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Digitaler Austausch: MdL Johannes Becher (l.) und zahlreiche Experten, darunter Monika Haslberger (2. v. l.), stellvertretende Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, diskutierten, wie man Gewalt gegen Kinder, vor allem in Corona-Zeiten, beikommen kann.

Experten diskutieren mit Freisinger MdL Johannes Becher (Grüne) Lösungsansätze

Kinderschutz: Bei Gewaltdelikten endlich genauer hinschauen!

Kinderschutz - gerade in Zeiten von Corona ein brisantes Thema. Im Rahmen einer digitalen Veranstaltungsreihe diskutierten Experten über bessere Schutzmaßnahmen.

Freising - Die Statistiken präsentieren ein erschreckendes Bild: Die Wahrscheinlichkeit, Erfahrungen mit Gewalt zu machen, ist für Kinder mit einer Behinderung fast vier Mal so hoch wie für Kinder ohne Handicap – vor allem für Mädchen. Im Rahmen einer digitalen Veranstaltungsreihe zum Thema Kinderschutz begab sich der Landtagsabgeordnete Johannes Becher (Grüne) aus Freising mit Experten und rund 40 Interessierten auf die Suche nach Lösungen für verbesserte Schutzmaßnahmen. Das Thema Kinderschutz ist für Becher als Sprecher der Fraktion für frühkindliche Bildung und als Vize-Vorsitzender der Kinderkommission des Landtags wichtig. Gerade bei einer so hohen Wahrscheinlichkeit von Gewaltdelikten müsse seiner Meinung nach endlich hingeschaut werden.

Im Pandemiejahr hat sich vieles zugespitzt

Der Behinderten-Beauftragte der Staatsregierung, Holger Kiesel, teilt diese Meinung, da sich seiner Erfahrung nach die Gewaltproblematik während der Corona-Krise aufgrund von diversen Einschränkungen deutlich zugespitzt habe. Vieles, so Kiesel, passiere jetzt eben im Verborgenen. Familien seien bereits vor der Pandemie oftmals stark belastet gewesen, beispielsweise durch den Kampf um eine adäquate medizinische Versorgung. Die Corona-Krise hätte allerdings das Konfliktpotenzial erheblich nach oben getrieben. Allerdings gebe es durchaus auch Gewaltprobleme in Einrichtungen: Von Zeitdruck und Personalmangel überforderte Mitarbeiter würden immer häufiger an ihre Grenzen stoßen. Aktuell liege aber vor allem eines im Argen: Aufgrund der Pandemie sei oftmals die Kommunikation mit Behörden als Aufsichtsinstitution stark eingeschränkt. Aber gerade jetzt wäre das enorm wichtig: „In Familien und Einrichtungen hineinschauen.“

Die Lebenshilfe

„Unsere Aufgabe ist es, auf diese Kinder aufzupassen“, so auch Monika Haslberger, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe Bayern und stellvertretende Bundesvorsitzende der Lebenshilfe. Für die Einrichtungen der Lebenshilfe würde gelte deshalb auch ein Pflege-Leitbild , außerdem sei jeder Mitarbeiter dazu verpflichtet, einmal jährlich an einer Fortbildung teilzunehmen, in deren Fokus die Abwehr von Kindeswohlgefährdung steht. Kinder mit Behinderung müssten auf jeden Fall ernst genommen werden, wenn es zu Beschwerden jeglicher Art kommt. Ihr Wunsch: „Lieber einmal zu viel sagen als verschweigen!“ Hierzu seien Kinderstärkungsprogramme sinnvoll, schlug Petra Straubinger vom AMYNA e.V. vor. Laut Becher würden wohl Opfer bis zu sieben Menschen ansprechen müssen, bis ihnen beispielsweise bei sexualisierter Gewalt Gehör geschenkt werde.

Die Politik

Die sozialpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen, Kerstin Celina, appellierte: „Wir müssen darauf achten, dass es gar nicht passiert, denn kein Kind kann sich alleine schützen!“ Allerdings scheitere es in Bayern ihrer Meinung nach oft schon an der Erreichbarkeit und Barrierefreiheit von Beratungsstellen im Falle eines Missbrauchs.

Der Elternvertreter

Viel Gewalt könnte laut Kiesel verhindert werden, wenn anders mit Überforderungen umgegangen werden würde. Auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Klaus Grantner, zeigte Möglichkeiten auf – etwa die Inanspruchnahme der Verhinderungspflege, die eine Chance sei, einer Überlastung entgegenzuwirken. Zudem würde vieles seiner Meinung von den Krankenkassen einfach nicht kommuniziert werden, obwohl „die Gelder dafür da sind“. Das Recht auf Hilfe, sagt Grantner, sei immer noch ein Rechtfertigungsschritt.

Richard Lorenz

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