Kreishandwerksmeister Martin Reiter fordert

„Mehr Berufsorientierung an Gymnasien“

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Es ist das vielgerühmte Rückgrat der Wirtschaft, es ist der berühmte Mittelstand: das Handwerk. Heute ist in Bayern „Tag des Handwerks“. Und es besteht durchaus Grund zum Feiern. Das war schon einmal anders.

Freising – Wenn der Spruch vom Handwerk und dem goldenen Boden bedeute, dass die Geschäfte momentan gut laufen, „dann stimmt das definitiv“, schildert Freisings Kreishandwerksmeister Martin Reiter die Situation. Und das werde sich in diesem Jahr auch nicht mehr ändern, prophezeit Reiter. Die Gründe für diese gute Auftragslage könne man klar benennen: Der Arbeitsmarkt sei robust, die Zinsen niedrig. Das bedeute, dass die Menschen mit sicherem Einkommen rechnen könnten, auf dem Finanzmarkt für ihr Geld keine Zinsen bekamen, gleichzeitig aber günstige Kredite aufnehmen könnten. Die Folge: „Deswegen wird viel konsumiert und in die eigenen vier Wände investiert“, weiß der Kreishandwerksmeister.

Wie lange dieser Boom anhalten werde, könne man nicht genau sagen. Auch wenn Deutschland momentan „wirtschaftlich prima“ dastehe – wie sich der Brexit auswirke, welche Wirtschaftspolitik Donald Trump verfolge, seien ungeklärte Fragen. Deshalb Reiters Tipp: Für den Fall, dass die Wirtschaft einmal nicht mehr „brummt“, sollte man durchaus schon jetzt „vorbauen“.

Wichtig: Die Auftragslage sei derzeit branchenübergreifend gut. Was dem Handwerk allerdings zu schaffen mache, sei der Fachkräftemangel, so ein Wermutstropfen in den Erfolgsmeldungen. „Das kann so weit gehen, dass wir Aufträge ablehnen müssen“, beschreibt Reiter die Lage. Was man dagegen tun kann? „Wer heute nicht ausbildet, hat morgen keine Fachkräfte“, weiß Reiter. Deshalb werde man noch intensiver als in den vergangenen Jahren um Auszubildende werben. Das freilich klinge leichter als es sei, denn immer mehr Jugendliche „zieht es an die Hochschule“. Das Handwerk halte da mit Informationsveranstaltungen, mit dem Auftritt bei Ausbildungsmessen, mit Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis und auch mit Nachwuchskampagnen im Internet dagegen, versichert der Kreishandwerksmeister. Und man fordert „endlich mehr Berufsorientierung an den Gymnasien“.

Martin Reiter „Die Auftragslage ist gut, der Arbeitsmarkt robust“.„Es wird viel konsumiert und in die eigenen vier Wände investiert“Kreishandwerksmeister Martin reiter

Doch es gibt noch andere Herausforderungen, auf die das Handwerk reagieren muss: Die Digitalisierung nennt Reiter und vor allem auch „die überbordende Bürokratie“. Da könne man an vielen Stellen „abspecken“, betont Reiter. Ein Beispiel: das grenzüberschreitende Arbeiten. In diesem Bereich habe es gerade zu Jahresbeginn wieder Verschärfungen seitens der Österreicher gegeben, die noch mehr und zusätzliche Bürokratie für die Handwerksbetriebe bedeuten. Aber auch beim Arbeitszeitgesetz würden sich Reiter und seine Kollegen eine größere Flexibilisierung wünschen. Eine solche würde nicht nur den Unternehmern helfen, sondern auch den Mitarbeitern entgegenkommen.

Wichtig für das Handwerk und den Mittelstand: Aufträge in der Region und aus kommunaler Hand. Da hat der Kreishandwerksmeister eigentlich keinen Grund zur Klage, wie er sagt. Wichtig sei eben, dass die einzelnen Lose bei öffentlichen Aufträgen so gestaltet werden, dass auch kleine und mittlere Betriebe aus dem Handwerk in der Region eine Chance hätten und mit ihren Geboten zum Zug zu kommen. Zudem sei noch etwas wichtig, fügt Reiter lachend an: „Dass die Kommunen pünktlich bezahlen.“

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