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Auch die öffentliche Hand trägt mit vielen Auftragsvergaben zum Bauboom bei - wie die Stadt Freising, die derzeit die Innenstadterneuerung vorantreibt.

Interview mit IHK-Vizepräsidenten Otto Heinz

Trotz bester Konjunkturdaten: „Die Luft für weiteres Wachstum wird dünner“

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Die Wirtschaft boomt, den meisten Unternehmen geht es gut. Das geht aus dem Frühjahrskonjunkturbericht hervor, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) jährlich herausbringt. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Er gilt für die Landkreise Freising, Erding, Ebersberg, Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg, Starnberg sowie für Stadt und Landkreis München. „So stark ist die Wirtschaft seit sieben Jahren nicht mehr ins neue Jahr gestartet“, freut sich Otto Heinz aus Moosburg. Im FT-Interview erklärt der Vizepräsident der IHK München und Oberbayern, warum es mit weiterem Wachstum auch in der Flughafen-Region schwierig wird, und wo die Schattenseite des Booms liegt.

-Mit welchen Indikatoren misst die IHK die Wirtschaftsstärke?

Um herauszufinden, wie gut es der Wirtschaft geht, befragt die IHK die Betriebe zu unterschiedlichen Indikatoren. Die vier wichtigsten sind die Einschätzung der konjunkturellen Lage, die Erwartungen zur weiteren Konjunkturentwicklung, die Investitionsabsichten und die Beschäftigungspläne. Der Index ist somit das geometrische Mittel aus Lage und Erwartungen.

„Die Lokomotive hat noch mehr Fahrt aufgenommen“

-Woran liegt es, dass die Wirtschaft so stark ins Jahr gestartet ist?

Die Industrie als Lokomotive der bayerischen Wirtschaft hat noch mal mehr Fahrt aufgenommen. Das gilt auch für den Landkreis. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen sowie die hohe Auslastung der Betriebe. Immer mehr kommen sogar an ihre Kapazitätsgrenzen. Das treibt den Investitionsmotor an. Die privaten Haushalte sind mit ihrer hohen Kaufkraft ebenfalls ein stabiler Wachstumstreiber.

-Welche Branchen profitieren besonders von der guten Konjunktur?

Besonders stark ist der Boom in der Bauwirtschaft. Bayernweit liegt der Bestand an Aufträgen auf einem 14-Jahres-Hoch. Fast drei von vier Betrieben sind voll ausgelastet. Der aktuelle Bauboom steht auf sicherem Fundament: Die Nachfrage nach Wohnraum wird weiter von den niedrigen Zinsen, Bevölkerungswachstum und der guten Einkommensentwicklung angetrieben. Der Gewerbebau profitiert von der anziehenden Investitionstätigkeit der Wirtschaft, und auch die öffentliche Hand vergibt viele Bauaufträge.

-Kann das immer so weitergehen?

Die Luft für weiteres Wachstum wird auch in der Flughafen-Region immer dünner. Für neue Bauprojekte fehlen Flächen. Genehmigungsprozesse stocken, da Architekten, Planer und auch Personal in der öffentlichen Bauverwaltung fehlen. Bauunternehmen müssen Aufträge ablehnen oder verschieben, da sie nicht genügend Personal am Arbeitsmarkt finden.

„Verhalten ist die Stimmung vor allem bei den Banken“

-Fünf Prozent bezeichnen Ihre Wirtschaftssituation als schlecht – trotz der guten Konjunkturzahlen.

Dass nur fünf Prozent ihre Lage als schlecht bewerten, ist außergewöhnlich und deutet auf eine hervorragende Gesamtbewertung hin. Es ist eine Umfrage, wo jedes Unternehmen über die eigene Situation Auskunft gibt. Daher mag es immer Firmen geben, bei denen das Geschäft nicht so gut läuft, aus welchen Gründen auch immer.

-Gibt es auch Branchen, die von der Konjunktur nicht profitieren?

Verhalten ist die Stimmung vor allem bei den Banken. Auch hier spielen die niedrigen Zinsen eine große Rolle.

-Die meisten Unternehmen sind auch für die kommenden Monate optimistisch. Sollte man jetzt etwas für mögliche schlechtere Zeiten zurücklegen oder in die Zukunft investieren?

Unternehmen kann man nur bedingt mit Haushalten vergleichen. Natürlich ist es im Rahmen der Liquiditätsplanung einer Firma wichtig, Vorsorge für verschiedene Zukunftsszenarien zu treffen wie beispielsweise die Absicherung gegen schwankende Wechselkurse im Auslandsgeschäft. Wenn ein Unternehmen sich bei guter Auftragslage aber nachhaltig aufstellen möchte, sind Investitionen unabdingbar. Nur so kann die eigene Wettbewerbsfähigkeit gesichert, nur so können Arbeitsplätze erhalten werden.

„Der Wettbewerb um Fachkräfte in der Region ist hart“

-Schattenseite der Konjunktur ist der Fachkräftemangel. Wo fehlen Fachkräfte besonders?

Tatsächlich wird es für viele Unternehmen immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden und offene Stellen zeitnah zu besetzen. Bereits bis Ende 2017 fehlten in der Region München über alle Berufsgruppen hinweg etwa 60 000 Fachkräfte. Aufgrund dieses Engpasses können 5,2 Prozent aller in der Region angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte nicht besetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern. Die Unternehmen in den Landkreisen Erding und Freising haben diese Situation erst in der IHK-Sitzung bestätigt. Der Wettbewerb in der Region ist hart, um gute und bestehende Mitarbeiter zu halten und neue qualifizierte Kollegen zu gewinnen. Gesucht werden zu etwa 90 Prozent beruflich qualifizierte Personen.

-Welche Fachkräfte sind besonders begehrt?

Ganz oben auf der Wunschliste der Betriebe stehen Industriemeister in der Mess- und Prüftechnik, CAD-Konstrukteure oder REFA-Techniker. Bei den Akademikern fehlen vor allem Maschinenbauingenieure.

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