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Im Scheinwerferlicht: BR-Moderator Tilmann Schöberl (M.) sprach mit Weihbischof Bernhard Haßlberger (r.) und Pfarrer Rainer Maria Schießler.

Kirche in der Krise?

"Jetzt red i in Freising": Heiße Eisen in kühler Atmosphäre

Kirche in der Krise? Fällt Bayern vom Glauben ab? Eigentlich ein recht heißes Eisen, das das Bayerische Fernsehen mit seiner Sendung „Jetzt red i“ in der Weihenstephan- Arena in der Luitpoldanlage in Freising aufgegriffen hat. 

Das war auch für BR-Allzweckwaffe und Moderator Tilmann Schöberl eine Neuerung: „In einem Eisstadion war ich noch nie.“ Schon beim Warm-up sorgte der Moderator für Lacher. Etwa als er kundtat, dass es „jetzt noch möglich ist, den Platz zu wechseln, wenn man nicht mit der eigenen Frau da ist, die vielleicht zu Hause jetzt zuschaut“. Beifall sei während der Sendung erwünscht, ermunterte der Moderator das Publikum. „Denn wir feiern hier keine Messe.“ Als Experten zum Thema saßen Weihbischof Bernhard Haßlberger und der Pfarrer von St. Maximilian München, Rainer Maria Schießler, im Rund der Arena – Letzterer von Schöberl als „kleiner Kirchenrebell“ tituliert.

Großer Andrang: Viele Besucher wollten gestern bei der BR-Live-Sendung „Jetzt red i“ in der Weihenstephan-Arena dabei sein.

Eine Religionslehrerin meinte gleich zu Beginn der Sendung, dass der Wind aus Rom, angefacht vom neuen Papst, vielleicht gerade noch die Gläubigen erreicht, nicht aber die Köpfe der Amtskirche. Die Nichtzulassung der wiederverheirateten Paare zur Kommunion war wie das Zölibat ein weiteres Thema. Der Kirchenpfleger der Schießler-Gemeinde, Stefan Allofs, sagte, die Kirche verwalte nur noch einen Mangel, anstatt aktiv die Probleme anzugehen. Sein Credo: „Keine Angst vor Veränderung.“

Weihbischof Haßlberger räumte ein, dass man in der Kirche tatsächlich teilweise Angst vor Veränderungen habe. „Aber das ist nicht nur in der Kirche so.“ Schießler, der jahrelang auch als Bedienung beim Oktoberfest auftrat, zitierte einen Abt: „Eine Kirche, in der alles in Ordnung ist, und die keinerlei Veränderung erfährt, kann nicht katholisch sein.“ Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande brachte es auf den Punkt: „Die Kirche ist für den Menschen da und nicht der Mensch für die Kirche.“ Das griff Weihbischof Haßlberger auf und sagte, dass man als Pfarrer „nah am Menschen sein“ müsse. Pfarrer Schießler ergänzte: „Man muss den Gläubigen das Handeln erklären. Wenn ich an Ostern durch die Kirche gehe und die Leute rechts und links mit Weihwasser vollspritze, dann muss ich ihnen erklären, warum.“

Kirchenpfleger Stefan Allofs kritisierte das Finanzgebaren der Kirchenoberen. Die würde er lieber in einer Dreizimmerwohnung sehen als in großen Palais. „Wir renovieren die großen prächtigen Kirchen, aber nicht die Köpfe.“ Elisabeth Maier, die Chefin der Freisinger Kolpingsfamilie, übte Kritik an der Frauenrolle in der Kirche. „Es tut sich diesbezüglich was“, hakte Haßlberger bei diesem Thema ein. Schlusswort eines Diskussionsteilnehmers im Internet: „Ein ausgetretener Katholik ist noch lange kein Ungläubiger.“

Heinz Mettig

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