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Klinikum Freising ist jetzt „voll im Katastrophenmodus“

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Von: Manuel Eser

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Intensivstation
Um mehr Intensivbetten für Corona-Patienten betreiben zu können, muss Personal im Klinikum von anderen Aufgaben abgezogen werden. © Klinikum Freising

Das Klinikum Freising muss wegen des enormen Patientenandrangs in den Katastrophenmodus schalten. Die Lage ist schlimmer als im vergangenen Winter.

Freising - Das, was die Führung des Klinikums Freising unbedingt vermeiden wollte, tritt jetzt ein: Das Krankenhaus muss aufgrund des massiven Anstiegs an Covid-Patienten erneut in den Krisenmodus umschalten. Das ist vor allem für alle Patienten, bei denen jetzt Operationen angestanden hätten, eine schlechte Nachricht.

Wie Kliniksprecher Sascha Alexander dem FT mitteilte, muss sämtlicher Krankenhausbetrieb wieder komplett zurückgefahren werden. „Wir sind wieder voll im Katastrophenmodus angekommen“, teilte er dem FT mit. Die Lage sei deutlich dramatischer als im vergangenen Winter-Lockdown. Immerhin: Wie der Corona-Beauftragte des Krankenhauses, Dr. Christian Fiedler, betonte, mangelt es im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020 nicht an technischer Ausrüstung. „Die nötigen Beatmungsmaschinen haben wir. Aber es fehlt an Personal, um weitere Intensivbetten zu betreiben.“

Alle planbaren Eingriffe müssen verschoben werden

Das heißt: Der Betrieb in anderen Abteilungen muss deutlich zurückgefahren werden, um Personal zu gewinnen, das sich um weitere Corona-Patienten kümmern kann. „Das Klinikum Freising setzt alles daran, die personellen und Bettenkapazitäten zeitnah zu Gunsten der Intensivstation sukzessive zu organisieren“, betont Alexander. „So werden wir ab Montag alle planbaren Eingriffe verschieben und unsere Operationssäle nur noch für Notfälle und bei dringenden Eingriffen betreiben, um so personelle Ressourcen zu gewinnen.“

Wie genau die organisatorische Umstrukturierung im Krankenhaus abläuft, konnte Alexander am Freitag noch nicht sagen. Immerhin: Von der Schließung ganzer Abteilungen, wie sie im Frühjahr 2020 auf Geheiß von oben vorgenommen werden musste, ist noch nicht die Rede. Von einem Besuchsverbot sieht das Klinikum ab. Momentan können Angehörige zu Patienten unter Einhaltung der 2G-Regel und mit FFP2-Maske ins Krankenhaus kommen.

Die ungeimpften Patienten bremsen das Klinikum vollständig aus

„Die jetzigen Entwicklungen haben wir uns natürlich nicht gewünscht – im Hinblick auf andere Patienten mit ernstzunehmenden Erkrankungen“, betonte der Ärztliche Direktor des Klinikums, Dr. Markus Neumaier. „Denn wenn wir die jetzt nicht behandeln können, schieben wir bald eine riesige Patienten-Welle mit verschleppten Leiden vor uns her – egal ob es um Herzinfarkt- Schlaganfall- oder Krebspatienten geht.“ Schon jetzt sei der Nachholbedarf riesig. „Den hätten wir jetzt gerne abgearbeitet, doch die ungeimpften Corona-Patienten, die auf der Intensivstationen liegen, bremsen uns dabei jetzt vollständig aus.“

Patienten aus Freising mussten bis nach Südtirol verlegt werden

Eine Art von Triage gab es daher bereits zuvor am Klinikum. Wie Fiedler mitteilte, mussten drei Patienten auf Normalstation untergebracht werden, die eigentlich ein Intensivbett benötigt hätten. Weil die Intensivstation schon zu diesem Zeitpunkt voll belegt war, griff man zum Hörer. Nach langem Telefonieren konnten zumindest für zwei Patienten Intensivbetten in anderen Krankenhäusern organisiert werden – in Südtirol.

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Der Corona-Krisenstab des Klinikums treffe sich jetzt regelmäßig und werde die aktuellen Entwicklungen der kommenden Tage weiter bewerten, teilte Alexander mit. „Gegebenenfalls werden wir kurzfristig weitere Maßnahmen ergreifen.“ Man sei im ständigen Austausch mit der am Landratsamt angesiedelten Führungsgruppe Katastrophenschutz.

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