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„Ich liebe unsere Altstadt“, sagt OB Tobias Eschenbacher und würde daher den Chefsessel im Rathaus gerne behalten. Die Verbesserung der Innenstadt ist seit jeder eine Hauptmotivation für sein politisches Engagement.

Kommunalwahl 2020

Mit Konfuzius an der Seite: Freisings OB Eschenbacher (FSM) strebt Titelverteidigung an

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Seit acht Jahren ist Tobias Eschenbacher OB von Freising - und will es  bleiben. Im FT-Interview verrät er seine Herzensprojekte und die aus seiner Sicht größte Herausforderung. 

„Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der man eine Menge bewegen kann.“ Das ist der Grund, warum OB Tobias Eschenbacher (42) seinen Posten bei der Wahl verteidigen möchte. Im FT-Interview verrät er seine Stärken und Schwächen und erklärt, wo langfristig die größte Herausforderung liegt.

In wenigen Wochen ist Wahl. Wie fühlen Sie sich?

Ganz gut. Der Arbeitsalltag bringt jeden Tag neue Herausforderungen. Insofern bleibt es spannend.

Das Amt des Oberbürgermeisters birgt viel Stress. Warum wollen Sie den Chefsessel im Rathaus trotzdem behalten?

Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der man eine Menge bewegen kann. Es sind zwar schon einige große Projekte abgeschlossen (Eishalle, Schwimmbad), einige andere aber sind noch nicht fertig (Asam, Innenstadt, Westtangente, Steinpark-Schulen, Mehrgenerationenwohnen). Die möchte ich gerne vollenden.

Eschenbacher: „Man braucht Geduld und ein dickes Fell“

Welche Charaktereigenschaften benötigt ein OB?

Man muss authentisch sein, braucht Geduld und ein dickes Fell. Zudem muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und jeden Tag kleine und große Entscheidungen treffen – immer im Bewusstsein, dass Stadtpolitik konkret hineinwirkt in den Alltag der Bevölkerung.

Ihr Lebensmotto?

Mir gefällt folgender Spruch von Konfuzius sehr gut: „Wähle einen Beruf, der dir Freude bereitet, und du brauchst dein Leben lang nicht mehr zu arbeiten“.

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Ich denke, dass ich die notwendige Motivation habe, an Projekten und Aufgaben, dranzubleiben und und schaffe es meistens, Dinge nicht allzu persönlich zu nehmen.

Wohnen und Verkehr - „das sind die Hauptherausforderungen“

Und wo haben Sie noch Optimierungsbedarf?

Wahrscheinlich sollte ich hier und da auch mal kürzertreten. Bei der Zeit, die ich für mich selbst einräume, habe ich Nachbesserungsbedarf.

Was lieben Sie an der Stadt Freising am meisten?

Ich finde, dass Freisings Geschichte einzigartig ist, und sich das auch im Gefühl der Menschen widerspiegelt. Gleichzeitig ist die Stadt sehr jung und modern.

Was nervt Sie an Freising?

Negativ empfinde ich in Freising das Wohnpreisniveau und die Verkehrssituation. Das sind die Hauptherausforderungen der ganzen Region.

Ein OB muss ein großes Orchester dirigieren. Welchen Takt schlagen Sie?

Bewährt hat sich eine Konsenspolitik mit den Kolleg*innen aller Parteien und auch in der Verwaltung. Es ist zwar anstrengender, weil man sich intensiver austauschen muss, aber auch nachhaltiger, weil jeder die Chance hat, sich einzubringen für die bestmögliche Lösung.

„Die beiden Umgehungsstraßen benötigen wir dringend“

Das Bewusstsein für den Klimawandel ist so groß wie noch nie in Gesellschaft. Was tun Sie persönlich, um unseren Planeten zu schützen?

Abgesehen von den Maßnahmen, die Stadt und Stadtwerke umsetzen, gehe ich mit meinem Einkaufsverhalten sehr bewusst und regional um. Mit dem Auto fahre ich privat auch nur noch sehr selten, dafür mit dem Rad umso mehr. Das bringt auch ein gutes Gefühl mit sich.

Was denken Sie: Hilft der Bau von Straßen dabei, den Verkehr zu entlasten oder führt er sogar noch zu mehr Verkehr?

Wenn man nur Straßen baut, ohne weiterzudenken, werden Sie den Verkehr vermehren. Wir benötigen aber dringend die beiden Umgehungsstraßen, um den innerstädtischen Verkehr reduzieren zu können. Das wird zu mehr Lebensqualität und durch Verbesserungen für nichtmotorisierten Individualverkehr zu einem Umdenken aus Überzeugung führen.

Das Moratorium zur Dritten Startbahn endet in Ihrer Amtszeit. Was kommt 2023 auf Sie zu?

Ich gehe davon aus, dass auch im Anschluss an das bestehende Moratorium keine Dritte Startbahn gebaut wird, wenngleich wir die Entwicklung mit Argus-Augen begleiten müssen. Ich würde mir wünschen, dass sie dauerhaft aus der Planfeststellung genommen wird, da durch die Planungen hohe Unsicherheiten in der Bevölkerung und Restriktionen für unsere Entwicklung bestehen.

Eschenbacher: „Vor allem Wohnraum fehlt dringend“

Ein Thema, das die Menschen auch umtreibt, sind die horrenden Mieten in Freising und die Wohnungsnot. Müssen Sie die Ärmel noch mehr hochkrempeln?

Es ist schon sehr viel passiert. Wir haben knapp 1000 Wohnungen im städtischen Bestand und bauen diesen kontinuierlich aus. Diese Arbeit muss ungebrochen fortgesetzt werden. Allerdings muss man auch realistisch sein, dass bei dem herrschenden Siedlungsdruck das Thema Wohnraum noch lange eine der größten Herausforderungen im Großraum München sein wird.

Unser Wohlstand hierzulande steht und fällt mit guter Bildung. Ist die Stadt mit ihren Schulen noch auf dem neuesten Stand?

In den Bildungseinrichtungen besteht permanenter Bedarf. Wir sind zwar auf einem guten Stand, es stehen aber noch einige Sanierungen und Neubauten an, da sich die Anforderungen verändern, aber auch die Nachfrage durch die wachsende Bevölkerung.

OB: „Beim Freizeitangebot sind wir recht gut aufgestellt“

Ohne eigenes Kino fühlen sich viele Freisinger wie im falschen Film. Was fehlt in der Stadt noch?

Vor allem Wohnraum. Recht gut aufgestellt sind wir beim Freizeitangebot, könnten aber noch Parks oder Naherholungsflächen brauchen.

Wer ist Ihr Vorbild?

Ich bewundere meinen Nürnberger Kollegen Ulrich Maly, der leider nicht mehr antritt, aber eine Gabe hat, schwierige und emotionale Diskussionen unaufgeregt auf den Punkt zu bringen.

Wenn Sie zum OB gewählt werden, dann . . .

. . . freue ich mich, dass mir die Freisinger*innen ihr Vertrauen ausgesprochen haben und werde mich für unsere wunderbare Stadt weiterhin engagiert einsetzen.

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Lesen Sie auch: Heftige Regenfälle und Orkanböen in Bayern: Absolutes Chaos bei der Bahn - Züge fallen aus. Coronavirus: Frau aus dem Landkreis Freising wurde infiziert.

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Freising, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unseremArtikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Freising.

Lesen Sie auch: Politik-Professor erklärt Dreikampf ums Münchner Rathaus.

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