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„Ich mach’ alles mit“: Robert Habeck im Kommunalwahlkampf der Grünen, hier neben der Freisinger Oberbürgermeister-Kandidatin Susanne Günther (l.).

Besuch in Freising

Der Grünen-Joker: Robert Habeck tourt durch Bayern - Unterstützung im Kommunalwahlkampf

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In etlichen Orten wird die Kommunalwahl sehr knapp ausfallen. Die Grünen ziehen nun einen Joker, um die Wähler auf ihre Seite zu ziehen: Parteichef Robert Habeck tourt durch Bayern.

  • Grünen-Chef Robert Habeck hat Freising besucht.
  • Der Bundespolitiker macht im Freistaat Werbung für seine Partei.
  • Das Publikum ist begeistert.
  • Freising – Der Stargast kommt ohne Bugwelle. Statt Blaulicht-Kolonne nur Regionalexpress 4074, 2. Klasse. Statt Defiliermarsch zum Einzug schlüpft er unerkannt durch die Saaltür, bis die Gastgeberin aufblickt und verdutzt „Oh!“ ruft. Robert Habeck lässt sich dann auch nicht mit großer Geste ein Bier auf die Bühne reichen, bittet nur um „die Cola light, die ich vorhin angenuckelt habe“.

    Wenn Parteien ihre Bundes-Promis aus Berlin herankarren, geht es normalerweise aufwändiger zu. Der Grünen-Vorsitzende sammelt indes schon durch sein unprätentiöses Auftreten Sympathiepunkte im geneigten Publikum. Als sei er nur ein bisschen zum Plaudern vorbeigekommen, tritt Habeck an diesem Sonntagnachmittag in Freising auf. Er verspricht: „Ich mach’ hier alles mit.“

    Grünen-Chef Habeck macht Kommunalwahlkampf in Freising - und spricht kaum über Politik

    Alles? Vieles jedenfalls zurzeit. Der Auftritt, wo er die grüne Oberbürgermeister-Kandidatin Susanne Günther unterstützt, ist Teil mehrerer Bayern-Touren. Am Samstag vier Termine im ganzen Freistaat, am Sonntagabend in München, wo die Grünen ihre erste bayerische Großstadt holen wollen. Fast überall sind die Säle voll, in Freising ist es mit weit über 200 Gästen die größte Veranstaltung des Stadtverbands. Habeck redet auffallend wenig über Politik, höchstens in wolkigen, angenehm klingenden Phrasen, und generell mehr über sich selbst. Über seine Bekanntheit, Verantwortung, kurz darüber, dass es doch nun „verdammt noch mal wieder an der Zeit“ sei, dass die Grünen wieder in die Bundesregierung kämen. Nichts davon steht zur Wahl in Freising. Doch für die Kommunalwahlkämpfer, die in der Zeit bis 15. März um Aufmerksamkeit ringen, ist der Promi-Auftritt ein Riesengewinn.

    Tatsächlich nutzen die Grünen in diesen Tagen landauf, landab den Vorteil, aus Berlin mal Rückenwind zu spüren. In Umfragen hält sich die Partei bundesweit über 20 Prozent, die Doppelspitze aus Habeck und Annalena Baerbock ist beliebt. In Freising redet der Ehrengast fröhlich davon, wie die Partei Maoisten, Feministen, überzeugte Ökobauern unter einen Hut gebracht habe: „’Ne moderne Um-Interpretation dessen, was eine Volkspartei ist.“

    Robert Habeck in Freising: Grünen-Vorsitzender einziger Bundespolitiker im Lokal-Wahlkampf

    Die bisher bekannten Volksparteien können sich solche Auftritte nicht leisten. Die SPD versteckt ihre neue Bundesspitze, Münchens wahlkämpfender Oberbürgermeister Dieter Reiter sagt das sogar recht unverblümt. In der CSU macht zwar Parteichef Markus Söder jeden Abend einen Auftritt in Bayern, seine Bundesminister sieht man indes seltener: Scheuer Maut-belastet, Seehofer körperlich nicht mehr in der Lage zum Pausenlos-Wahlkampf. CSU wie SPD wollen im Lokalen lieber gar nicht an die extrem unbeliebte GroKo erinnern. Und die Freien Wähler, im ländlichen Raum eine Macht, haben schlicht keinen Bundespolitiker für eine Kundgebung.

    Lesen Sie dazu: Die CDU hat erst vor Kurzem einen jungen Vertreter nach Freising geschickt: Philipp Amthor. Der wetterte gegen die Konkurrenz-PArteien - und ließ auch an Habeck kein gutes Haar.

    Die grünen Kandidaten vor Ort frohlocken, wenn Habeck anreist. Die Neugier auf den Mann, der Deutschlands erster grüner Kanzler werden könnte, ist groß. Da kommen auch mal Nicht-Parteimitglieder, Unentschlossene, Neulinge. Außerdem profitieren die Grünen vom harmonischen Gesamtbild, sagt die Münchner OB-Kandidatin Katrin Habenschaden: „Was uns insgesamt hilft, ist die demonstrative Geschlossenheit über die Ebenen hinweg.“

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    Kommunalwahl 2020: Grünen-Chef Habeck kämpft für seine Partei - das Publikum liebt es

    Habeck wird nochmals zu ihrer Unterstützung nach München kommen, drei Tage vor der Wahl. Dann auch mit einem Abstecher in den politisch heiß umkämpften Landkreis Miesbach, um Bayerns erstem grünen Landrat Wolfgang Rzehak einen Schubs für die Wiederwahl zu geben. Es sei nicht so, dass man jemanden aus Berlin „zum Händchenhalten“ brauche, flachst Rzehak, aber hilfreich sei so ein Auftritt zurzeit immer. „Wir hatten auch schon Kommunalwahlen mit Gegenwind.“ Was Rzehak damit nur andeutet: Bei seiner ersten Landratswahl 2014 hieß die grüne Doppelspitze in Berlin noch Özdemir/Peter und stritt auf offener Bühne.

    In Freising ist der Auftritt nach nur einer guten Stunde schon wieder vorbei. Bei der CSU würden sie jetzt feierlich die Hymnen singen – Habeck erhält nur sein Gastgeschenk, eine gehäkelte Sonnenblume, und geht wieder. Das Publikum ist begeistert.

    Kommunalwahl 2020 in Bayern: Welche Aufgaben hat der Landrat?

    Service

    Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Freising, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Freising.

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