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Der enge Kontakt mit den Bürgern hat Landrat Josef Hauner besondere Freude bereitet.

Zwischen Asyl-Krise und Corona-Pandemie

„Ich bin ja kein Schönwetter-Landrat“: Josef Hauner blickt am Ende seiner Amtszeit zurück

  • Andreas Beschorner
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Am 30. April endet die Amtszeit von Landrat Josef Hauner. Im FT-Interview zieht er Bilanz - und spricht er über die schwierigste Entscheidung, die Stimmung im Kreistag und seinen Nachfolger.

Landkreis – Die Amtszeit von Josef Hauner endet am 30. April. Nach sechs Jahren als Landrat war er altersbedingt 2020 nicht mehr zur Wahl angetreten. Die Bilanz des CSU-Mannes, der damit auch seine 42-jährige Tätigkeit in vielen kommunalpolitischen Ämtern – vom Stadtrat über den Kreisrat bis hin zum 2. Bürgermeister der Stadt Freising – beendet, fällt positiv aus. Auch wenn es in den vergangenen sechs Jahren so manches gab, das eine große Herausforderung darstellte. Fundtiere, Asylkrise, Malachit und jetzt noch Corona-Pandemie.

„Los ging meine Amtszeit mit einem Mäusebussard“

Herr Hauner, Ihre Amtszeit hätten Sie sich wohl auch anders vorgestellt?

So ist es. Das begann schon am ersten Tag meiner Amtszeit mit einem Mäusebussard, der sich ein Bein gebrochen hatte, ging dann zwei Monate später mit den Gammelsdorfer Katzen weiter, wo mir für deren Versorgung eine Rechnung über 100 000 Euro vorgelegt wurde. Und dann eben die Asylbewerber – ein Thema, das die erste Hälfte meiner Amtszeit geprägt hat. Da mussten wir allein im Jahr 2015 rund 1500 neue Unterbringungsplätze schaffen. Und dann ging es um die Integration. Aber ich kann sagen, wir haben da gemeinsam mit den Helferkreisen alles getan – eine Integrationsbeauftragte eingestellt, auch einen Bildungsbeauftragten für Zugewanderte, außerdem eine Ehrenamtskoordinatorin und viele Asylsozialpädagogen. Und: Vergessen wir nicht die Afrikanische Schweinepest, auf die wir uns umfangreich vorbereitet haben. Anscheinend wird eben jeder Landrat mit Aufgaben konfrontiert, mit denen so nicht zur rechnen ist.

Wenn Sie gewusst hätten, was da alles auf Sie zukommt, hätten Sie dann 2014 trotzdem kandidiert?

Selbstverständlich hätte ich mich auch dann um den Posten beworben. Ich bin ja kein Schönwetter-Landrat.

„Wir haben viel auf den Weg gebracht“

Sechs Jahre Landrat Josef Hauner. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Meine Bilanz fällt positiv aus. Der Landkreis steht gut da, wir haben viel auf den Weg gebracht. Bei der Steuerkraft je Einwohner stehen wir an fünfter Stelle unter allen bayerischen Landkreisen. Wir haben den Schuldenstand um 40 Millionen Euro auf elf Millionen senken können – und das, obwohl wir eine Realschule in Freising und eine in Au gebaut haben, obwohl wir die Camerloher-Aula errichtet und Turnhallen saniert haben. Wir haben die Weichen für ein neues Verwaltungszentrum im Steinpark gestellt, wir haben die Realisierung des neuen Berufsschulzentrums vorangetrieben. Auf meinen Nachfolger wartet jetzt die Umsetzung des Masterplans für das Klinikum Freising. Und mir war auch immer wichtig, dass Freising als Kulturlandkreis wahrgenommen wird. Und auch das ist gelungen. Ich denke, ich konnte das meiste aus meinem Wahlprogramm umsetzen.

Gibt es etwas, das Sie nicht erreicht haben?

Ja. Leider wurde die dritte Startbahn noch immer nicht endgültig ad acta gelegt. 2015, als Ministerpräsident Horst Seehofer in Attaching war, hatte ich das sehr gehofft. Aber vielleicht ermöglicht die Corona-Krise ja eine neue Bewertung der Situation.

Was hat Ihnen in Ihrem Amt besondere Freude bereitet?

Das war der enge Kontakt mit Bürgern, Vereinen, Organisationen und Ehrenamtlichen, vor allem auch in den kleineren Gemeinden.

„Der Kreistag ist kein Parlament, sondern ein Kommunalorgan“

Und was war die schwierigste Entscheidung?

Ach, da gab es viele, bei denen ich genau überlegen musste, was meine Entscheidung am Ende auslöst.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit und Atmosphäre im Kreistag?

Wir haben sachbezogen und ergebnisorientiert gearbeitet. Und ich habe es geschafft, dass ein Klima herrschte, wie es für einen Kreistag sein soll: Der Kreistag ist kein Parlament, sondern ein Kommunalorgan, bei dem der Landkreis an erster Stelle stehen soll. Diese gute Zusammenarbeit hat übrigens auch mit allen 24 Bürgermeistern des Landkreises funktioniert.

Waren Sie froh, dass Sie keinen AfD-Vertreter im Kreistag sitzen hatten?

Ja, da bin ich froh. Denn ich bin ja grundsätzlich der Typ, der in keiner Weise polarisieren will. Man muss und wird sehen, wie das in Zukunft ist.

Womit wir bei Ihrem Nachfolger Helmut Petz sind. Wie findet die Amtsübergabe statt?

Das funktioniert gut. Wir hatten schon Gespräche, nach Ostern werden weitere folgen. Herr Petz war auch schon bei dem Treffen der Führungsgruppe Katastrophenschutz dabei, kann auch an wichtigen Besprechungen teilnehmen.

„Ich habe mir stets meine Integrität bewahrt“

Und jetzt? Wie sieht der Ruhestand des Josef Hauner aus?

Jetzt kommen der Frühling und Sommer, da wird mit nicht langweilig. Wir haben zu Hause einen schönen Garten, ich werde Rad fahren und hoffe als begeisterter Schwimmer, dass unser „fresch“ bald wieder öffnen kann. Ich werde viel Geschichtliches lesen und unser Bayernland erkunden. Zum Beispiel die Oberpfalz. Und natürlich werde ich viel Zeit für meine Familie haben. Aber nach 42 Jahren mit verschiedenen Mandaten in der Kommunalpolitik werde ich mich dafür natürlich weiter interessieren..

Ein Schlusswort?

Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich auch in den vergangenen sechs Jahren mir stets meine Integrität bewahrt habe und den Weg des seriösen und zuverlässigen Handelns fortsetzen konnte.

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