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Rund 3500 Kilometer saß OB-Kandidat Ulrich Vogl (ÖDP) im vergangenen Jahr im Sattel. Sollte er gewählt werden, würde er als Erstes den Dienstwagen für den Oberbürgermeister abschaffen. 

Kommunalwahl 2020

Freisinger OB-Kandidat Ulrich Vogl (ÖDP) will Verkehrspolitik neu denken

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Ulrich Vogl (ÖDP) will Freisings neuer Oberbürgermeister werden. Im FT-Interview spricht er darüber, was er im Rathaus anders machen möchte - und über die seiner Meinung nach „schlimmste Fehlplanung“ der Stadt.

Freising – „Nachhaltig denken, planen und handeln“: Das ist das Motto von OB-Kandidat Ulrich Vogl (ÖDP). Im FT-Interview verrät er seine Stärken und Schwächen und erklärt, warum die Stadt gerade im Bezug auf den Flughafen „sehr wachsam“ sein muss.

In wenigen Wochen ist OB-Wahl. Wie fühlen Sie sich?

Gut. Nach 24 Jahren aktiver Kommunalpolitik in Freising kann einen so schnell nichts aus der Ruhe bringen.

Warum wollen Sie Freisinger OB werden?

Weil der OB beim wohl wichtigsten Ziel der Stadtgeschichte, der Klimaneutralität bis 2030, eine absolut erfolgskritische Funktion hat.

Welche Charaktereigenschaften muss ein OB mitbringen?

Führungsstärke und Teamfähigkeit, Visions- und Motivationskraft, Empathie sowie analytische Fähigkeiten. Und ein souveränes Auftreten.

„Nachhaltig denken, planen und handeln“

Ihr Lebensmotto?

Nachhaltig denken, planen und handeln.

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?

Komplexe Vorhaben und Projekte so zu planen und durchzuführen, dass man zu einem guten Ergebnis kommt.

Und wo haben Sie noch Optimierungsbedarf?

Insbesondere in meiner „politischen Jugend“ wollte ich Dinge oft zu schnell bewegen und habe es versäumt, meine Mitstreiter entsprechend einzubinden. Ich hoffe, dass ich meine Ungeduld inzwischen immer besser als produktive Energie einsetzen kann.

Was lieben Sie an der Stadt Freising am meisten?

Ihre liebenswerte Größe, ihre Lage im Zentrum Altbayerns und alles, was sie uns aktuell und potenziell bietet.

Was nervt Sie an Freising?

Die überholte Denke bei der Verkehrspolitik: Das Auto stand und steht im Mittelpunkt der Tagespolitik. Fahrradfahrer*innen und ÖPNV-Nutzer*innen werden immer noch übersehen, belächelt und oft für dumm verkauft. Und das, obwohl sie heute schon einen substanziellen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Stadt leisten.

Ein OB muss ein großes Orchester dirigieren. Welchen Takt schlagen Sie?

Takt ist nicht der richtige Begriff. Eine große Verwaltung kann nicht militärisch geführt werden. Dies funktioniert nur durch einen hohen Grad zufriedener und motivierter Mitarbeiter*innen. Die Bereiche, in die ich Einblick erhalten habe, arbeiten außerordentlich gut. Insbesondere das Planungsamt möchte ich positiv erwähnen: Es hat bei der Umsetzung eines klimaneutralen Freising bis zum Jahr 2030 wohl die Schlüssel-Rolle. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das – bei entsprechender Aufwertung und Aufstockung dieses Amtes – gelingen wird.

Das Bewusstsein für den Klimawandel ist so groß wie noch nie in der Gesellschaft. Was tun Sie persönlich, um unseren Planeten zu schützen?

Ich praktiziere den klimaschonenden „Pendler-Triathlon“: Ich fahre seit mehr als 30 Jahre tagtäglich mit dem Zug nach München, wobei ich in Freising mit dem Fahrrad, in München hingegen mit dem Bus unterwegs bin.

