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Wettzupfen ohne Politiker: Dafür strengten sich Hopfenkönigin Katharina Maier und Co. umso mehr an. Gegen die Teilnahme von MdB Johannes Huber (AfD) legte das Kloster ein Veto ein.

Veto gegen MdB Johannes Huber 

Kloster verwehrt AfD-Mann Teilnahme: Eklat bei Scheyerner Promi-Hopfenzupfen

Eigentlich war alles wie jedes Jahr: Schönes Wetter, echte Volksmusik, Pferdegespanne, Hopfen und extra gebrautes Bier. Nur das Wettzupfen der Politiker musste entfallen – dagegen hatte das Kloster wegen der geplanten Teilnahme des AfD-MdB Johannes Huber sein Veto eingelegt.

Scheyern/Landkreis – Cellerar Lukas Wirth hatte den Veranstaltern unmissverständlich mitgeteilt, dass es die letzte Auflage der Traditionsveranstaltung im Prielhof wäre, sollte Huber auf der Bühne sitzen. Damit hatte Hans Krammer, neuer Vorsitzender des Vereins „Bayern, Brauch und Volksmusik“, nicht gerechnet. In seinem Bestreben, namhafte Politiker der Region für das traditionelle Promi-Wettzupfen zu gewinnen, hatte er sich mit der Einladung an Huber, AfD-Bundestagsabgeordneter und Kreischef für Freising/Pfaffenhofen, einen Bärendienst erwiesen. 

Wirth, der als Cellerar auch für die Nutzung der klostereigenen Liegenschaften zuständig ist, machte deutlich, dass es keine Neuauflage mehr für die Veranstaltung gebe, sollte das Wettzupfen unter Beteiligung Hubers veranstaltet werden.

„Gruppierung nicht am Ideal der Menschlichkeit orientiert“

Gegenüber dem Pfaffenhofener Kurier führte Lukas Wirth aus: „Wir waren ein bisschen befremdet, dass da Gruppierungen auftreten, die sich mehr oder weniger klar nicht am Ideal des Humanismus und der Menschlichkeit orientieren. Und da denk ich mir, es ist ein bisschen schwierig, wenn die das Kloster als Plattform nutzen. Da muss man große Zurückhaltung als Kloster üben und lieber mal sagen: ,So geht’s nicht.’“ 

Im Interesse der Erhaltung dieser Traditionsveranstaltung entschieden sich die Politiker unter den Teilnehmern übereinstimmend, auf das Wettzupfen zu verzichten. Neben Huber waren als Teilnehmer unter anderem der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Straub sowie der FW-Landtagskandidat Albert Gürtner eingeplant. Hubers Bundestagskollege Erich Irlstorfer hatte schon im Vorfeld abgesagt. Allerdings nicht wegen des AfD-Politikers, wie Irlstorfer gestern betonte.

Grünen-Kreischefin lobt klare Haltung der Kirche

„Die anderen Kandidaten und ich sind zu der Überzeugung gekommen, dass das Promizupfen aus den Wahlkampfzeiten herausgehalten wird“, sagte Straub. „Ich finde, das ist eine vernünftige Entscheidung gewesen, weil man die Wünsche des Hausherren respektieren muss.“ Grünen-Kreischefin Kerstin Schnapp steht hinter der Entscheidung des Cellerars. „Ich find’s toll, dass die Kirche da so eine klare Haltung hat und der AfD keine Plattform bieten will. Es ist ja auch eine Positionierung als Kirche: ,Wer gegen christliche Werte ist, dem mag ich kein Podium bieten.‘ Und das finde ich gut, das finde ich stark.“

Johannes Huber kritisiert die Verantwortlichen des Klosters für ihr Vorgehen: „Die Kirche und das Kloster predigen Toleranz und handeln dann intolerant“, sagt er. „Es geht nicht um mich.“ Deshalb habe er auch zurückgezogen, um das Fest zu schützen. Zwar sehe er die Kirchen in Deutschland differenziert, am Kloster Scheyern und der ganzen Katholischen Kirche lässt er trotzdem kaum ein gutes Haar. „Die Menschen brauchen einen inneren Halt. Aber die Amtskirchen haben versagt.“ Er spricht von Selbstverleugnung und kommt gleich darauf zu einem Kernthema der Rechtskonservativen, der Migration: „Diejenigen, die vor dem Islam warnen, werden von der katholischen Kirche bekämpft.“

Johannes Huber: „Persönliche Mitteilung ist mir verwehrt worden“

Huber stellt Islam und Christentum als Gegner dar. Was ihn besonders nervt: Dass weder Lukas Wirth noch Abt Markus Eller persönlich mit ihm gesprochen hätten. Wirth habe er nach dem Gespräch mit Hans Krammer gar nicht mehr gesehen. Und Eller habe gesagt, er wolle nicht mit Huber reden. „Ich wollte das von den Verantwortlichen offiziell hören. Das ist mit verwehrt worden.“ Er hätte noch verstanden, wenn er als AfD-Kreisvorsitzender eingeladen gewesen wäre. „Aber ich war als Bundestagsabgeordneter da.“

Hans Steininger und Severin Strasser

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