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Prozess im Sonnenschein: Verwaltungsgerichtspräsidentin Andrea Breit (blaue Jacke) machte sich im Beisein der streitenden Parteien ein eigenes Bild von dem Gebäudeensemble am Wörth. Sanierungsmaßnahmen an dem Gebäude auf dem Foto haben den Rechtsstreit zwischen der Hauseigentüm erin und der Stadt Freising verursacht.

Gerichtsverhandlung

Kompromiss im Streit um Denkmalschutz am Wörth

Es ist nur ein altes, kleines Haus, doch es steht an zentraler Stelle – und birgt großen Zündstoff: Bei dem Gebäude Am Wörth 34 prallen die Interessen zwischen der Bauherrin und der Stadt Freising heftig aufeinander – so sehr, dass es zum Baustopp und jetzt auch zu einem Gerichtsprozess gekommen ist.

Freising - Dachgauben, die offenbar größer geraten waren als zuvor, Kunststoff- statt Holzfenster im Obergeschoß und ein abgeschlagener Putz, der auf einen Sockel schließen ließ. Das alles gefiel der Stadt Freising und dem Landesamt für Denkmalschutz Ansto nicht an der Sanierung, die die Eigentümerin an ihrem Haus am Wörth hatte durchführen lassen.

Die Fronten waren verhärtet. Das wurde am Dienstag bei einem Gerichtstermin vor Ort schnell deutlich. Verhandlungsführerin bei der Inaugenscheinnahme mit allen Beteiligten war Verwaltungsgerichtspräsidentin Andrea Breit. Ihr ging es darum abzuklären, was es im Umfeld des umstrittenen Gebäudes schon „an Bausünden“ gebe. Und sie stellte fest: Ja, es wurden auch in der näheren Umgebung bereits Fenster aus Kunststoff und anderen Materialien eingebaut. Die Klägerin berief sich zudem auf Absprachen, wonach die Baumaßnahmen ordnungsgemäß durchgeführt waren.

Stadtdirektor Gerhard Koch und Bernhard Gruber von der Bauaufsicht im Rathaus sahen das anders. Sie stellten sich auf den Standpunkt, dass mehr gemacht worden sei als vereinbart, und dass man die Behörden vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Unabhängig davon ließ Koch Kompromissbereitschaft erkennen, frei nach dem Motto: „Retten, was noch zu retten ist“. Als Beispiele nannte er für weitere Maßnahmen, im Erdgeschoß Holzfenster einzubauen, einen entsprechenden Putz und Fensterläden anzubringen.

Was nun wirklich in einem denkmalgeschützten Ensemble wie Am Wörth geht und was nicht, darüber gingen die Meinungen dann im Rathaus bei der öffentlichen Verhandlung noch einmal auseinander. Die Anwältin der Klägerin beharrte darauf, dass alles abgesprochen gewesen sei. Gruber hielt dagegen, und Koch berief sich unter anderem auf eine Stellungnahme von Hildegard Sahler vom Denkmalschutz.

Am Ende stand ein Kompromiss, den Verwaltungsgerichtspräsidentin Breit vorgeschlagen hatte. Demnach darf alles, was bereits saniert wurde, so bleiben. Die weiteren Maßnahmen sind aber mit dem Denkmalschutz abzuklären. Positiv aus Sicht der Eigentümerin ist, dass man eingelassene Rollläden für zulässig erachtete.


Alexander Fischer

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