„Neue Straßen führen immer zu mehr Verkehr“

Hilft der Bau von Straßen dabei, den Verkehr zu entlasten oder führt er sogar noch zu mehr Verkehr?

Neue Straßen führen immer zu mehr Verkehr. Laut städtischem Gutachter wird dies bei der Westtangente zu einer Nettozunahme von rund 14 000 Kfz führen, die täglich zusätzlich durch unser Stadtgebiet fahren, unsere Atemluft mit Feinstaub und Stickoxiden belasten und die Ein- und Ausfahrtsknotenpunkte dichtmachen. Ich möchte allen aufs Auto angewiesenen Pendlern aus Freising schon jetzt mein Beileid bekunden, sobald diese Trasse für den Verkehr geöffnet wird. Das ist die schlimmste Fehlplanung der jüngeren Stadtgeschichte.

Das Moratorium zur 3. Startbahn endet in Ihrer Amtszeit. Was kommt 2023 auf Sie zu? 

Man muss hier sehr wachsam sein. Dieser für Freising so entscheidende Kampf ist leider noch nicht gewonnen. Im Kern habe ich keine Zweifel, dass einflussreiche Teile unserer Staatsregierung und aller FMG-Anteilseigner den Ausbau des Flughafens nach wie vor auf der Tagesordnung haben und nur auf den richtigen Zeitpunkt warten, ihn politisch durchzusetzen.

Ein Thema, das die Menschen umtreibt, sind die horrenden Mieten in Freising und die Wohnungsnot. Wie wollen Sie dieses Problem lindern?

Die ÖDP hat ein Drei-Säulen-Modell, das die Stadt selbst stark in die Verantwortung für die Neuschaffung bezahlbaren Wohnraums nimmt (Ziel: 100 neue Wohneinheiten pro Jahr). Die zweite und dritte Säule bestehen aus der Förderung neuer Wohnbaugenossenschaften sowie der Neuauflage von direkten Bauherren-Modellen – beides ausschließlich auf der Basis von per Erbpacht bereitgestelltem städtischen Grund.

Unser Wohlstand steht und fällt mit guter Bildung. Ist die Stadt Freising mit ihren Schulen noch auf dem neuesten Stand?

Bei Grund- und Hauptschulen kümmert sich die Stadt um die Liegenschaften und investiert in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in Neubau- und Renovierungsmaßnahmen. Ich denke, das ist notwendig und angemessen.

„Dienstwagen für den OB soll abgeschafft werden“

Ohne eigenes Kino fühlen sich viele Freisinger wie im falschen Film. Was fehlt in der Stadt noch dringend?

Das Kino wäre sehr wichtig. Und – Moosburg macht es vor – am liebsten in der Altstadt. Ich sehe hier das – als Pkw-Abstellfläche verkommene – Areal entlang der Angerbadergasse als idealen Standort. Mit dem fantastisch gewordenen fresch hat Freising endlich ein adäquates Bad und eine Super-Sauna. Darauf haben wir 30 Jahren gewartet.

Wer ist Ihr Vorbild?

Hans-Jochen Vogel wegen seiner Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit. Und wie er sich bis heute – inzwischen hochbetagt – noch für eine faire Boden- und Wohnungsbaupolitik einsetzt, ist phänomenal.

Wenn Sie zum OB gewählt werden, dann…

… werde ich zuerst das Privileg auf einen Dienstwagen für den OB abschaffen und anstelle dessen auf ein Dienstfahrrad setzen.

Die Freisinger OB-Kandidaten im Überblick

Alle OB-Kandidaten finden Sie im großen Überblicksartikel des FT. Bereits Rede und Antwort gestanden haben außerdem OB Tobias Eschenbacher (FSM) sowie die OB-Kandidaten Jens Barschdorf (FDP), Susanne Günther (Grüne), Jügen Mieskes (CSU)Richard Paukner (AfD) und Peter Warlimont (SPD).

Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

Service

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Freising, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Freising.

Lesen Sie auch: Politik-Professor erklärt Dreikampf ums Münchner Rathaus.

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