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Kuriose Erklärung vor Gericht

Cannabis-Plantage geerbt: 33-Jährige schiebt Schuld auf toten Freund

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Nachdem Drogenfahnder bei einer 33-Jährigen zahlreiche Hanfpflanzen fanden, gab die Beschuldigte nun vor Gericht eine kuriose Erklärung für den Besitz ab.

Nördlicher Landkreis Freising – Eine kleine, aber durchaus ertragreiche Cannabis-Plantage hat eine 33-Jährige im nördlichen Landkreis Freising unterhalten. Die acht Pflanzen ergaben abgeerntet rund 120 Gramm Marihuana. Wegen der guten Qualität des Stoffs war die Grenze zur nicht-geringen Menge um das Doppelte überschritten. Vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Freising wurde der Frau nun der Prozess gemacht.

Trotz der relativ großen Menge musste sich die Angeklagte bloß wegen Drogenbesitz verantworten. Handel war ihr nicht nachzuweisen. Hinweise dafür, dass die 33-Jährige bis zur polizeilichen Hausdurchsuchung am 16. Oktober vergangenen Jahres mit Cannabis dealte, fand die Polizei nicht. Anfangs behauptete die junge Frau sogar, ihr Produkt nicht einmal selbst konsumiert zu haben. Die Pflanzen auf dem Speicher des Hauses habe sie von ihrem verstorbenen Lebensgefährten geerbt, ließ die Angeklagte ihren Verteidiger erklären. Ihr damaliger Freund sei einem Joint zeitlebens nicht abgeneigt gewesen.

Die stiefmütterliche Behandlung der Pflanzen nahm ihr das Gericht nicht ab

„Gute Geschichte“, entgegnete der Vorsitzende Richter Manfred Kastlmeier auf den Vortrag des Anwalts. „Das muss ich erst mal verdauen.“ Dass die 33-Jährige die Pflanzen lediglich als schicke Dekoration für Geburtstagspartys schätzte und eher stiefmütterlich behandelt habe, nahm ihr das Gericht nicht ab. Der Lebensgefährte war im Dezember 2015 verstorben. In den zehn Monaten bis zur Hausdurchsuchung hatte die Angeklagte die Pflanzen gewässert und sie im Sommer in den Garten gestellt. Vor Einbruch des Winters trug sie die acht Pflanzen wieder hoch auf den Speicher, sorgte für künstliche Beleuchtung.

Das Gesetz unterscheidet zwischen einer geringen und einer nicht-geringen Menge Cannabis. Die Grenze zur nicht-geringen Menge liegt bei 7,5 Gramm THC. Das Produkt der Angeklagten wies fast 14 Gramm auf. Dafür, dass die Pflanzen, wie behauptet, mit wenig Liebe aufgezogen wurden, sei das abgeerntete Marihuana von beachtlicher Qualität gewesen, bemerkte Richter Kastlmeier und schob ironisierend nach: „Wer weiß, was aus ihnen geworden wäre, wenn sie ordentlich gehegt und gepflegt worden wären.“

Ein Vorfall am Freisinger Bahnhof führte die Ermittler zu der Frau

Die Angeklagte war aufgeflogen, nachdem eine Bekannte am Freisinger Bahnhof mit etwas Cannabis erwischt worden war. Die Frau, die kürzlich auf einem Geburtsfest im Haus der 33-Jährigen zu Gast war, bot den Ermittlern ihre uneingeschränkte Hilfe an. Auf ihrem Handy hatte sie Fotos der Pflanzen gespeichert. Von Drogenfahndern ließ sie sich dann zu dem Haus im nördlichen Landkreis chauffieren.

Das Gericht verurteilte die nicht vorbestrafte Angeklagte zu neun Monaten und setzte die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Dass die junge Frau die Pflanzen von ihrem verstorbenen Lebensgefährten übernommen hatte, war ihr nicht zu widerlegen. Nachdem sie im Verlauf der Verhandlung einräumte, gelegentlich am Joint des Freundes gezogen zu haben, war aber klar, dass ihr die Bedeutung von Cannabis bewusst war, dass sie die Pflanzen nicht nur der Erinnerung wegen hielt und fachgerecht versorgte. Der 33-Jährigen ist Drogengenuss für die Zukunft untersagt. Ein halbes Jahr lang muss sie damit rechnen, ihre Abstinenz durch Urinproben nachzuweisen.

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