Der Sport steht ganz oben bei den Freizeitaktivitäten der jungen Menschen im Landkreis. Zwei Drittel der Jugendlichen empfinden das Angebot als „sehr gut“, „gut“ oder „okay“. Zu einem absoluten Magneten hat sich die Kletterhalle des Alpenvereins entwickelt

Die Jugend im Landkreis Freising

Voller Ehrgeiz und ziemlich sportlich

  • schließen

Acht Themen, 22 Gemeinden, 2529 Teilnehmer: die Jugendbefragung, die das Amt für Jugend und Familie Ende 2016 durchgeführt hat, war umfassend und hat viel Arbeit gemacht. Doch es hat sich gelohnt, wie Regina Cordary betont. Neuauflage nicht ausgeschlossen.

Freising – Seit Herbst vergangenen Jahres stehen die Ergebnisse der Jugendbefragung online auf der Homepage des Landkreises. Regina Cordary (Kommunale Jugendarbeit im Landkreis) hat die wichtigsten Resultate auch schon in manchen Kommunen und vor den Kreisräten präsentiert. „Was die Gemeinde jetzt mit diesen Informationen machen, liegt bei ihnen“, sagt Cordary.

Rund 20 Prozent der 12- bis 18-Jährigen haben an der Umfrage teilgenommen – ein guter Rücklauf, so Cordary, wenn man bedenke, dass die Beantwortung der Fragen doch einige Zeit in Anspruch genommen habe. In 22 der 24 Landkreisgemeinden sind die Jugendlichen von ihrer Heimatgemeinde zur Teilnahme aufgefordert worden. Lediglich Hörgertshausen und Gammelsdorf waren nicht mit von der Partie. Die Altersverteilung der Teilnehmer war sehr ausgewogen, etwas mehr Mädchen (1375) als Buben (1154) haben teilgenommen, so die Statistik.

Beim Blick auf die sieben weiteren Themengebiete (neben Angaben zu den Teilnehmern)lassen sich wichtige Erkenntnisse gewinnen:

1.Freizeitaktivitäten

Immerhin 62 Prozent der Jugendlichen gaben an, genug freie Zeit zu haben, wobei 80 Prozent den Großteil jener Freizeit in der eigenen Gemeinde verbringen. Und wo genau? Meistens an „privaten Aufenthaltsorten“ (2174 Nennungen) und auf Sportanlagen (850). Relativ weit hinten rangieren Jugendzentren (97 Nennungen), wobei auch nicht jede Gemeinde ihr eigenes Jugendzentrum hat. Wichtig: Nur 513 Jugendliche gaben an, keinen sportlichen Aktivitäten in welcher Form auch immer nachzugehen. 1592 Jugendliche gaben an, in einem Verein Mitglied zu sein (1236 davon in einem Sportverein), 407 sind Gruppen- und/oder Jugendleiter oder haben sonst eine Funktion im Verein, weitere 286 würden gerne eine haben. „Erfreulich“, so das Urteil von Cordary zu diesen Resultaten.

2. Freizeitangebote

Wie ist es um das Freizeitangebot in den Gemeinden bestellt? 68 Prozent der Teilnehmer haben bei „sehr gut“, „ok“ und „gut“ ihr Kreuzchen gemacht, aber auch elf Prozent empfinden das Angebot als „sehr schlecht“. Und was fehle – so die nächste Frage, bei der Mehrfachnennungen möglich waren: Ganz oben auf der Liste stehen Sportangebote (908 Nennungen). Freunde, Messenger, Social Media, Web und Schule – das sind die fünf am meisten genannten Antworten auf die Frage, wie sich die Jugendlichen über das Angebot und Veranstaltungen informieren.

3. Mitwirkung

Ein Blick darauf, wie sich die Jugend politisch einbringt: 1491 nehmen politisch überhaupt keinen Einfluss, nur 57 sind in Bürgerinitiativen und nur 29 in Parteien aktiv. Immerhin 56 Prozent interessiert es allerdings schon, was in der eigenen Gemeinde so passiert, nur sechs Prozent ist das völlig egal. Und dann wollte man noch wissen, über welche Themen sich die Jugendlichen gut und über welche sie sich weniger gut informiert fühlen. Das Ergebnis: Bei Sex, Sucht und Mobbing gibt es weniger Informationsbedarf, was für gute Prävention an den Schulen spreche, so Cordary, bei Depression, Internet und Schulden hingegen schon.

4. Werte

Einen Studienabschluss peilen 44 Prozent der Jugendlichen an. Da gibt es in Freising alle Möglichkeiten, auch im im späteren Berufsleben als Forscher zu arbeiten – etwa am Forschungszentrum für Brau- und Lebensmittelqualität in Weihenstephan.

„Sehr zufrieden“ mit sich, „stolz“ auf sich und „zufrieden“ – diese Antworten wurden 3263 angekreuzt (Mehrfachnennungen waren möglich), allerdings gab es auf die Frage nach der Selbstwahrnehmung auch für „alles egal“ 665, für „oft überfordert“ 445 und für „meist unzufrieden“ 279 Nennungen. Was den Jugendlichen wichtig ist? Die Top fünf Antworten waren Freunde (2158), Spaß am Leben (2102), Familie (1775), Schulabschluss (1730) und Geld verdienen (1648). Die meisten Sorgen machten sich die Jugendlichen – wohlgemerkt Ende des Jahres 2016 – über Terroranschläge (1437), Umweltverschmutzung (1335) und Krieg in Europa (1382). Die Umfrage wollte auch eigene Erfahrungen der Jugendlichen abfragen, sechs Situationen konnte man ankreuzen. Das Resultat: „Blöd angemacht“ wurden die meisten Jugendlichen schon einmal, aber auch geschlagen (zirka 650), bedroht (rund 530), gemobbt (950) und bestohlen (560) wurden viel Teenager bereits. Auch hier waren mehrfache Antworten möglich. Über Ängste und Sorgen können 1982 mit ihren Freunden reden, 1798 mit ihren Eltern. 283 Jugendliche gaben an, dass sie niemanden hätten, mit dem sie reden können (oder wollen).

