plattform Youtube zu nutzen. Fichtner stimmte zu: „Denn natürlich wollen die Eltern auch die Radiosendungen ihrer Kinder hören. Deswegen haben wir uns entschieden die Folgen auf YouTube zu stellen.“

Jeden Mittwoch von 14 bis 15.30 Uhr haben die Schüler Zeit, die Sendung aufzunehmen. Zwei Gruppen mit jeweils zwölf Schülern bereiten im 14-Tage Rhythmus die Beiträge vor. Die Endbearbeitung der Folgen übernimmt dann Lehrer Markus Fichtner: „Das Schneiden kostet mich zuhause noch mal gut eine Stunde, aber das mache ich gerne für dieses Projekt.“

Jeder Schüler ist für seinen Teil der Radiofolge verantwortlich. Nachdem die Sendung „im Kasten“ ist, werden schon wieder die neuen Themen festgelegt und innerhalb der Schüler verlost. So ist gewährleistet, dass jeder abwechselnde Rubriken zur Bearbeitung bekommt.

Die Auswahl der Lieder, die in den einzelnen Folgen gespielt werden, liegt bei den Schülern, erklärt Fichtner. Meistens würden aktuelle Charts gespielt, aber auch klassische Musik, die im Unterricht Thema war, wird eingesetzt. „Den Kindern ist es auch völlig freigestellt, wie sie den vorgegebenen Themenbereich bearbeiten. Nur zwei Tabus gibt es: Keine Werbung und keine Schreckensnachrichten“, sagt der Lehrer: „Die jüngeren Schüler sollen sich ja nicht ängstigen.“ Er hat die Endkontrolle darüber, was gesendet wird und was nicht. Grenzwertige Themen schneidet er „lieber raus“.

Dennoch werden Themen wie der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt oder der tragische Unfall der Freisinger Familie in Mallorca, deren Tochter Lantbert-Schülerin ist, nicht ausgeblendet. „Berichtet haben wir über den Vorfall schon. Aber nicht über das Unglück an sich, sondern über die Beerdigung des Vaters. Das, glaube ich, ist erträglicher für die jüngeren Schüler“, erklärt Fichtner.

Bei den ersten beiden Treffen im jeweils neuen Schuljahr kommen noch keine Sendungen zu stande. Da müssen die Schüler erst lernen, wie man eine Radiosendung richtig präsentiert, dass Fehler machen nicht schlimm ist, und vor allem, dass man keine Hemmungen am Mikrofon haben darf.

Und so hat die Radio-Arbeit auch einen direkten Effekt auf den Unterricht: Sie fördere laut Markus Fichtner die Deutschkenntnisse und gebe Selbstvertrauen beim Vortragen von Referaten. Sprechen und Präsentieren sei zwar sehr anspruchsvoll, „aber mit etwas Übung kriegen es alle richtig gut hin“. Einige bräuchten nicht einmal mehr ein Manuskript, sondern sprechen ihren Text frei ins Mikrofon.

Prominente Stimmen haben im Radio Quatschkopf auch schon gesprochen. Ein Schüler etwa, dessen Mutter das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, nutzte die Gelegenheit beim Festakt in Berlin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um ein Grußwort zu bitten. Auch Sportreporter Jörg Wontorra, den ein Schüler zufällig einmal traf, wurde spontan mit dem Handy interviewt – und lobte die AG.

Als Zuckerl starteten die Radiomacher im vergangenen Jahr zu einer Exkursion ins Funkhaus nach München: Sie besuchten dort die Profis von Bayern 3. Die Schüler lernten beim Blick hinter die Kulissen vieles und durften auch bei der Sendung „Future Family“ mitwirken.

Danach gab’s einen Gegenbesuch: BR-Moderatorin Brigitte Theile schaute bei der Radio-AG vorbei und gab professionelle Tipps. Markus Fichter stolz: „Die Moderatorin war sehr verwundert über den hohen Anteil der Sprachbeiträge in den Sendungen.“ Doch das ist bei Radio Quatschkopf eherne Regel: „Von zehn Minuten Sendezeit darf höchstens die Hälfte mit Musik belegt werden“, sagt Fichtner: „Noch höher ist der Anteil der Sprachbeiträge bei Mottosendungen zu Weihnachten, zu Fasching oder während des Uferlos-Festivals“. Da war Radio Quatschkopf besonders auf Draht.

Gut zu wissen:

Wer sich Radio Quatschkopf anhören möchte, muss im Internet den YouTube-Kanal der Grundschule St. Lantbert anklicken. Dort werden die Sendungen wöchentlich hochgeladen.                                                                                     Lena Hrodek

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