Blick ins Wartezimmer eines Arztes
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In Kürze sollen auch Hausarztpraxen gegen Corona impfen dürfen. Symbolbild

Ärztesprecher sieht Licht am Ende des Corona-Tunnels

In Freising könnte bald der Impf-Turbo starten: Hausärzte könnten bereits ab 1. April impfen

  • Helmut Hobmaier
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Die Hausärzte stehen in den Startlöchern und sind hochmotiviert: Schon am 1. April könnte es mit dem Impfen in den Praxen losgehen.

Freising – Eine Reihe von Ärzten ist jetzt bereits im Impfzentrum in der Stein-Kaserne aktiv. In Kürze aber soll mehr Impfstoff eintreffen, und die Aktion auf eine breitere Basis gestellt werden. Bereits ab 1. April könnte in mehreren Praxen im Landkreis geimpft werden, berichtete der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, Georg Miedl, im FT-Interview. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Miedl sieht ein helles Licht – am Ende des dunklen Corona-Tunnels.

Die Hoffnungen der Menschen, dass bis zum Spätsommer wirklich alle ein Impfangebot bekommen haben, beruhen auf mehr Impfstoff – und darauf, dass die Hausärzte mitziehen. Ist das auch sicher?

Absolut. Die Bereitschaft, mitzumachen, ist unter den Kollegen sehr groß. Daran wird es garantiert nicht scheitern. Wir sind gemeinsam mit dem Impfzentrum im Hintergrund auch bereits fleißig am Vorbereiten. Zahlreiche Kollegen arbeiten ja bereits am Impfzentrum mit. Einige haben schon in den Praxen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft. Jetzt wird die Öffnung der Praxen für die Impfaktion vorbereitet.

Georg Miedl ist sich sicher: „Die Motivation ist exzellent“

Wie darf man sich das vorstellen?

Zunächst einmal muss sichergestellt werden, dass die Praxen über die eingesetzte Software mit dem Impfzentrum verbunden sind. Das haben wir bereits getestet. Das klappt. Wenn also ein Patient in der Praxis geimpft wird, wird das an das Impfzentrum gemeldet, und die dortige Anmeldung wird gelöscht. Dann kommt der nächste dran – und das Impftempo nimmt zu. Das ist unser großes Ziel: Die Schlagzahl soll erhöht werden.

Dann sind Sie also schon startbereit?

Es gibt einen avisierten Termin, ab dem es mit den Impfungen in den Praxen losgehen könnte. Das ist der 1. April. Kann sein, dass es aber auch schon früher klappt.

Wer entscheidet denn, ob jemand in der Praxis oder im Impfzentrum geimpft wird?

Falls sich der Hausarzt eines Bürgers an der Impfaktion beteiligt, und er auch über Impfstoff verfügt, können seine Patienten in der Praxis geimpft werden. Sie werden das natürlich dort bekanntgeben müssen. Sonst weiß der Arzt ja nicht, wer sich bei ihm impfen lassen will. Geimpft wird dann exakt nach der vorgegebenen Prioritätsliste.

Dann komme ich auch nicht früher dran, wenn ich schon seit 20 Jahren bei dem gleichen Hausarzt bin?

Nein, die Reihenfolge ist klar geregelt und absolut verbindlich. Es zählen die Prioritätengruppen.

Bis jetzt war immer von sieben Praxen die Rede, die mitmachen. Steht also schon fest, wer sich beteiligt?

Das war wohl etwas missverständlich. Wir haben nur zunächst einmal sieben Praxen gemeldet, um testen zu können, ob das funktioniert. Das war ein Feldversuch, um herauszufinden, wie man das Ganze organisieren kann. Impfen kann künftig jeder Hausarzt im Landkreis.

Er braucht aber in der Praxis genügend Platz, und man muss das auch zeitlich noch unterbringen . . .

Ein Knackpunkt wird sicher der Zeitfaktor sein, denn die meisten Hausärzte arbeiten ja bereits am Anschlag. Es geht also darum, das Impfen im laufenden Praxisbetrieb einzuflechten oder dafür extra Zeit einzuplanen. Das ist schon eine Herausforderung, denn viele Ärzte arbeiten ja bereits im Impfzentrum. Aber die Motivation ist exzellent, und unser Ziel – die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie – steht über allem. Jede einzelne Impfung hilft, das Virus zu bekämpfen. Jeder einzelne Stich reduziert die Verbreitung. Jetzt geht es darum, wirklich flächendeckend zu impfen.

Aber nicht jeder Impfstoff ist gleich beliebt . . .

Der Impfstoff von AstraZeneca wird hier im Landkreis genauso verimpft wie die anderen. Ein gewisses Unbehagen ist dadurch entstanden, dass wissenschaftliche Zahlen vereinfacht und falsch interpretiert wurden. Aber AstraZeneca ist, genauso wie die anderen Impfstoffe, hochwirksam. Es bietet nach der ersten Impfung sogar einen noch höheren Schutz als das Produkt von Biontech. Alles, was verimpft wird, schützt sehr zuverlässig und verhindert vor allem schwere und tödliche Verläufe. Und alle Impfstoffe bieten auch bereits nach der ersten Impfung einen hohen Schutz, sodass ich schon Licht am Ende des Tunnels sehe.

Die Menschen kommen auch langsam ans Ende ihrer Kräfte. Glauben Sie, dass wir im Sommer wieder ein weitgehend normales Leben führen können?

Lassen Sie sich bitte alle impfen – dann bin ich da sehr zuversichtlich.

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