Ein Blick auf den Flur der Intensivstation am Klinikum Freising.
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Dieser Blick in den Flur der Intensivstation am Klinikum Freising trügt: Hier herrscht seit Wochen enorme Betriebsamkeit, da die Station oft voll belegt ist. Die Beschäftigten aber legen verständlicherweise Wert auf den Schutz ihrer Privatsphäre – weshalb sie nicht auf dem Foto zu sehen sind.

Vor allem die Intensivstation ist betroffen

Die Lage am Klinikum Freising ist ernst: „Wir arbeiten hart am Anschlag“ - Kaum mehr freie Betten

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Die Situation am Klinikum Freising hat sich weiter verschärft. „Wir arbeiten auf manchen Stationen hart am Anschlag“, meldet Klinikum-Sprecher Sascha Alexander.

Freising – Vor allem die Situation auf der Intensivstation mit ihren 14 Betten, wo seit Wochen durchschnittlich etwa ein halbes Dutzend Corona-Patienten am Tag liegt, sei inzwischen „ernst“. Die Station sei entweder „fast voll“ oder „ganz voll“. Im letzteren Fall sei es allerdings nicht einfach, Schwerstkranke in andere Kliniken zu verlegen. Auch die Kliniken in Landshut und München etwa würden sich zunehmend „abmelden“, was die Möglichkeit einer Aufnahme von Corona-Patienten betrifft. „Man muss ganz schön rumtelefonieren, um irgendwo noch ein Intensivbett für irgendeinen Patienten zu bekommen.“

Ganz neu: der Intermediate-Care-Bereich

Während einige Bürger noch der großen Silvesterparty nachtrauern, hat man am Klinikum Freising ganz andere Sorgen: „Was hier an manchen Tagen abläuft, ist der organisatorische Wahnsinn“, fasst es Alexander in deutliche Worte. Den ganzen Tag hindurch müsse man Platz für schwerkranke Patienten schaffen. Am Wochenende etwa hätten die Intensivstationen der Kliniken Ebersberg und Erding „voll“ gemeldet, und in Freising habe es nur noch ein einziges freies Intensivbett gegeben. Zu Beginn der Woche habe sich die Lage kaum gebessert: Von den 14 Freisinger Intensivbetten waren etwa am Dienstag sechs mit Corona-Patienten belegt, der Rest mit anderen Schwerstkranken. „Die Lage ändert sich fast stündlich“, berichtet Alexander, „das ist eine ganz große Herausforderung.“ Etwas Luft verschafft seit Montag ein neuer „Intermediate Care“-Bereich mit vier Betten. Dieser schafft Platz für schwerkranke, aber stabile Patienten, die nicht mehr die komplette Intensivversorgung, etwa eine Beatmung, benötigen, aber überwacht werden müssen. „Das hilft, die Intensivstation zu entlasten“, sagt Alexander. Die vier Betten seien ein Bindeglied zwischen dem Intensiv-Pflegebereich und der Normalstation.

Immerhin: Schutzausrüstung ist ausreichend vorhanden

„Im Moment bekommen wir es noch hin“, umreißt der Klinikum-Sprecher die Situation. Ärzte und Pflegekräfte aber stünden „extrem unter Druck“ und machten „einen Wahnsinnsjob“. Das Intensiv-Management laufe trotz der Anspannung hochprofessionell ab. „Alle Prozesse haben sich sehr gut eingespielt“, berichtet Alexander. Man habe technisch aufrüsten können. Und im Gegensatz zu einigen anderen Kliniken habe man sich nach der ersten Welle mit ausreichend Schutzausrüstung versorgt. Nun riefen Krankenhäuser an, um nach Schutzausrüstung zu fragen. „Das ist unverantwortlich“, sagt Alexander, „jeder wusste doch, dass die zweite Welle kommt.“

Es kommen noch sehr harte Wochen

Man hofft trotz allem, die Klinik weiter für Besucher offen halten zu können. „Es ist einfach so traurig, wenn Kranke und Alte nicht ihre Angehörigen sehen können.“ Mit der Regelung, dass jeden Patienten pro Aufenthalt nur eine bestimmte Person besuchen darf, sei man diesbezüglich gut gefahren. „Aber wir müssen natürlich die Entwicklung beobachten und bei Gefahr für Patienten und Mitarbeiter die Regelung überdenken.“ Womöglich seien für Besucher zudem bald FFP2-Masken Pflicht. Bei den Tests von symptomfreien Mitarbeitern und Patienten wechsle man gerade von den bisherigen PCR-Tests hin zu den Antigen-Schnelltests, um schneller Resultate zu erhalten. „Insgesamt liegen vor den Beschäftigten am Klinikum noch einige sehr harte Wochen“, befürchtet Alexander. Die Hoffnung ist, dass der soeben beschlossene strengere Lock-down bald Wirkung zeigt – und man von einem großen Ausbruch verschont bleibt.

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