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Die Freisinger Grünen sind sich sicher: Der Kreis braucht eigentlich 30 Windräder

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Das Bild zeigt den Bundestagsabgeordneten Leon Eckert, Ortsvorsitzende Tanja Dobmeier, Referent Reiner Heitz und dritter Landrat Robert Wäger (v. l.).
Das brandaktuelle Thema Windräder hatten sich die Freisinger Grünen für ihren Infoabend ausgesucht: Bundestagsabgeordneter Leon Eckert, Ortsvorsitzende Tanja Dobmeier, Referent Reiner Heitz und dritter Landrat Robert Wäger (v. l.). © Lehmann

Die Freisinger Grünen fordern bei einem Infoabend im Lindenkeller eine schnellstmögliche Energie-Transformation.

Freising – Die Grünen waren sich bei ihrem Infoabend im Lindenkeller bezüglich Windkraft-Energie einig: Es muss jetzt dringend angepackt werden. Vieles, so der Vorsitzende des Freisinger grünen Ortsverbands, Max Betzenbichler, sei in den vergangenen Jahren schlichtweg in Sachen erneuerbarer Energien „verschlafen“ worden, weshalb es jetzt halt 5 vor 12 sei. Neben dem zügigen Ausbau von Photovoltaik-Anlagen brauche der Landkreis mindestens 30 Windräder, betonte der Vorsitzende der Bürger Energie Genossenschaft-Freisinger Land, Andreas Henze.

Die Prognose

Zum großen Thema „Windenergie am Land“ hatten die Grünen am Donnerstag Reiner Heitz, der sich seit knapp 25 Jahren mit diesem Thema auseinandersetzt und deutschlandweit Windkraft-Projekte begleitet, eingeladen. Durch den Krieg in der Ukraine, sagte Heitz, seien die Menschen auf die Verknappung fossiler Energieträger sensibilisiert worden – obwohl das Thema per se ja nicht neu wäre. Seine düstere Prognose: Bereits nach zwei weiteren Generationen könnte die aktuelle Krisen-Situation bezüglich Öl und Gas ein Dauerzustand sein, weshalb jetzt die Transformation zu erneuerbaren Energien mit „voller Power“ durchgezogen werden müsse. Auch zu den Vorschlägen, die Atomkraft als Zwischenlösung weiter zu nutzen, hat Heitz eine klare Meinung: „Die Atommeiler müssen weg!“ Die Gefahr durch „Zündler wie Putin“ sei einfach zu groß.

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Die Hoffnung

Weshalb es gerade in Bayern an der Windkraft-Nutzung scheitere, liege bekanntlich an der 10H-Regelung, die grundsätzlich nur Anlagen in Forst-Gebieten erlauben würde. Deutschlandweit würden solche Projekte auch oftmals erschwert werden durch diverse Klagen aus den „untersten politischen Ebenen“, wie Heitz betonte. Da Ministerpräsident Markus Söder auch Druck vom Wirtschaftsminister Robert Habeck bekommen habe, hofft Heitz, dass „Bayern endlich zur Vernunft kommt“ und die 10H-Regelung kippt. Denn selbst ohne jegliche Einschränkungen könne es dauern, bis so ein Windkraftrad endlich steht – nämlich bis zu zwei Jahre von der Planung bis zum Aufstellen. Hier, betonte Heitz, sei einfach „unglaublich viel Zeit verplempert“ worden.

Der Status quo

Im Landkreis Freising stehen aktuell zwei Windkrafträder. Mindestens 30, rechnete Henze vor, wären aber nötig, um genügend Energie gewinnen zu können. Was die Grünen auch enorm ärgert: Durch die politische Verzögerungstaktik sei sehr viel Geld verloren gegangen, denn der Bau eines Windkraftrads werde immer teurer, aktuell liege der Preis je Rad bei rund sechs bis sieben Millionen Euro – und schon bald könnten es laut Heitz acht Millionen sein. „Dann werden wir ja vor 2025 nicht viele Windkrafträder im Landkreis haben“, befürchtete Ortschef Max Betzenbichler und verwies auf die bestehende 10H-Regelung und die lange Plan- und Bauphase.

Die spezielle Situation

Was im Landkreis Freising speziell ist: Die Stadt Freising und Moosburg haben gar keine Fläche, die für Windkrafträder in Frage käme, noch dazu gibt es in Freising deutliche Aussparungen im Bereich Flughafen und der Radar-Anlage in Haindlfing, was laut Henze bis dato ungenügend geklärt sei. Die Frage aus der Runde, ob eine Petition helfen könnte, beantwortete der stellvertretende Landrat Robert Wäger so: „Wenn das ginge, hätte es der Magerl längst gemacht!“ Eine Petition zum Fall der 10H-Regelung wäre beispielsweise nur sinnvoll, glaubt Heitz, wenn 100 bayerische CSU-Bürgermeister dahinterstünden – oder die Stadtwerke München. Dabei, so Heitz weiter, wäre alles eigentlich so einfach, denn wenn die Bürger in solche Projekte eingebunden würden, steigere das auch die Akzeptanz für Veränderungen. Es fehle aber auch ein wenig an der politischen Kontinuität, wie Wäger attestierte. Zum dritten Mal in Folge hätte Freising beispielsweise einen Landrat, der nur eine Periode lang das Amt versehe.

Das Resumee

Für Windkrafträder spreche einfach sehr viel, wie Heitz resümierte: Wenig Flächenverbrauch und ein wohl nur geringer Schaden, wenn das Windrad umfalle – ganz im Gegenteil zu den Folgen eines Atom-Unfalls. In punkto Lärm müsse man sich ohnehin sich strikt an Vorgaben halten und bei Bedarf auch nachgebessert werden.

Auch das große Vogelsterben durch Rotoren sei laut neuen Statistiken laut Heitz nichts als eine „Mär“. Deshalb, forderte Experte Heitz, müsse angepackt werden – „und zwar jetzt.“

Richard Lorenz

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