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Für alkoholkranke Menschen, die nicht gleich die Hände ganz von der Flasche lassen können, gibt es jetzt so etwas wie ein Einstiegsprogramm auf dem Weg aus der Sucht.

Beratungsstelle Prop bietet neue Therapie an

„Kontrolliertes Trinken“: Der sanfte Weg aus der Sucht

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Es hört sich an wie ein Widerspruch für alkoholkranke Menschen: kontrolliert trinken. Doch genau das ist das Konzept, mit dem der Prop-Verein Freising Betroffenen einen Weg aus der schweren Sucht weisen wollen. Kann das funktionieren?

Freising – Wer an der Flasche hängt, hat die Kontrolle über sein Leben und sein Konsumverhalten offenbar verloren. Trotzdem oder gerade deswegen sieht der deutsche Psychologe und Suchtforscher Joachim Körkel nur einen Ausweg aus der Sackgasse „Alkoholismus“: Suchtkranke Menschen müssten sich soweit in den Griff bekommen, dass es ihnen selbst gelingt, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren. „Kontrolliertes Trinken“ heißt das Konzept, das sich auch der Suchtpräventionsverein Prop zu eigen gemacht hat.

Den neuen Therapieansatz hat Sozialpädagogin Anna Krüger vom Prop bereits getestet – mit positiven Ergebnissen.

„Zentraler Bestandteil ist die zieloffene Suchtarbeit“, erklärt Anne Krüger. „Das heißt, dass alle, die dieses Gruppenangebot wahrnehmen, eigenständig festlegen, wie weit sie ihre Trinkgewohnheiten einschränken.“ Ist das nicht zum Scheitern verurteilt? „Nein“, sagt die Sozialpädagogin. Ganz im Gegenteil. Zwar sei für die Beratungsstelle natürlich die abstinenzorientierte Rehabilitation des Suchtkranken, der Königsweg. Vielen alkoholkranken Menschen erleichtere dieser Ansatz aber den Einstieg, die dem Alkohol sonst nie abschwören würden. „Wir können Leute abfangen, die noch nicht abstinenzbereit sind, aber ihr Trinkverhalten ändern wollen.“ Das sei besser, als nichts zu verändern.

Der selbstbestimmte Umgang mit dem Alkohol bei gleichzeitiger Anbindung an eine Gruppe von Leidensgenossen könne für einen enormen Motivationsschub sorgen – auch wenn die Therapie ganz unterschiedliche Ergebnisse zeitigt, wie Anne Krüger berichtet: „Während für die einen ein alkoholfreier Tag pro Woche ein großer Erfolg ist, gelingt es anderen, komplett abstinent zu bleiben. Unser oberstes Ziel ist es, eine zufriedenere Lebensgestaltung zu erreichen.“

Für maximal zehn Personen ist in der Gruppe Platz. Vorher durchlaufen sie ein Erstgespräch, bei dem verschiedene Faktoren abgeklopft werden: Wie riskant ist das Konsumverhalten des Betroffenen bereits? Wie hoch ist die tatsächliche Motivation, daran etwas zu ändern? Und gibt es Faktoren, die gegen die Maßnahme sprechen, eine Schwangerschaft etwa oder eine Leberzirrhose. Denn in diesen Fällen sei die Gefahr für Leib und Leben so groß, dass die Reduzierung des Alkoholkonsums allein nicht ausreiche, betont die Prop-Expertin.

Vergangenes Jahr hat Anne Krüger bereits einen Kurs geleitet. Für die beiden Teilnehmer war es eine große Hilfe, sich über Wünsche und Ziele auszutauschen, Ängste und Sorgen teilen zu können. Zudem führten die beiden ein „Konsumtagebuch“, in dem die individuellen Reduktionsvorhaben und tatsächlich erreichten Ziele protokolliert wurden – Tag für Tag, Woche für Woche.

Auch die Fähigkeit, Nein zu sagen, wurde trainiert. Der Umgang mit sozialen Risikosituationen und Möglichkeiten einer Freizeitgestaltung ohne Alkohol wurden ebenfalls thematisiert. Ganz oft spielt Sport dabei eine positive Rolle, wie Krüger berichtet: „Über Bewegung werden die Betroffenen körperlich fitter, leiden weniger unter Kater und fühlen sich so insgesamt besser.“

Die Ergebnisse ihres ersten selbst geleiteten Konsumreduktionsprogramms sind für Anne Krüger ermutigend. „Der eine hat seinen Alkoholkonsum um über die Hälfte reduziert und konnte das Level bisher gut halten“, berichtet sie. Der andere sei zwar aus dem Programm ausgestiegen, allerdings aus guten Gründen: Er hat sich für die Abstinenz entschieden.

Gut zu wissen

Das nächste Gruppenangebot „Kontrolliertes Trinken“ startet am 14. März. Weitere Informationen gibt es in der psychosozialen Beratungsstelle (Heiliggeistgasse 9) im Rahmen einer Offenen Sprechstunde. Sie findet mittwochs um 16 Uhr und freitags um 10 Uhr statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

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