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Der Nährberg gehört zu Jens Barschdorfs Lieblingsplätzen in Freising. Von hier aus genießt er den Ausblick, der bei gutem Wetter bis in die Alpen reicht.

Kommunalwahl 2020

OB-Kandidat Jens Barschdorf (FDP) will weniger „Hau-Ruck“ im Freisinger Rathaus

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Jens Barschdorf will Freisinger Oberbürgermeister werden. Im FT-Interview verrät er, was er im Rathaus anders machen möchte.

.„Ich bin Freisinger mit Leib und Seele.“ Deshalb möchte Jens Barschdorf (FDP) auch Oberbürgermeister werden. Der 37-jährige Patent- und Markenreferent ist gebürtiger Dresdener, lebt aber seit 31 Jahren in Freising. Im FT-Interview verrät er seine Stärken und Schwächen und erklärt, wie er die Wohnungsnot beheben will.

In wenigen Wochen ist OB-Wahl. Wie fühlen Sie sich?

Gut. Die Rückmeldungen zu unserem Wahlkampf sind positiv. Das motiviert sehr.

Warum wollen Sie Freisinger OB werden?

Ich bin Freisinger mit Leib und Seele und möchte für Freising anpacken.

Welche Charaktereigenschaften benötigt ein OB?

Er muss sympathisch, zielorientiert, kompetent und optimistisch sein. In meinen Ehrenämtern habe ich gelernt, dass man nur, wenn man verschiedene Interessen ausgleichen kann, das beste Ergebnis für alle erreicht.

Barschdorf will Projekte „planvoller“ voranbringen

Ihr Lebensmotto?

„Was du nicht willst, das man dir tu,/ das füg auch keinem anderen zu.“ Ich glaube, dass so das Zusammenleben am besten funktioniert.

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Als Bundesliga-Schiedsrichter im Volleyball weiß ich: Es ist wichtig, unvoreingenommen zu handeln. Als neutraler ‚Spielleiter‘ habe ich gelernt, dass man mit viel Fingerspitzengefühl und ausgleichendem Wesen jede noch so emotionale Situation zu einem positiven Ende führen kann. Als OB, der nicht nur die vielen Interessen der im Stadtrat vertretenen Parteien berücksichtigen muss, sondern auch Chef der Verwaltung ist, wird mir das helfen.

Und wo haben Sie vielleicht noch Optimierungsbedarf?

Ich bin sehr selbstkritisch und hinterfrage mich. Das kann Entscheidungen auch mal etwas in die Länge ziehen. Allerdings schaffe ich es dadurch, Fehler zu vermeiden und Probleme schon früh zu erkennen und zu vermeiden.

Was lieben Sie an der Stadt Freising am meisten?

Den Mix aus Geschichte und einer jungen Stadt, mit vielen tollen Orten zum Entdecken und zum Erholen. Das Freising seine Seele, sein Wesen behalten hat, liebe ich.

Was nervt Sie an Freising?

Ich würde mir wünschen, dass wir planvoller Projekte voranbringen. Es wirkt oft so, dass im Hau-Ruck-Verfahren losgelegt wird. Leider resultieren daraus häufig Kostensteigerungen und fehlerhafte Ausführungen, siehe die Überflutungen von Kellern bei stärkerem Regen in der sanierten Innenstadt.

„Der Oberbürgermeister ist der Chefdienstleister seiner Stadt“

Ein OB muss ein großes Orchester dirigieren. Welchen Takt schlagen Sie?

Ich möchte dafür sorgen, dass ich als OB für alle ein kompetenter Ansprechpartner bin. Der Oberbürgermeister ist der Chefdienstleister seiner Stadt.

Das Bewusstsein für den Klimawandel ist so groß wie noch nie in der Gesellschaft. Was tun Sie persönlich, um unseren Planeten zu schützen?

Ich lebe möglichst bewusst und vermeide unnötige Strecken mit dem Auto. Ich würde auch gern für den Weg auf die Arbeit den Nahverkehr nutzen, aber es gibt keine sinnvolle Verbindung nach Erding. Deshalb setze ich mich auch für einen Ausbau von Bus- und Bahnverbindungen ein.

Was denken Sie: Hilft der Bau von Straßen dabei, den Verkehr zu entlasten, oder führt er sogar noch zu mehr Verkehr?

Das kommt immer auf das Ziel an. Über eine Umgehungsstraße, wie die Westtangente, werden künftig vielleicht mehr Menschen fahren als heute quer durch die Stadt. Aber dafür fahren die Autos nicht mehr durch die Stadt. Menschen von außerhalb sollen nur noch in die Stadt fahren, wenn sie wirklich in die Stadt müssen.

Gegen die Wohnungsnot hilft nur „bauen, bauen, bauen“

Das Moratorium zur Dritten Startbahn endet in Ihrer Amtszeit. Was kommt 2023 auf Sie zu?

Ich gehe davon aus, dass das Thema dann endgültig gestorben ist. Aber natürlich werde ich als OB für alle Freisinger darauf einwirken, dass sie nicht gebaut wird.

Ein Thema, dass die Menschen auch umtreibt, sind die horrenden Mieten in Freising und die Wohnungsnot. Wie wollen Sie dieses Problem lindern?

Da hilft nur Bauen, Bauen, Bauen, und zwar schnell. Das heißt, wir müssen die Genehmigungsverfahren für neue Wohnungen verkürzen und die Stellplatzsatzung überarbeiten. Zudem werde ich von den großen Arbeitgebern verstärkt Werkswohnungsbau einfordern. Hier muss die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und für geplante Einrichtungen Angestelltenwohnungen vorsehen.

Unser Wohlstand hierzulande steht und fällt mit guter Bildung. Ist die Stadt mit ihren Schulen noch auf dem neuesten Stand?

Gerade in Freising werden immer wieder neue Schulen gebaut. Dass die auf dem neuesten Stand sind, hoffe ich. Aber gerade die bestehenden Schulen müssen wir besser pflegen. Kaputte Toiletten, undichte Fenster oder veraltete Technik sind nicht akzeptabel. Wir brauchen ein effektives Gebäudemanagement, damit es künftig keinen Sanierungsstau gibt.

Barschorf möchte Kinderbetreuungskonzept entwickeln

Ohne eigenes Kino fühlen sich viele Freisinger wie im falschen Film. Was fehlt in der Stadt noch?

Wir haben kein übergreifendes Kinderbetreuungskonzept von der Kita bis zur Schule. Das möchte ich entwickeln. Dazu gehört ganz sicher der kostenfreie Kindergarten wenigstens zu den Kernzeiten. Zudem brauchen wir flexiblere Öffnungszeiten bei allen Kinderbetreuungseinrichtungen. Und natürlich brauchen wir auch ein Kino!

Wer ist Ihr Vorbild?

Hans-Dietrich Genscher. Er war ein zutiefst liberaler Mensch, der verstanden hat, dass man in der Politik nur mit offenen Ohren und einem offenen Herzen Erfolge erzielen kann.

Wenn Sie zum OB gewählt werden, dann . . .

. . . geht die Arbeit los.

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