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Für den Erhalt der Lehrwerkstatt demonstrierten am Mittwoch während der Mittagspause mehr als 100 Steinecker-Beschäftigte vor den Werkstoren. 

Keine Ausbildung mehr im Werk Steinecker

Krones schließt Lehrwerkstatt in Freising

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Der Krones-Konzern schließt die Lehrwerkstatt am Werk Steinecker in Freising. Am Mittwoch protestierte dagegen die Belegschaft.

Freising– 18 junge Leute absolvieren derzeit beim Attachinger Werk Steinecker der Krones AG eine Ausbildung, die Seltenheitswert genießt: Sie werden Anlagenmechaniker der Fachrichtung Behälterbau. Damit soll in einem Jahr Schluss sein. Krones will die Lehrwerkstatt schließen – wogegen gestern auf Initiative der IG Metall mehr als 100 Beschäftigte vor den Werkstoren protestierten. „Ein Standort ohne Ausbildung ist wie ein Baum ohne Wurzeln“ war auf dem Banner der Belegschaft zu lesen.

„Da machen wir nicht mit“

„Wir wehren uns dagegen, dass die Ausbildung bei uns plattgemacht wird“, lautete die Botschaft des Betriebsratsvorsitzenden Uwe Görg und dessen Stellvertreter Hans Liebl. Auch wenn derzeit die Auftragslage des Unternehmens nicht gerade rosig sei, dürfe man nicht an der Ausbildung sparen: „Was jetzt angerichtet wird, ist irreparabel“, sagte Hans Liebl. Mit einem offenen Brief an Krones-Chef Christoph Klenk hat man versucht, die Lehrwerkstatt zu retten. 431 der 484 Freisinger Beschäftigten hatten unterschrieben. „Die Solidarität ist riesig“, sagte Betriebsratsvorsitzender Uwe Görg, „die gesamte Belegschaft will den Erhalt der Ausbildung in Freising“. Die Botschaft an die Krones-Spitze: „Da machen wir nicht mit.“ Am Mittwoch traf die Antwort des Vorstandschefs ein: An der Schließung sei nicht mehr zu rütteln.

Zuwenig Bedarf, zuviel Aufwand

Das Argument für das Aus der Lehrwerkstatt: Ab dem Jahr 2024 gebe es beim Werk Steinecker praktisch keine Fluktuation mehr, wie Unternehmenssprecherin Ingrid Reuschl erklärte. Es gebe daher keinen Bedarf für Nachwuchskräfte, der Personalbedarf sei auf lange Sicht „gesättigt“. Würde man weiter ausbilden, „dann würden wir das für den Markt tun, aber nicht für unser Unternehmen“. Für die acht Azubis im ersten Lehrjahr, die ihre Ausbildung komplett in der Lehrwerkstatt absolvierten, sei der Aufwand einfach zu groß. „Die Entscheidung fiel uns wahrlich nicht leicht“, sagte Reuschl, „aber wir mussten die Handbremse ziehen.“ Fertige Azubis könnte man später nur auf Kosten der Belegschaft einstellen. Daher habe man die Lehrwerkstatt „eingefroren“. Bei steigendem Personalbedarf könne man die Ausbildung wieder hochfahren.

Das Schicksal der Lehrwerkstatt scheint besiegelt

„Das wird dann aber in anderer Form passieren“, betont Betriebsratsvorsitzender Uwe Görg. Die Unternehmensspitze wolle dann vermutlich bei anderen Firmen ausbilden lassen. Diese „Verbundausbildung“, bestätigt Krones-Sprecherin Reuschl, sei eine von mehreren Möglichkeiten. Das Schicksal der Lehrwerkstatt jedenfalls scheint besiegelt. Hans Liebl: „Das später wieder in Gang zu bringen, ist kaum möglich.“ Dann habe man ja die dafür nötige Infrastruktur und das Personal abgebaut.

Laut Uwe Görg soll die Lehrwerkstatt Ende 2020 geschlossen werden. Alle 18 Lehrlinge können ihre Ausbildung aber beenden, weil die Azubis mit Beginn des zweiten Ausbildungsjahrs von der Lehrwerkstatt in die eigentlichen Betriebswerkstätten wechseln.

Das gleiche Schicksal wie Freising ereilt laut Steinecker-Betriebsrat auch das Krones-Werk in Flensburg. Auch dort werde ausgebildet – und auch dort werde die Lehrwerkstatt dichtgemacht.

Gut zu wissen

Im Werk Steinecker in Attaching werden Brauanlagen gefertigt und neue Technologien für die Herstellung von Bier entwickelt. Im September hatte Krones den „sozialverträglichen“ Abbau von 400 Stellen an den fünf Standorten angekündigt. Das Konzernergebnis war im ersten Halbjahr drastisch gesunken. Betriebsbedingte Kündigungen gebe es aber nicht, hieß es. 

Lesen Sie auch: Krones baut Stellen ab: Steinecker-Werk in Attaching wohl auch betroffen

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