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Letzte Amtshandlung am Amtsgericht: Im Alter von 83 Jahren verabschiedete sich Klaus Sopart kürzlich in den Ruhestand.

Interview mit dem Freisinger Klaus Sopart

Anwalt geht in Ruhestand – mit 83 Jahren

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Bis ins hohe Alter hat Klaus Sopart in Freising als selbstständiger Anwalt gearbeitet. Mit 83 Jahren kam ihm dann von einem Moment auf den anderen die Eingebung, dass es Zeit für den Ruhestand wird. Dem FT berichtet er, was sich in 50 Jahren Anwaltsleben im Job geändert hat, räumt mit Vorurteilen auf und er erklärt, warum er vorsorglich jeden grüßt, den er auf der Straße trifft.

-Herr Sopart, Sie haben 1967 Ihre Anwaltskanzlei an der Oberen Hauptstraße in Freising gegründet. Hatten Sie damals schon das Ziel, einmal das Goldene Dienstjubiläum feiern zu können?

Nein, daran habe ich keinen Gedanken verschwendet. Ich war damals Anfang Dreißig. Als gebürtiger Schlesier war ich damals völlig neu in Bayern. Mir ging es nur darum, überhaupt Fuß in Freising zu fassen.

-Es hat offenbar funktioniert.

Ich war sehr erleichtert, als damals der erste Mandant, der zehnte, der zwanzigste zu mir gekommen sind. Mein Glück war, dass es damals noch nicht so viele Kanzleien in Freising gab wie heute. Inzwischen gibt es, wenn man ehrlich ist, ja eigentlich zu viele Anwälte.

-Wo haben Sie die Energie hergenommen, so lange Zeit als Anwalt zu arbeiten?

Das war nicht schwierig für mich. Ich hatte immer gut etwas zu tun. Die Arbeit hat mich auch sehr fit gehalten – zumindest im Geist. Die Knie sind wieder ein ganz anderer Fall.

-Trotzdem haben Sie 2006 mit 72 Jahren ihre Kanzlei noch einmal erweitert. Da sind die meisten anderen längst im Ruhestand.

Erweitert – das ist jetzt etwas übertrieben. Ich habe mir mit Frank Löser noch einen Partner ins Boot geholt. Wir haben die Kanzlei dann gemeinschaftlich geführt. Er ist quasi mein Nachfolger.

-Was hat Sie letztlich dann doch dazu bewogen, von den Gerichtssälen Abschied zu nehmen?

Moment. Ich möchte hier mal mit einem weitverbreiteten Vorurteil über Anwälte aufräumen.

-Das wäre?

Dass unser allererster Gedanke immer der ist: Da werden wir prozessieren. Wo es möglich ist, suchen wir nach Kompromissen. Ich habe es jedenfalls immer so gehandhabt.

-Und wie kamen Sie mit 84 Jahren nun auf die Idee, sagen wir, die Juristerei an den Nagel zu hängen?

Wie ich schon angedeutet habe, machen die Knie nicht mehr so mit. Ich habe es schon noch bis zum Gericht hingeschafft, aber es hat halt immer länger gedauert, bis ich da war. Da ist mir plötzlich der Gedanke gekommen: Du müsstest mal aufhören.

-Einfach so.

Ohne jemals davor darüber nachgedacht zu haben.

-Was hat sich in Ihrer 50-jährigen Anwaltskarriere in der Branche verändert?

Früher waren Einzelanwälte wie ich die Regel, heute sind sie eher absonderlich. Die Sozietäten sind in der Überzahl. Außerdem habe ich das Gefühl, dass man sich nicht mehr so um die Mandanten kümmert wie früher. Das hat vielleicht mit der zunehmenden Konkurrenz-Situation zu tun. Ich war für meine Mandanten immer ansprechbar. Das hat sich auch bewährt. Manche kamen mit einem neuen Fall Jahre, nachdem ich sie einmal betreut hatte.

-Erkennen Sie viele Menschen, wenn Sie heute durch Freising spazieren?

Ja. Das Problem ist, dass ich mich nicht mehr an alle erinnern kann. Darum grüße ich immer vorsorglich jeden Passanten. Wenn er zurückwinkt, weiß ich: Wir kennen uns vom Gericht.

Interview: Manuel Eser

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