Absolute Mangelware sind speziell ausgebildete Fachkräfte wie Intensivpfleger. Daher kann man nicht alle Betten des Freisinger Klinikums mit Patienten belegen.
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Absolute Mangelware sind speziell ausgebildete Fachkräfte wie Intensivpfleger. Daher kann man nicht alle Betten des Freisinger Klinikums mit Patienten belegen.

Intensivstation meist komplett belegt

„Wir sind wirklich voll“: Bayerisches Klinikum an Belastungsgrenze – Pflegenotstand schlägt durch

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Das Klinikum Freising hat seine Belastungsgrenze erreicht. Die Intensivstation ist voll - und Pflegepersonal ist absolute Mangelware.

Freising – 353 Betten hat das Klinikum Freising – rein rechnerisch. Doch nur knapp 70 Prozent dieser „Planbetten“ sind im Durchschnitt belegt. Nicht etwa, weil es an Patienten mangeln würde – ganz im Gegenteil. Vielmehr fehlen händeringend Pflegekräfte, wie Sascha Alexander, Sprecher des Klinikums, berichtet. Das sei zwar nichts Neues – inzwischen aber werde der Druck auf die Mitarbeiter, die Überlastung, immer schlimmer.

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Freising: Klinikum fehlen händeringend Pflegekräfte - Mitarbeiter überlastet

Auch wenn derzeit „nur“ ein Corona-Patient auf Intensiv liegt, ist die Station trotzdem voll. „Viele kommen jetzt mit schweren Erkrankungen, die während der Pandemie nicht behandelt wurden. Außerdem werden jetzt planbare Eingriffe nachgeholt“, sagt Alexander. Daher sei die Intensivstation meist bis auf den letzten Platz belegt.

Zwar könnte man mehr Betten aufstellen, doch es fehlen die Intensivpfleger, so dass die Zahl der „betreibbaren“ Betten begrenzt bleibt. Gerade an den Intensivpflegern hänge sehr viel, so Alexander: „Das sind Spezialisten, die man nicht einfach austauschen kann.“

Das gesamte Klinikum stößt an seine Belastungsgrenze: „Wir sind wirklich voll“, berichtet Alexander. „Alle Betten, die wir betreiben können, sind belegt.“ Leider habe sich in Sachen Personalnotstand seit der Pandemie nichts geändert. Das Klinikum habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um neue Mitarbeiter zu finden, und das sei zum Teil auch gelungen.

Bayern: Insider befürchten für viele Kliniken den Kollaps

Aber noch gebe es einen enormen Bedarf. Weil nach einem bestimmten „Pflegeschlüssel“ gesetzlich vorgeschrieben ist, wie viele Patienten pro Vollzeitkraft (VK) aufgenommen werden dürfen, war das Klinikum Freising von Januar bis August 2021 im Schnitt nur zu 67 Prozent belegt.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Verschärfung der Corona-Lage und einer anrollenden Grippewelle ist das beängstigend. Insider befürchten für viele Kliniken in Bayern, vor allem in München, den Kollaps. Freising ist da keine Ausnahme. „Die Intensivstation ist immer kurz vor knapp“, berichtet Alexander. Vor zwei Wochen habe es im gesamten Bereich des Rettungszweckverbands (Landkreise Freising, Erding und Ebersberg) kein einziges freies Intensivbett mehr gegeben.

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Freising: Nur Ungeimpfte auf Corona-Station

Und die Corona-Lage verschlechtert sich zusehends: Zehn zum Teil schwerkranke Covid-Patienten liegen bereits auf der Freisinger Corona-Station – „alle ungeimpft“, berichtet Alexander. Es ist eine Frage der Zeit, bis Corona-Patienten wieder auf die – ohnehin ausgelastete – Intensiv verlegt werden müssen.

Immerhin gibt es positive Signale an der Personalfront: Die Berufsfachschule für Pflege (drei Jahre Ausbildung) und die Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe (einjährige Ausbildung) seien voll belegt, das Interesse der jungen Leute hoch: „Das ist sehr positiv, weil die Schule unsere wichtigste Nachwuchsquelle ist.“ Seit einigen Monaten gibt es am Klinikum auch zwei zentrale Praxisanleiter, die die Pflegeschüler betreuen – nicht zuletzt die mit Migrationshintergrund. „Wir wollen den jungen Leuten mehr Perspektive bieten“, sagt Alexander. Sonst sei der chronische Engpass nicht zu beheben.

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