5. Mobilität

Wie kommen die Zwölf- bis 18-Jährigen von A nach B? Am häufigsten nutzen sie das Fahrrad und die eigenen Beine, aber auch Bus, Bahn und Elterntaxi liegen hoch im Kurs. Rund ein Drittel der Befragten ist so gar nicht glücklich mit der Anbindung an Bus und Bahn: Denn immerhin 27 Prozent sind unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden. Überraschend ist vielleicht das Ergebnis zur Frage nach der Nutzung des Rufbusses – auch hier waren Mehrfachnennungen möglich: 2165 mal wurde „nie“ angekreuzt, allerdings haben rund 1800 Jugendliche auch angegeben, den Rufbus nicht zu brauchen oder dass sich eine Nutzung dieses Angebots nie ergeben habe. Und 743 kennen ihn gar nicht. Immerhin 350 Jugendlich kommen mit dem Rufbus am Abend sicher nach Hause.

6. Zukunft

Zwei Drittel der Jugendlichen sehen die eigene Zukunft positiv beziehungsweise vorwiegend positiv. Interessant waren die Antworten auf die Fragen danach, wo die Jugendlichen gleich nach Schule beziehungsweise nach der Ausbildung und in 20 Jahren wohnen wollen. Die Antworten „weit weg“ und „Ausland“ sind mit jeweils rund 130 beziehungsweise 430 Stimmen doch stark in der Minderheit. Und was würden sich die Jugendlichen wünschen, wenn sie drei Wünsche frei hätten? Familie und Gesundheit stehen da ganz oben auf der Liste.

7. Schule

Die Jugend in Freising ist ehrgeizig. 44 Prozent derer, die an der Befragung teilgenommen haben, wollen einen Studienabschluss erreichen, zwölf Prozent zumindest Abitur machen. Handwerksmeister wollen sechs Prozent werden. Das Schul-, Ausbildungs- oder Arbeitsleben empfindet gut die Hälfte der Jugendlichen „mal so, mal so“ – mal stressig, mal nicht. Für zehn Prozent ist ihre Tätigkeit immer „eher locker“. Nur neun Prozent bekommen einmal pro Woche Nachhilfe, acht Prozent besuchen eine Ganztagsschule.

Ein Fazit

Die 22 Gemeinden, die an der Umfrage teilgenommen hatten, können die Einzelergebnisse für ihr Gebiet auswerten und daraus Konsequenzen ziehen – oder eben nicht. Ein paar Dinge sind Cordary bei der Auswertung der Gemeindedaten aufgefallen: In Allershausen sind besonders viele Jugendliche als Jugend- oder Gruppenleiter in Vereinen tätig, in Fahrenzhausen und Haag sind die Jugendlichen mit der Busanbindung besonders unzufrieden, in Freising sind die Angebote der Stadtjugendpflege weniger bekannt als erwartet. Und in Au – da haben 42 von 109 teilnehmenden Jugendlichen auf die Frage, was ihnen in ihrer Gemeinde fehle, geantwortet: ein Jugendtreff.

Wie Cordary sagt, denke man im Landratsamt durchaus daran, diese Befragung nach fünf bis sechs Jahren zu wiederholen – sozusagen dann für die nächste Generation der 12- bis 18-Jährigen. Zu finden sind die Umfrageergebnisse des Jahres 2016 auf www.kreis-freising.deunter „Amt für Jugend und Familie“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurze Wege zum nächsten „Meilenstein“
Die Gemeinde Hallbergmoos legt gerade das größte Wohnungsbauprojekt ihrer Geschichte auf. Wichtiger Teil des Programms ist das Betreute Wohnen am Tassiloweg. Im Rathaus …
Kurze Wege zum nächsten „Meilenstein“
Lieber Kakao ohne Kinderarbeit: Konsumkritischer Einkaufsbummel in Freising
Ein schneller Griff ins Schokoladen-Regal und schon ist man Teil des Kreislaufs unfairer Produkte. Welche Folgen das hat und bei welchen Produkten man besonders genau …
Lieber Kakao ohne Kinderarbeit: Konsumkritischer Einkaufsbummel in Freising
Freisings FW-Kandidat Zierer: „Die CSU schreibt unsere Anträge ab“
Sein Ziel ist es, im Maximilianeum zu bleiben: Für den Landtagsabgeordneten Benno Zierer (FW) hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Dem FT verrät er, wie er der …
Freisings FW-Kandidat Zierer: „Die CSU schreibt unsere Anträge ab“
Elf Millionen Euro für die Genusskultur
Wenn Männer in Anzügen zum Spaten greifen und mit Erde werfen, dann ist das fast immer ein Spatenstich. Gestern war Am Staudengarten dieses Schauspiel wieder zu …
Elf Millionen Euro für die Genusskultur

Kommentare