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„Speisekarte schreiben wie an der Börse“: Gastronomen kämpfen mit Inflation - Fleisch rapide teurer geworden

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Von: Magdalena Höcherl

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Mahlzeit mit Beigeschmack: In vielen Wirtschaften sind die Speisen teurer geworden. Schweinsbraten als Klassiker nicht ausgenommen. ArchiV: SCHMIDT
Mahlzeit mit Beigeschmack: In vielen Wirtschaften sind die Speisen teurer geworden. Schweinsbraten als Klassiker nicht ausgenommen. Archiv © Achim Schmidt

Erst Corona, jetzt Inflation infolge des Ukraine-Kriegs: Die Gastronomie im Landkreis ist gebeutelt. Das bekommen auch die Gäste zu spüren. Doch die Wirte geben sich tapfer.

Landkreis – Nicht nur die Energiekosten explodieren, sondern auch die Lebensmittelpreise. Besonders deutlich spüren das dieser Tage die Gastronomen im Landkreis Freising, die nach zwei Jahren Pandemie ohnehin keinen leichten Stand haben. „Der Einkauf ist eine Katastrophe“, sagt Thierry Willems vom Bräustüberl Weihenstephan in Freising. „Wir müssen Speisekarten schreiben wie an der Börse. Was wir heute auf den Tisch legen, passt morgen schon nicht mehr.“ Vor allem Fleisch sei innerhalb von zwei Wochen 50 Prozent teurer geworden.

Im Bräustüberl Weihenstephan ist nichts mehr als einen Euro teurer geworden

Diese Preissteigerung gibt Willems nun an die Gäste weiter – gezwungenermaßen. „Wir haben es moderat gemacht, nichts ist mehr als einen Euro teurer geworden“, betont er. „Wir möchten schließlich nicht, dass sich die Leute das Essengehen nicht mehr leisten können.“ Die Getränkepreise habe er nicht verändert.

Was den Betreiber des Bräustüberls am meisten ärgert: „Ich glaube, dass viele, von denen wir abhängig sind, die aktuelle Situation missbrauchen und so Preiserhöhungen rechtfertigen wollen. Da müsste der Staat halt auch mal eingreifen.“ Seinen Zorn hält Willems am Telefon nicht zurück: „Letztlich ist der ganz kleine Konsument der Leidtragende. Der normale Bürger wird richtig verarscht.“

Als die Omikron-Welle vor einiger Zeit abzuflachen begann, sei er zuversichtlich gewesen. „Aber jetzt, mit dem Krieg und der Inflation, haben wir die nächste Krise“, sagt Willems. „Aus dieser Geschichte rauszukommen, ist schwierig. Aber es hilft ja nix.“

Inflation und Ukraine-Krieg: Fleisch und Gemüse deutlich teurer

„Die Preiserhöhungen schlagen in erheblichem Maße zu Buche“, sagt Anna Elisabeth Hofmeier vom gleichnamigen Hotel und Landgasthof in Hetzenhausen (Gemeinde Neufahrn). „Die Lieferanten haben fast wöchentlich Mitteilungen geschickt, dass Lieferkosten oder Produktpreise ansteigen. Uns ist schon ganz schwindlig vor lauter Erhöhungen.“ Vor allem Fleisch und Gemüse sei enorm im Preis gestiegen. „Auch die explosionsartig angestiegenen Energiekosten treffen uns massiv.“

Wegen Inflation: Der Zwiebelrostbraten kostet mittlerweile 25 Euro

Die Folge: Die Speise- und Getränkekarte wurde angepasst. Das Helle kostet nicht mehr 3,70, sondern 3,90 Euro, der Preis für ein Weißbier stieg um 20 Cent auf 4,10 Euro. Der Schweinsbraten ist um einen Euro teurer geworden und kostet jetzt 14,20. Der Zwiebelrostbraten, für den eine schöne und mittlerweile enorm teure Rinderlende notwendig sei, lag vorher zwischen 21 und 22 Euro. „Jetzt sind wir bei knapp 25 Euro. Das ist schon eine Hausnummer“, gibt Hofmeier zu. „Aber uns bleibt leider nichts anderes übrig.“ Nach zwei Jahren Pandemie hätte kein Gastronom die Reserven, um die Preissteigerungen aufzufangen, weiß die DEHOGA-Kreisvorsitzende.

Ihr ist auch bewusst, dass sich die höheren Preise auf der Karte wohl auf die Kundschaft auswirken. „Die Leute gehen wahrscheinlich nicht mehr so oft essen wie früher.“ Trotzdem will Hofmeier nicht jammern: Nach den jüngsten Corona-Lockerungen sei das Geschäft wieder sehr gut angelaufen, gerade über Ostern. In Hetzenhausen habe man sogar schon wieder die ersten Hochzeiten gefeiert. „Was das angeht, sind die Auftragsbücher bis Oktober voll.“ Was sich jüngst gezeigt habe: „Die Leute freuen sich, endlich wieder rauszugehen, in Gesellschaft zu sein und zu feiern. Sie sind richtig ausgehungert“, so die DEHOGA-Kreisvorsitzende.

Weiteres Problem in der Gastronomie: Fehlendes Personal

Nach wie vor schwierig sei allerdings die Personalsituation: Laut Hofmeier könnte die jüngst beschlossene stufenweise Tariferhöhung von 27 Prozent in der Gastronomie – eine weitere Belastung für die Arbeitgeber – zwar ein Anreiz sein. Aber während der Pandemie hätten sich enorm viele umorientiert in Berufe, deren Arbeitszeiten besser mit Freizeitaktivitäten vereinbar seien. „Mit der Personallage haben wir daher wirklich zu kämpfen.“

Ähnliches berichtet Lukas Kammermeier vom Hotel und Gasthof Drei Tannen in Moosburg. „Seit drei Monaten suchen wir einen Küchenmitarbeiter, es ist wirklich zäh.“

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Gastronomen trotz Ukraine-Krieg und Inflation zuversichtlich: „Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt nix“

Zu schaffen machen auch ihm die steigenden Lebensmittelpreise. „Alles, was mit Weizen, Öl und Fleisch zu tun hat, ist besonders hochgegangen“, sagt Kammermeier. „Auch bestimmte Gemüsesorten sind deutlich teurer geworden. Zum Beispiel Romanesco, mit dem wir viel arbeiten, kostet jetzt das Doppelte im Vergleich zum Januar.“ Daher habe man sich gezwungen gesehen, die Preise etwas zu erhöhen. „Das fängt zwar noch lange nicht das auf, was die Händler draufgeschlagen haben. Aber unsere Gäste kämpfen ja selber. Wenn dann das Schnitzel auf einmal 20 Euro kostet, kann sich das niemand mehr leisten.“

Kammermeier gibt sich dennoch kämpferisch: „Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt nix. Ich sage immer: Wenn wir die letzten zwei Jahre überstanden haben, dann schaffen wir das jetzt auch.“

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